Archiv: Chroniken
Auch für unsere Ordensgemeinschaft ist der 07. Oktober ein wichtiges Datum, weil an diesem Tag, im Jahr 1898, unsere Schwestern am Fest des Rosenkranzes erstmals das Ordenskleid tragen durften. Zur Ordenstracht gehörte damals ein großer Rosenkranz, der als sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit diesem Gebet getragen wurde. Aber der Rosenkranz war kein Zierrat oder lediglich ein frommes Zeichen, wie er es heute für viele Menschen ist, sondern er war von jeher das wichtigste „Werkzeug“ in den Händen unserer Schwestern. Von unserer Gründerin Mutter Barbara Sicharter wissen wir, dass sie eine tiefe Liebe zum Rosenkranz hegte. In schwierigen Situationen empfahl sie immer: „Betet nur zur Muttergottes! Betet den Rosenkranz und die (Lauretanische-)Litanei!“
Maria trägt als Mutter den barmherzigen Heiland auf ihren Armen, der sein Blut für uns vergossen hat und es uns in der Eucharistie (Kelch) darreicht zur Vergebung der Sünden und Vereinigung mit ihm, damit wir schwache Sünder aus seiner Barmherzigkeit leben. Als Mutter und Königin vom Kostbaren Blut verehren wir darum im Grunde Maria auch als Mutter der barmherzigen Liebe Gottes, als Mutter der Barmherzigkeit. Sie trägt das Jesuskind, welches uns wiederum den Kelch seines Blutes reicht. In der Eucharistie empfangen wir die Mitteilung göttlichen Lebens, worin die Gerechtigkeit Gottes an uns wirksam wird. Es sind nicht unsere Taten, die uns gerecht machen, sondern Gott rechtfertigt uns im Blute seines Sohnes, des Lammes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt. Das Kostbare Blut Jesu Christi wäscht und bekleidet uns mit der heiligmachenden Gnade. Mit dem Blute Christi empfangen wir das göttliche Leben durch den Heiligen Geist, der so ausgegossen wird in unsere Herzen (vgl. Röm 5,5). Diesen Heiligen Geist im Blute Christi vermittelt uns Maria als Mutter und Königin vom Kostbaren Blut.
Die Gnadenvermittlung Mariens wird unter dem Kreuz deutlich. Jesus gibt uns Maria zur Mutter: ,Frau, siehe da deinen Sohn.‘ (Joh 19,27). Sie wird uns zur Mutter in der Ordnung der Gnade, welche durch sie hindurch zu uns fließt. Sie reicht uns den Kelch des Heils, den das Jesuskind auf ihrem Arm in seiner Hand hält, weil sie uns Jesus selber reicht, den Quell aller Gnaden. Damit verkörpert sie die Kirche, die als wahre Mutter der Gläubigen die Sakramente des Heils spendet.
Das durch den Kelch versinnbildete Altarssakrament vereinigt uns immer wieder neu und immer inniger mit Gott zum heiligen Bund. Der Kelch enthält Jesu Blut, das Blut des Neuen und Ewigen Bundes. Wie im Alten Testament Gott durch Moses mit dem Volk Israel den Bund im Blute schloss (vgl. im Buche Exodus: 2. Mos 24,8), so vereinigt sich Gott mit dem neuen Gottesvolk, den Getauften, zum Ewigen Bund im eucharistischen Blute Christi. Darin besteht das Geheimnis des Glaubens, das mysterium fidei: dass die Allerheiligste Dreifaltigkeit, die Verzeihung unserer Sünden schenkend, uns im eucharistischen Blute Jesu zu seinen Kindern macht, die ,aus Gott geboren sind‘ (Joh 1,13).
Das Kostbare Blut Jesu Christi, einmal schmerzhaft vergossen am Kreuze und vielmal zum lebendigen Opfer dargebracht auf den Altären, wird uns vermittelt und gespendet von Maria, Urbild der Kirche, Mutter und Königin vom Kostbaren Blut, die uns im Kelch des Blutes Jesu die Barmherzigkeit Gottes darreicht und uns so zur Mutter der Barmherzigkeit wird.
Durch die barmherzige Liebe Gottes – im Blut Christi – sind wir ihm nahe gebracht worden, die wir einst ferne waren. ,Jetzt aber seid ihr, die ihr einst ferne wart, in Christus Jesus nahe gebracht worden durch das Blut Christi.‘ (Eph 2,13) Maria erbittet und vermittelt alle diese Gnaden; sie ist der Thron der Gnade, von dem es heißt: ,Lasst uns voll Vertrauen hinzutreten zum Throne der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden als Hilfe zur rechten Zeit.‘ (Hebr 4,16) Maria ruft uns zu sich, um uns Jesus zu reichen, der uns sein Blut schenkt im Kelch des Heils. Weil uns Gottes Barmherzigkeit in diesem eucharistischen Blute zuteil wird, ist die Mutter und Königin vom Kostbaren Blut auch unsere Mutter der Barmherzigkeit.“ (Gemeinschaft der Schwestern vom Kostbaren Blut)