Therese von Liseux war ein echtes Marienkind, das Maria als ihre Mutter zärtlich liebte. Maria möchte sich in den Herzen ihrer Kinder wiederspiegeln. Aber das Leiden geht gegen unsere Natur, möchten wir einwerfen. Und das stimmt, denn wir sind zum Lob Gottes und für ein Leben in Herrlichkeit geschaffen. Das Leiden ist die Frucht der Sünde. Wenn wir leiden ist es also nur gerecht, dass wir die Früchte unserer Sündhaftigkeit ernten. Maria hingegen war frei von jeder Schuld. Unverdient blieb sie verschont vom Makel der Erbschuld, um uns den Erlöser zu gebären. Aber es ist ihr Verdienst, dass sie keine persönliche Schuld begangen hatte. Und trotzdem war sie bereit, für uns zu leiden.
Oft trifft uns Leid und wir können nicht verstehen, warum. Das ist auch nicht wichtig. Wir müssen nicht wissen, warum und wofür wir leiden. Eines Tages wird alles offenbar werden. „Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln.“, fordert uns Petrus auf.
Kein Leid ist umsonst, wenn wir uns wie Maria unter das Kreuz Christi stellen und unsere Leiden mit seinen Leiden vereinen. Jedes Leid, jeder noch so kleine Schmerz, wird fruchtbar in dem einen Opfer, das Christus für uns dargebracht hat. Richtiges Leiden kann man lernen – so wie Jesus und Maria es gelernt haben: durch Gehorsam Gott gegenüber. Denn Jesus „erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz!“
Maria weiß besser als jeder von uns, was Leiden bedeutet. Sie wird uns helfen, unsere eigenen Nöte in der rechten Gesinnung zu tragen. Umso mehr wir zu leiden verstehen, umso mehr werden wir die Freude am Leben wiederfinden. Denn die Schule des Leidens ist ein Schule der tiefen inneren Freude.
Diese Tatsache können wir vom Antlitz der seligen Chiara Luce Bandano ablesen, deren Liebe zu Christus ihr Gesicht zum Leuchten brachte inmitten einer schmerzhaften Krankheit, die ihr das Leben raubte. Ihre Biografie ist äußerst lesenswert: Gudrun Griesmayer, Stefan Liesenfeld: Chiara Luce Badano: „Gott liebt mich doch!“ – ein kurzes, intensives Leben. Verl. Neue Stadt, München, Zürich, Wien 2010, ISBN 978-3-87996-884-8.