Statue der Gottesmutter
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Erkennungszeichen einer Berufung

"Wie geschieht Berufung?"

Für gewöhnlich nicht spektakulär. In der Weise eines mit langem Atem (von Seiten Gottes) geführten Dialogs.
Der Anruf ist in der Regel leise, geduldig ungezählte Male neu ansetzend, in tausend alltäglichen Dingen verborgen ankommend.

  • Wachsende Unruhe in der Tiefe des Herzens

Es gibt eine Unruhe im Herzen, die sich so artikuliert: „Das kann doch nicht alles sein!“ Das ist nicht zu verwechseln mit Unzufriedenheit oder mit Flucht aus der Realität. Die Unruhe in der Tiefe des Herzens kann ein Anzeichen dafür sein, dass Gott mich in eine größere Nähe ruft.

  •  Wachsende Sehnsucht, nach dem Evangelium zu leben

Es kann ein Zeichen der Berufung in einen Orden sein, wenn immer mehr der Wunsch wach wird, so zu leben, wie Jesus selbst gelebt hat: ohne falsche Kompromisse, in einem totalen Vertrauen auf Gott, in großer Freiheit und Unabhängigkeit von materiellen Bedürfnissen…

Es darf allerdings nicht nur beim Wunsch bleiben. Ein Echtheitskriterium ist, ob man auch erste  Schritte geht und das Evangelium im Alltag zu leben beginnt.

  •  Wachsende Freude am selbstlosen Dienst für andere

Ob im Herzen eine geistliche Berufung wächst, kann sich auch zeigen an einer zunehmenden Freude, Menschen zu helfen und ihnen zu dienen.

Konsum-Mentalität, Karrieredenken und egoistische Lebenseinstellung werden dann immer mehr als hohl und lebensfeindlich durchschaut. Es kann ein Anruf sein, wenn ich erfahre, dass mich selbstloses Dienen glücklich macht.

  • Wachsender Wunsch, den Glauben weiterzugeben

Oft steht man mit seiner Glaubensüberzeugung allein. Ein Zeichen der Berufung kann es sein, wenn ich zwar andere Menschen in ihren Fragen und in ihrem anderen Denken verstehe und respektiere, gleichzeitig aber so viel Freude am Glauben finde, dass ich davon überzeugend reden kann und ihn gerne anderen weitergeben will. Vielleicht drängt es mich zum Beispiel, einen Bibelkreis zu gründen. Jedenfalls ist eine Ordensberufung nicht Flucht, sondern Einsatz für das Evangelium.

  •  Wachsende Bereitschaft, Gemeinschaft mitzutragen

Jeder Christ muss auf eigenen Beinen stehen und selbständig sein. Wer seine Verantwortung oder seine Persönlichkeit an eine Gruppe abtreten will, ist im Orden nicht am rechten Platz. Wenn in mir aber eine Offenheit wächst, mich in eine Lebensgemeinschaft aus dem Evangelium einzubringen und Mitverantwortung zu übernehmen, kann das ein Anruf sein. Die Nachfolge Jesu wird konkret, wenn ich mich frei dafür entscheiden kann, mich selbst loszulassen und nach einer verbindlichen  Gemeinschaftsregel zu leben.

  1. Wachsende Offenheit für den Weg der christlichen Ehelosigkeit

Der Weg in einen Orden kann damit beginnen, dass die Einladung Jesu, um des Himmelreiches willen ehelos zu leben, als eine sinnvolle Lebensmöglichkeit entdeckt und zunehmend als ein Weg der Liebe verstanden wird. Jesus sagt: „Wer das erfassen kann, der erfasse es.“ (Mt 19,12)

Ein Zeichen einer Ordensberufung könnte sein, wenn mich der Verzicht auf Ehe, auf sexuelle Beziehung und eigene Kinder zwar schmerzt, in mir aber doch eine liebende und tragfähige Freundschaft zu Jesus Christus wächst, die mich dazu drängt, Jesus diesen Verzicht zu schenken, um Ihm ganz anzugehören.

Die Berufung zum Ordensleben wird sich auch darin zeigen, ob sich der Bereich der Sexualität und der Beziehungen zu anderen Menschen zunehmend so ordnet und integriert, dass ein eheloses Leben lebbar und sinnvoll erscheint.

  •  Wachsendes Hingezogensein zu Gott

Das geistliche Leben ist mehr als eine punktuelle Begeisterung; es geht um ein zunehmendes Gezogen-werden in die Nähe Gottes. Da gibt es zwar noch viele Lücken und Rückschläge im geistlichen Leben, aber es bleibt dieses Hindrängen zu Gott. Es wird deutlich: Ohne eine intensive Beziehung zu Gott kann ich nicht leben.

Konkret kann das werden in der wachsenden Liebe zum Gebet, zur Stille, zur Bibel, zur Eucharistiefeier.

 

Manch einer weiß gar nicht, was in ihm lebt und wessen er fähig ist, bis er angerufen wird. (Romano Guardini)