Statue der Gottesmutter
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Mutter Barbara Sicharter

Kindheit und Elternhaus

Am 4. Dezember 1829 wurde Barbara Sicharter auf dem Kroneggerhof in Wenigzell als drittes von sieben Kindern geboren. Das Vorbild der frommen Mutter vor Augen, wuchs Barbara schon als Kind in das religiöse Leben der Familie und der Pfarre hinein. Obwohl ihre ganze Schulbildung nur drei Jahre umfasste, erlernte sie die für ein Landmädchen ihrer Zeit notwendigen Kenntnisse des Lesens, Schreibens und Rechnens.

Als Barbara Mitte zwanzig war, sah sie auf ihrem Weg durch den Wald einen jungen Baum, der umgefallen war.
Sie fühlte sich gedrängt, nach der Ursache zu  sehen und stellte fest, dass er innen morsch und hohl war.

 

Die Frage: „Was wäre, wenn ich trotz äußerer Schönheit und Kraft innerlich krank, morsch und hohl wäre?“, ließ sie nicht mehr los.
Dieses Erlebnis bewirkte ein verstärktes Nachdenken über ihr Inneres und ermöglichte Jahre des Wachsens und Reifens.

Am Fest der Unbefleckten Empfängnis, am 8. Dezember 1861, erkrankte Barbara Sicharter schwer. Die Krankheit fesselte sie fünf Monate lang ans Bett. Während dieser Zeit erwachte in ihr die Sehnsucht nach ungeteilter Hingabe an Gott in einem Leben mit Gleichgesinnten. Die nun folgenden Jahre der schweren Prüfungen änderten ihren Wunsch nicht.

1865, am 30. Mai,
machte sich Barbara mit einer Freundin,
dem Ruf  Gottes in ihrem Herzen folgend,
nur mit den notwendigsten Habseligkeiten im Buckelkorb
auf den Weg in eine ungewisse Zukunft.

 

In der Nähe von Vorau mieteten sie das „ Tonihäusl“.
Schon nach einer Woche kamen zwei Wenigzellerinnen dazu.
In dieser Zeit wurden die  jungen Frauen  von Hchw. Herrn Karl Engelhofer geistlich begleitet.
Unter seiner Anleitung lebten sie zurückgezogen, arbeiteten für ihren Lebensunterhalt und beteten gemeinsam.

Eine Gemeinschaft entwickelt sich

 

Kaum ein Jahr später rief Gott die kleine Gemeinschaft zu Werken der Liebe:
eine unheilbar kranke Frau bat um Aufnahme und Pflege.
1866 wurde Barbara gebeten, ihre Schwestern in die Häuser gehen zu lassen, um die Kranken zu pflegen.

 

Diese beiden Ereignisse waren der Beginn der Spitals- und Hauskrankenpflege.
Da die meisten Kranken sehr arm waren, zeichnete sich für die Schwestern auch der Auftrag zur Armenpflege ab.

 

Im Sommer 1875 kaufte die Gemeinschaft, die mittlerweile aus sieben Schwestern bestand, das Stroblhaus in Vorau.
Dieses war groß genug, um ihre zehn zu betreuenden Kranken und Siechen zu beherbergen.

 

Am 3. Februar 1876, als die Schwestern schon 16 Kranke und Sieche betreuten, erhielten sie die Bewilligung zum Betreiben eines Krankenhauses.
Bereits 1885 mussten ein Stockwerk und zwei Seitenflügel dazugebaut werden. Im Zuge des Umbaues erhielten die Schwestern ihre erste Kapelle.

 

 

 

Stroblhaus

Am Platz des damaligen Stroblhauses in Vorau steht heute unser Mutterhaus.

Da die Schwestern damals einheitlich blaue Kleider und Schürzen mit weißen Halstüchern und blauen oder schwarzen Kopftüchern trugen, wurden sie von der Bevölkerung die „Blauen Schwestern genannt.

Ab dem 4. November 1897 bildeten die Schwestern einen staatlich anerkannten Verein.
Sie durften den Titel „Gesellschaft zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria ohne Makel der Erbsünde empfangen“ führen.
Zuvor waren sie Mitglieder des Dritten Ordens des heiligen Franziskus gewesen.

 

Am Rosenkranzfest 1898 trugen die Schwestern erstmals eine einheitliche klösterliche Tracht.

 

Im Jahre 1897 wurde Barbara Sicharter mit fast 68 Jahren zur ersten Oberin gewählt.

Damals leitete sie die Gemeinschaft bereits mehr als 25 Jahre.

In den Jahren 1900 und 1903 wurde sie wiedergewählt.

 

1902 wurde ein weiterer Umbau notwendig,
da die Schwestern mittlerweile
an die 100 Patienten zu betreuen hatten.

 

 

 

Im Sommer 1903 wurde auch die Hauskapelle vergrößert.

 

 

 

Der 4. November 1903
ist ein wichtiger Gedenktag für die Schwesterngemeinschaft,
denn an diesem Tag durfte in der Hauskapelle
die erste Hl. Messe gefeiert werden.

 

 

Mutter Barbaras größter Wunsch wurde damit erfüllt.

 

 

 

 

Die letzten Jahre der Gründerin

 

Im Winter 1898
stürzte die Gründerin bei einem Kirchgang
und brach sich den Fuß,
der nicht mehr heilte.

Von diesem Zeitpunkt an
wurden Krücke und Stock ihre ständigen Begleiter.

 

Zu ihrem größten Schmerz
konnte sie lange Zeit die heilige Messe nicht mehr besuchen.

Die Eucharistie
war für Mutter Barbara der Mittelpunkt ihres Lebens.

 

Die Liebe zu Gott und den Menschen
trieb Mutter Barbara ständig an,
sodass sie bis zu ihrem Lebensende
immer wieder auf Krücken gestützt
durchs Spital humpelte,
um nach dem Rechten zu sehen.

 

 

 

Sie liebte es,
ihre Schwestern fröhlich zu sehen
und verstand den Krankendienst als Missionsberuf.

 

 

Viele durchbetete Nächte und Stunden
geben Zeugnis von ihrer innigen Christusliebe.

Ihren Mitschwestern versicherte sie immer wieder:
„Ich werde für euch beten.“

 

 

Am 4. Februar 1905 erkrankte Barbara Sicharter an einer Lungenentzündung.

Als sich der Zustand verschlimmerte,
empfing sie am 7. Februar bei vollem Bewusstsein die Sakramente.

 

Am 9. Februar starb Mutter Barbara im Kreise ihrer Schwestern.

 

 

In der Gründungszeit unseres Ordens
nimmt auch der Augustiner Chorherr Hw. Herr Karl Engelhofer
einen wichtigen Platz ein.

Er war zu dieser Zeit Kaplan in Wenigzell
und der erste geistliche Begleiter Barbara Sicharters.

 

Stand er ihrer Berufung auch anfänglich abwartend gegenüber,
so gewann Mutter Barbara später seine volle Unterstützung.

Sie hatte  in ihm einen treuen Freund und geistlichen Begleiter,
auch für die kleine Gemeinschaft.

Er verfasste die ersten Vereinsstatuten
und half beim Erwerb des Strobl-Hauses ganz entscheidend mit.

 

Drei Tugenden zeichneten ihn besonders aus:
seine Sorge für die Armen,
seine Liebe zu den Kranken
und sein Eifer im Gebet.

 

Er blieb bis zu seiner schweren Erkrankung im Jahre 1900
geistlicher Begleiter der Schwesterngemeinschaft.

In unserer Chronik kann man lesen:
Er war ein begnadeter Priester.