Vision der Ordensgründerin Sr. Barbara Sicharter

Barbara wird auf ihrem Weg durch einen umgefallenen Baum aufgehalten. Der Stamm, der ihr den Weg versperrt, sieht kräftig aus. Beim genauen Hinschauen stellt Barbara fest, dass dieser junge Baum im Inneren morsch und von Würmern zerfressen ist. Ihm fehlte die Standfestigkeit gegen die Umwelteinflüsse. Barbara ist tief berührt von diesem Anblick.

...denn ein inneres Bild enthüllt sich vor ihrem geistigen Auge - die Vision: Äußerlich mag vieles gut aussehen. Aber was passiert, wenn der Halt aus dem Inneren gefragt ist? Barbara schaut diese Parallele zwischen Baum und Mensch. Ein gesundes Inneres ist wie ein Herz, das im Glauben seine Stärke findet und im Vertrauen auf Gott verwurzelt ist.

Der Lebensweg führt ins Licht. Zugleich kommt die Sonne durch den Weg auf uns zu. Gottes Führung wird uns in den einzelnen Lebensabschnitten bewusst. Der freiliegende Wurzelstock erscheint wie der "Schatten der Sonne". Mit unserem Denken können wir die Welt begreifen. Allerdings verleitet diese Fähigkeit dazu, Sicherheit in Macht, Geld, Erfolg und Leistung zu sehen und daran zu  glauben.

Diese irdischen Dinge verleihen uns das Gefühl, jemand zu sein. "Wie es innerlich aussieht, geht mich nichts an" denkt so mancher, und schon sitzt der Wurm in der Sache. Durch Krankheit werden wir wachgerüttelt. In der schwersten Stunde erwacht das Herz und findet zu seiner Berufung. Barbara schaut ihrem Innersten ins Auge. Zugleich erkennt sie, dass Gott der Ursprung aller Dinge ist. Der Blick Barbaras erhebt sich deutlich über den Baumstamm, der ihr ins Auge sticht. Sie ist vom göttlichen Licht erfasst. Der Blick ist weit geöffnet. Ihr Gesichtsausdruck zeigt Ergriffenheit und glückliches Staunen.

Sie sieht den wahren Menschen, der wie ein Baum verwurzelt ist. Der eine Fuß ist fest in der Erde  verankert, der andere schreitet voll Vertrauen  auf dem Lebensweg. Dieser Mensch hat in Gott seine Mitte gefunden. Sein Herz ist zur Blüte geöffnet. Das Haupt ist zum Himmel erhoben und vom Sonnenlicht durchflutet. Gottes Wirken wird durch solche Menschen offenbar.

Der gesunde Stamm kreuzt den Stamm des gefallenen Baumes und bildet gemeinsam mit ihm ein Kreuz. Licht und Schatten, Leben und Tod. Freude und Leid sind untrennbar miteinander verbunden. Der Glaube gleicht einem Senfkorn, das klein im Samen und groß in der Entfaltung ist. Der gefallene Baum wird zum Boden für den neuen. Im Glauben erwächst uns die Kraft, die zur Auferstehung führt. Jesus Christus hat uns gezeigt, dass wir durch Ihn und in Ihm Erlöste sind - hier und jetzt und in jedem Augenblick unseres Lebens. Jede Krankheit ist eine Chance, jede Dunkelheit lässt das Licht erst deutlich erkennen, jedes Kreuz birgt den Keim der Erlösung und Auferstehung in sich.

Über das ganze Bild ist Gottes Auge symbolisch gemalt. Barbara schaut die Liebe in Vollkommenheit. Die Blüte steht im Blickfeld. Barbara ist bereit, sich für die Aufgaben ihres Lebens zu öffnen. Ihre Hoffnung ist der voll entwickelte Baum, in dessen Mitte die Frucht steht, die Auferstehung in Christus, die Erfüllung des Glaubens, der Gott geweihte Mensch. Auf dem Lebensweg begegnet ihr Morsches und Gefallenes. Im Licht der Sonne betrachtet, steckt in allem die Auferstehung. Mit Liebe im Blick ist in jedem die innere Blüte erkennbar.


"Visionen der Gründerin Sr. Barbara" von Karin Wimmer am 20. Juni 2005


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