25. Dezember 2010: CHRIST, DER RETTER, IST DA!

Die Botschaft von Christi Geburt schenkt Trost und erfüllt uns alljährlich mit großer Freude. In der Dunkelheit der winterlichen Jahreszeit, im Dunkel der Welt, im Dunkel unserer Verwirrungen, Unzulänglichkeiten und Verstrickungen in Unrecht und Sünde strahlt ein Licht auf. Gott selbst schenkt sich uns in seinem Sohn Jesus Christus als jenes helle Licht, dessen Strahlkraft alles, was in und um uns dunkel ist, beleuchtet und erleuchtet.

Gott macht sich zu uns auf den Weg: nicht als mächtiger Herrscher, als Triumphator, als starker und mächtiger Herr. Er liefert sich uns aus in seinem Sohn Jesus Christus, in der Gestalt eines kleinen unschuldigen Kindes.

Dieses Kind war damals in der „Welt“ nicht sehr willkommen, was ja der Bericht über die erfolglose Herbergssuche aussagt. Willkommen war das Kind bei seinen Eltern Maria und Josef. Sie wussten, dass Gott sie dazu ausersehen hatte, seinen Sohn in seinem menschlichen Leben zu behüten, zu ernähren und zu erziehen, ihm ihre ganze Liebe zu schenken. Die Größe dieses Kindes erkannte während Marias Schwangerschaft ihre Base Elisabeth und noch davor deren damals auch noch ungeborener Sohn Johannes, der in ihrem Leib vor Freude hüpfte. Später fanden die Hirten und die Weisen den Weg nach Bethlehem in den Stall.

Das zeigt uns, dass Gott allen Menschen, egal ob gebildet oder ungebildet, ob reich oder arm, ob jung oder alt die Möglichkeit schenkt, ihn zu finden und ihn zu erkennen – unter der Voraussetzung, dass man das auch will und sich auf die Suche nach ihm macht.
Jedes Jahr freut man sich über die Adventzeit, selbst wenn der vorweihnachtliche Stress von Jahr zu Jahr zunimmt. Man liebt das Weihnachtsfest, besucht Weihnachtsmärkte, erfreut sich an der weihnachtlichen Stimmung und lässt sich von Weihnachtsliedern im Radio und in den Geschäften berieseln. Das göttliche Kind interessiert oft nur mehr am Rande. Vielerorts hat es der Weihnachtsmann ersetzt.

Zwar ist die Geburt Jesu ein besonderes Ereignis. Sie ist auch von geschichtlicher Bedeutung, da ja die moderne Zeitrechnung mit Christi Geburt beginnt. Man hat auch Urteile - aus humanitären Gründen - gegen die lieblosen Gastwirte der damaligen Zeit. Mitleid mit der Heiligen Familie regt sich in den Herzen der Menschen. Dieses kleine Kind, der Sohn Gottes, vermag tatsächlich so etwas wie Rührung, Betroffenheit und ein wenig Anteilnahme hervorzurufen, denn es kommt in Armut in einem Stall zur Welt und muss in einer Krippe liegen.

Wie leicht neigt doch der Mensch zur Verurteilung und Schwarz-Weiß-Malerei. Wie aber reagiert man, wenn man selbst betroffen ist? Erkennen wir in den Menschen unserer Umgebung Maria und Josef, die vielleicht an unsere Haus- oder Herzenstüren klopfen, um einzutreten und uns Jesus zu bringen?


Nun feiern wir unmittelbar nach Weihnachten am 28. Dezember, noch in der Oktav, das Fest der Unschuldigen Kinder. Jesus konnte dem Morden des Herodes damals entkommen, weil sein Pflegevater Josef mit der Familie nach Ägypten flüchtete. Viele Kinder mussten damals ihr Leben lassen, unschuldig, wehrlos ausgeliefert. Sie wurden den Armen ihrer Mütter entrissen, weil ein Mächtiger versuchte, Jesus töten zu lassen. Diese unschuldigen Kinder gehören zu den ersten Blutzeugen Christi und gaben ihr Leben für ihn hin, obwohl sie der Sprache noch nicht mächtig waren. Allein, ihr Schreien drang bis zum Himmel.

Die Geburt Jesu ist nicht Vergangenheit und auch der Kindermord nicht. Alle Ereignisse und Berichte der Heiligen Schrift sind für uns aufgeschrieben und von Bedeutung für die Gegenwart. Deshalb soll und kann Weihnachten ein Zeitpunkt sein, der uns veranlasst, einen Bezug zur Gegenwart herzustellen und uns Gedanken zu machen über die Situation der Kinder heute.

Das Fest der Unschuldigen Kinder müsste man jeden Tag feiern, denn Tag für Tag sterben Kinder an Hunger und Krankheit, durch Gewalt und Misshandlungen. Dazu kommen noch die vielen Millionen, denen das Leben durch eine Abtreibung verweigert wird. Bitten wir dieses Kind von Bethlehem, dass es auch in diese Dunkelheit, in diese große Verwirrung unserer Zeit Licht bringe.
Vom Holz der Krippe führte der Lebensweg Jesu ans Holz des Kreuzes, um uns zu erretten vor Sünde und ewigem Tod.
Christus, der Retter, ist da! Er ist bei uns, in aller Dunkelheit, in aller Not!

Bitten wir den großen und barmherzigen Gott, der uns im Jesuskind seine offenen Arme entgegenstreckt, wie es in unserer Anbetungskapelle am Fenster so schön dargestellt ist, dass immer mehr Menschen seine Liebe wiederentdecken und einen Weg der Umkehr einschlagen, der sie aus der Dunkelheit ihres Lebens zum Licht führt, das er selbst ist.

Wenn wir diesem Kind unser Herz schenken, wie wir in einem Lied der Weihnachtszeit singen, verlangt das von uns Liebe zu unseren Nächsten. Johannes schreibt in seinem ersten Brief (1 Joh 4,20):
Wer seinen Bruder (damit ist auch die Schwester gemeint) nicht liebt, den (die) er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. Lieben wir nur dieses blondlockige Kind aus Holz oder Gips in der weihnachtlichen Krippe, das Jesus darstellt oder lieben wir den lebendigen Gott in der Gestalt des Jesuskindes und aller Kinder? Begegnen wir allen Kindern mit Liebe, weil Jesus sie liebte und sie unserer Zuneigung besonders anempfahl! Lieben wir die Kinder, um ihnen Geborgenheit in einer nicht sehr kinderfreundlichen Welt zu vermitteln.


Wir haben für diese Liebe zu den Kindern ein besonderes Vorbild in unserer Mutter Gründerin Barbara Sicharter. Sie versorgte in den ersten Zeiten der Hauskrankenpflege mit ihren damaligen Mitschwestern immer wieder arme Kinder, deren Mütter und Familien. Sie bot nicht nur gesundheitliche Versorgung, sondern schenkte sehr oft die notwendigen Nahrungsmittel, auf die sie selbst und die Schwestern verzichteten. Mitunter nahm sie aber auch arme Kinder ins Haus auf und gab ihnen ein Zuhause.


In unserer Chronik lesen wir über eines der ersten von diesen Kindern:

Im Jahre 1875 kam Rosina Demel als vierjähriges Kind zu den Schwestern. Der Vater war gestorben und die Mutter war sehr arm. Deshalb nahm sich Schwester Barbara des Mädchens an, das ab diesem Zeitpunkt bei den Schwestern lebte. Da Rosina sehr begabt war und fleißig lernte, durfte sie die Schule der Schulschwestern besuchen. Nach einiger Zeit glaubte sie, eine Berufung zur Schulschwester zu haben, wurde aber durch Krankheit an einem Ordenseintritt gehindert. So schloss sie sich später der Gesellschaft der Schwestern an und konnte nun ihre Kenntnisse und Talente zum Nutzen der Anstalt verwenden. Sie verfertigte feine Handarbeiten und besorgte die schriftlichen Arbeiten. Im Jahre 1898 übertrug ihr Herr Dechant Englhofer die Aufsicht und Leitung der jüngeren Schwestern und Kandidatinnen, welches Amt sie bis Ende 1902 versah. Dann ließ es ihre sich stets verschlimmernde Krankheit nicht mehr zu.


Nehmen wir uns vor, in dieser Zeit Kindern gegenüber ein bisschen aufmerksamer zu sein, um die Not wahrzunehmen, vor allem die seelische Not, in der manche Kinder heute aufwachsen, weil sie oft zu wenig Liebe und Geborgenheit erfahren. Helfen wir, wo es uns möglich ist. Empfehlen wir alle Kinder, jene, die Leben dürfen, aber besonders jene, denen es verwehrt wurde, der Obhut des göttlichen Kindes. Beten wir um Segen für diese dem Herrn so wichtigen „Kleinen.“
So wünschen wir allen Besuchern unserer Homepage noch frohe Festtage in der Weihnachtsoktav und einen besinnlichen Jahreswechsel. Der Friede, verheißen allen Menschen guten Willens, möge Ihnen im Neuen Jahr in reichem Maß geschenkt werden, der Segen Gottes begleite Sie in Ihrem Tun und Denken.

Das wünschen ganz herzlich

Ihre Vorauer Marienschwestern






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