Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari, Graz-Seckau

Predigt beim Dankgottesdienst anlässlich der Generalsanierung des Mutterhauses, Gästehauses und Priesterhauses sowie der Neuerrichtung des Klostergartens in Vorau am 14. September 2011, Fest Kreuzerhöhung

Eine weitere Etappe der Entwicklung dieses Hauses auf die Zukunft hin ist abgeschlossen. Dafür ist einer Reihe von Menschen zu danken, die dies durch einen großen Einsatz zuwege gebracht haben: allen voran die Frau Generaloberin Marianne Schuh und ihre geistlichen Schwestern und mit ihnen viele Frauen und Männer, denen das Gedeihen dieses Hauses am Herzen liegt. Zuerst und zuletzt ist aber dem Dreieinigen Gott  zu danken, der den Vorauer Schwestern die Kraft gegeben hat, vor neuen großen Herausforderungen nicht zu kapitulieren, sondern tiefer ins Gebet einzutauchen und so auch neue Kraft zu gewinnen, die sich auch im Mut zum Umbau und Neubau gezeigt hat, aber vor allem in neuen geistliche Berufungen ihre Fruchtbarkeit erweist. 

Die Vorauer Schwestern tragen den Namen Marias, der Mutter Christi und Mutter der Kirche. Das zeigt programmatisch, dass sie sich besonders von zwei Worten berühren lassen wollen, die Maria bei der Hochzeit in Kana gesprochen hat. Das eine Wort war ein Hinweis auf ihren Sohn Jesus und eine Einladung, ihm zu vertrauen. Es lautet: „Was er euch sagt, das tut.“ Dieses Wort begleitet seither die Kirche als Einladung zur Nachfolge Christi an jeden einzelnen Christen und an alle Christen gemeinsam. 

Das andere Wort Marias in Kana war an Jesus selbst gerichtet als Hinweis auf eine Situation von Not, in die Menschen geraten waren und als Hoffnung auf eine notwendige Hilfe durch Jesus. „Sie haben keinen Wein mehr“, hat Maria zu Jesus gesagt. Über die konkrete Situation damals in Kana hinaus ist das ein Diagnosewort betreffend immer wiederkehrende Grenzsituationen im Leben einzelner Menschen und ganzer Völker. Wein ist ein Lebensmittel und daher auch ein Symbol für Lebenssinn, Lebenskraft und auch für Glaubenskraft. Maria, die ihren Sohn als Fürsprecherin um das Weinwunder in Kana gebeten und dies nicht vergebens getan hat, bleibt seither eine Anwältin von Menschen, denen – bildhaft gesprochen – der Wein ausgegangen ist: der Wein des Lebenssinnes, der Wein der Glaubenskraft. 

Liebe Vorauer Marienschwestern! Diese beiden Worte Marias als Fürbitte für Menschen und als Einweisung in die Nachfolge Christi gehören zur Seele Ihres Dienstes für Gott und für die vielen Ihnen anvertrauten Menschen. 

Heute, am 14. September 2011, dem liturgischen Fest der Kreuzerhöhung, stellt uns die Kirche das Kreuz Christi vor Augen. Es war am Karfreitag nur ein Marterholz, aber durch die Auferstehung Christi am dritten Tag ist es ein Lebensbaum geworden. Die Gemeinschaft der Vorauer Marienschwestern will Menschen in Krankheit und Not helfen, ihr Kreuz zu tragen und darunter nicht zusammenbrechen, weil Jesus schließlich nicht bei den Toten geblieben, sondern Sünde und Tod im Osterereignis überwunden hat. Darum gibt es in diesem Orden einerseits das Mitleiden mit den Leidenden und das stellvertretende und auch das sühnende Gebet und Opfer für gottfern gewordene Menschen. Und andererseits darf, ja muss es hier immer wieder und mehr noch eine österliche Frömmigkeit und Fröhlichkeit geben im Blick auf Christus, den Auferstandenen, dessen Wunden nicht getilgt, aber verklärt worden sind.

Möge dieses Haus im Blick und im Hören auf Jesus und auf Maria eine Quelle bleiben und noch mehr werden, aus der viele Menschen, denen der Wein, die Lebens- und Glaubenskraft auszugehen droht, trinken und neue Kraft gewinnen können.






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