Predigt vom Abend der Barmherzigkeit

03. Juni 2011

Diakon Mag. Walter Obenaus

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus!

Wenn wir uns heute wieder zum Abend der Barmherzigkeit versammelt haben, dann heißt das, dass wir Gott wieder ein Stück näher kommen. Gott will nichts mehr, als dass wir Seine Barmherzigkeit annehmen. Von Seiten Gottes ist alles getan. Es liegt an uns, ob wir Seine Erlösung annehmen oder nicht. Seine Erlösung annehmen heißt auch Seine Barmherzigkeit annehmen. Wir Menschen sind Ihm gegenüber immer gewisser Weise in Schuld. Darum kann man sagen, dass, wenn Gott nicht barmherzig wäre, wir sowieso verloren wären. Es war notwendig, dass Gott selbst auf die Erde kam um den Zugang des Menschen zu Gott wieder herzustellen.

Wenn wir das Bild des barmherzigen Jesus betrachten, dann wird sehr klar Seine Liebe zu den Menschen sichtbar. Jesus spricht am Kreuz: „Mich dürstet.“ Dies ist nicht so sehr ein Durst nach Wasser, sondern es ist der Durst nach den Seelen, der Durst nach uns Menschen. Er dürstet nach uns – Er will unser Heil – Er will unsere ewige Glückseligkeit. Das kann nur Gott für den Menschen bewirken. Niemand kann uns ewige Glückseligkeit garantieren außer Gott allein. Wenn Gott etwas verlangen würde zur Vergebung der Sünden, wir könnten es nicht bezahlen. Der Preis unserer Erlösung ist das kostbare Blut Jesu Christi. Beim Bild des barmherzigen Jesus sieht man zwei Strahlen aus Seinem Herzen ausgehen – einen roten und weißen Strahl: der rote symbolisiert das Blut Christi, das die Seele vor Gottes Zorn rechtfertigt.  Das Blut Christi ist wie ein Schutzwall, bildlich gesprochen. So wie die Erstgeburt der Israeliten im alten Bund vom Todesengel beschützt war, als sie die Türpfosten mit dem Blut eines Lammes bestrichen haben, so ist das Blut Christi auch ein großer Schutz für die Seele. Der weiße Strahl bedeutet das Wasser der Taufe. Es wäscht von Sünden rein.

In den Botschaften, die Schwester Faustina von Jesus empfangen hat heißt es: „Künde der Welt Meine große, unergründliche Barmherzigkeit. Bereite die Welt vor auf Meine zweite Ankunft. Bevor Ich als Richter komme, öffne Ich noch ganz weit die Tore Meiner Barmherzigkeit.“ Heute in Vorau sind die Schleusen von Gottes Barmherzigkeit weit offen. Der eigentliche Ort der göttlichen Barmherzigkeit ist der Beichtstuhl. Bei der Beichte verhüllt sich Jesus im Priester, aber in der Seele des Beichtenden wirkt Jesus selbst. Es gibt keine Sünde die Gott nicht verzeihen könnte, außer wenn wir an Seiner Barmherzigkeit zweifeln. Schwester Faustina schreibt: „Keine Sünde, und wäre sie ein Abgrund von Bosheit, wird Meine Barmherzigkeit ausschöpfen können; denn je mehr man schöpft, umso reichlicher fließt sie.“ Das Wichtigste, das wir als Christen brauchen, ist ein unerschütterliches Vertrauen in Seine Barmherzigkeit. Dazu soll dieser Abend der Barmherzigkeit dienen! Auch die Heilige Messe führt die Seele zur Barmherzigkeit Gottes – in der Hl. Messe feiern wir ja das Erlösungswerk Christi.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir sind aufgerufen, die Erlösung Jesu Christi in Anspruch zu nehmen – Vertrauen wir heute neu auf Gott und nehmen wir Seine Erlösung für uns an.

Das heutige Evangelium nach Johannes ist den Abschiedsreden entnommen. Es ist die Rede von der Trauer Seiner Jünger. Obwohl Jesus den Jüngern vorhergesagt hat, dass Er sterben und dann auferstehen wird, sind sie wegen Seines grausamen Todes geschockt. Sie konnten nicht die Brücke zur Auferstehung herstellen, obwohl Jesus es ihnen vorhergesagt hatte. Jesus sagt ihnen aber voraus, dass sie sich freuen werden. Nämlich: Weil sie Ihn wieder sehen werden. Jesus spricht hier die Begegnungen nach der Auferstehung an. Er ist Seiner Mutter, den Aposteln und 500 anderen erschienen. Es heißt dann: „Ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude.“ Jesus ist wahrhaft auferstanden, das ist das Unglaubliche damals wie heute. Auch heute können selbst viele Christen nicht an einem Leben nach dem Tod glauben. Dabei ist das die zentrale Botschaft des Christentums. Würde man in unserem Glauben die Auferstehung streichen, man würde etwas Wesentliches wegnehmen. Im letzten Satz des Evangelium, das wir heute gehört haben, steht dann: „An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.“

Das ist eine Verheißung – nämlich die Sendung des Heiligen Geistes. Wir stehen unmittelbar vor dem Pfingstfest. Wir haben den Heiligen Geist empfangen durch die Taufe und die Firmung. Er ist unser treuer Beistand – Ihn können wir um Rat fragen. Das Ziel des Christen ist, ein mündiger Christ zu werden. Wenn wir einmal vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen, können wir uns nicht mehr auf andere berufen und sagen z.B. der hat gesagt ich soll so leben, obwohl es vor Gottes Angesicht falsch war. Wir müssen also einmal selbst Rechenschaft ablegen. Darum hat Gott uns Seinen Beistand gegeben, wie schon gesagt bei der Taufe und bei der Firmung, dass wir mit Ihm unser Leben meistern. Ich will damit nicht sagen, dass wir keinen geistlichen Begleiter oder gute Ratschläge von anderen mehr brauchen. Sondern ich möchte Euch ermutigen mehr zum Heiligen Geist zu beten und die Heilige Schrift im Heiligen Geist zu lesen. Dann können wir erkennen, was Gottes Wille für uns selbst ist und wir dienen dann Gott zum Aufbau Seins Reiches.

Ich wünsche Ihnen reichlich Gnaden der Barmherzigkeit von Gott und die Fülle des Heiligen Geistes zum Hohen Pfingstfest. Amen.






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