Mitschrift der Predigt
von Provinzial P. Andreas Hasenburger C.PP.S.

13.09.2011
Heilige Messe beim Gebetsabend mit Alan Ames

Liebe Brüder und Schwestern,

wir werden heute zwar noch viel von Alan Ames hören, aber ich denke, eine kurze Auslegung zu den Worten des Evangeliums, das wir heute gehört haben, ist dennoch angebracht. Ich werde versuchen, – ich hoffe, der Heilige Geist hilft mir dabei – mich kurz zu fassen.

Ich habe dieses Gleichnis sehr gerne, weil es ein Spiegelbild ist, nicht nur für die Situation,  in der wir in der Kirche und in der Welt leben, denn hier finden wir all diese Bereiche, die Jesus anspricht. Es ist vielmehr ein ganz persönliches Spiegelbild  für die Situation in jedem Herzen, in unserem eigenen Herzen, das wir vergleichen können mit einem Areal, wo diese verschiedenen Aspekte, die Jesus hier anspricht, vorkommen.

Das Wort wird gesät, sagt Jesus. Und das ist ja über die Jahrhunderte geschehen: das Wort wurde gesät und es wird auch heute ausgestreut durch jene, die den Auftrag haben, es zu verkünden. Die Frage, wie es ankommt und ob es Frucht bringt, hängt wesentlich mit der Beschaffenheit unserer Seele zusammen: ob unsere Seele eben vergleichbar ist mit diesem Boden, der schon urbar gemacht worden ist, wo das Wort hineinfällt und tatsächlich auch Frucht bringt, dreißigfach, sechzigfach und hundertfach. Aber es gibt eben auch diese anderen Bereiche in unserem Leben.

Bleiben wir heute einfach einmal, ohne jetzt groß hinauszuschauen in die Kirche und in die Welt, bei uns, weil wir ja selber auch dieser Berührung durch Gott bedürfen, die uns bereit macht und öffnet, dass wir mehr Frucht bringen, dass dieses Feld, wo das Wort hinfällt und dann auch Frucht bringen kann, größer wird.

Es  gibt bei uns, in unserem Areal des Herzens, leider auch diese Wege, von denen Jesus spricht. Wir hören zwar das Wort, es fällt dann auch auf diese Wege, doch  der Satan kommt und nimmt es sofort weg. Wenn das Wort nicht in den Boden hineinfallen kann, weil der Weg zu hart ist, dann kann es  keine Frucht bringen. Diese Wege werden von Jesus nicht näher erläutert, auch in seiner Erklärung nicht. Er sagt von diesen zusammengetretenen Wegen nur, dass der Satan das Wort entfernt, wenn es dort hinfällt.

Jesus nimmt dieses Bild als erstes Bild. Und es ist ein sehr ernstes Bild, würde ich sagen. Denn was möchte dieser harte Weg zum Ausdruck bringen? Wir finden diesen Weg ja da und dort in unserem Herzen, dort wo unser Herz hart geworden ist. Nicht umsonst gibt es dieses wunderbare Wort im Propheten Ezechiel, wo der Herr sagt: „Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch."

Es gibt diesen Bereich der Verhärtung des Herzens in uns, wo das Wort buchstäblich keine Chance hat, sondern wo der Satan gleichsam alle Macht hat und alles wieder wegnehmen kann. Gerade Unversöhnlichkeit, nicht vergeben wollen, nur dem eigenen Egoismus nachlaufen, nur die eigenen Wünsche erfüllen und alle, die neben mir sind einfach vergessen, verhärtet unser Herz. Und es ist schlimm, wenn unser Herz hart geworden ist, denn dann wird es ganz schwierig, dann muss ein Wunder her. Aber schaut, wir dürfen Vertrauen haben, dass in jeder Heiligen Messe und in jedem Sakrament, das wir empfangen, zumal auch im Sakrament der Buße, immer ein Wunder geschehen kann, wodurch sich dieses hart gewordene Herz wandeln kann in ein Herz von Fleisch, und dann urbar gemacht wird, damit das Wort hineinfallen kann. Das ist immer eine Chance für uns, wir brauchen nicht aufzugeben.

Das zweite Bild, das Jesus bringt, spricht von der schnellen Bereitschaft zu hören und begeistert zu sein, jedoch ohne Wurzeln, die tief hinunter treiben in den Boden. Das kennen wir wahrscheinlich auch. Wir sind oft schnell begeistert von einer Sache, und wenn es dann eben schwierig wird, wenn dann die Hitze des Alltags kommt und die Sonne niederbrennt, dann reicht das Erdreich nicht aus, um zu nähren. Auch das gibt es. Nämlich dort, wo wir zu wenig bereit sind, den Humus aufzuhäufen in unserem Leben. Das heißt, uns auch wirklich zu nähren mit dem Wort Gottes; uns zu nähren mit dem Gebet und  mit der Anbetung; einfach mit unserem Leben in die Gegenwart Gottes zu gehen. Das wäre dieser Humus, den wir auf diesen felsigen Boden gleichsam auflagern, damit ein tiefer Boden entsteht. Unten, der Fels bleibt, aber wir müssen schauen, dass das Erdreich darüber ausreichend wird, damit es Frucht bringen kann.

Was aber ganz problematisch ist, weil es uns fast am meisten trifft, ist auf dieses Bild von den Dornen zu schauen: die Dornen, die Sorgen des Alltags, sagt Jesus; der Reichtum, die Gier nach dem allen. Wenn wir das Wort gehört haben und nicht bei ihm bleiben, sondern diesem weltlichen Getue allen Raum geben und uns dem wieder hingeben, dann ersticken diese Dornen die Saat und sie kann nicht aufgehen. Auch das gibt es. Auch in unserem Leben. Jeder kann das, glaube ich, bei sich feststellen. 

Wir wollen vor allem dankbar sein für den Boden, der schon urbar gemacht ist, eben durch unsere Hingabe an Gott, durch unser redliches Mühen Tag für Tag, einen Weg der Nachfolge zu gehen, mit Jesus zu gehen, das Wort Gottes zu hören, aus den Sakramenten zu schöpfen.

Dort, wo schon urbar gemachter Boden ist, da kann das Wort Frucht bringen und auch zum Zeugnis werden, weil es in unserem Leben etwas bewirkt, was andere Menschen zum Aufhorchen bringt, und sie fragen lässt: „Was hast du, was ich nicht habe?" Ich glaube, es ist niemand da, bei dem es nicht auch diesen Boden im Herzen gibt.

Danken wir dem Herrn dafür und bitten wir ihn einfach jetzt in der Eucharistie um Heilung. Bringen wir diese Bereiche aus unserem Herzen, die verhindern, dass das Wort Wurzel fassen, reifen und Frucht bringen kann, zu Jesus. Legen wir diese Bereiche aus unserem Herzen, von denen wir erkannt haben, dass sie keine Frucht bringen können, vor Jesus und lassen wir sie gleichsam durchströmen von seinem kostbaren Blut, in dem er gegenwärtig wird, das unsere Heilung, Rettung und Befreiung ist und das alle Macht hat, das, was urbar gemacht werden muss in unserem Herzen, auch urbar zu machen, damit  die Frucht aufgehen kann, welche der Herr will, wenn er zu seinen Freunden und zu seinen Jüngern sagt: „Ich will, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt." Amen. 





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