Als Jesus diese Dienstbotenarbeit verrichtend zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: „Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen.“ (Joh 13,6-10) Die Taufe ist das reinigende Bad, in dem unsere Erbschuld von uns abgewaschen wurde. Die Fußwaschung hingegen ist ein Bußakt. Jesus reinigt uns, nimmt den Staub, die lässlichen Sünden, von unseren Füßen weg, um uns Anteil an ihm zu geben. Für die schweren Sünden wird Jesus nach seiner Auferstehung das Sakrament der Beichte einsetzen. Der Herr will uns ganz rein haben. Nur der Reine hat Anteil am ganz Reinen, der Schuldlose am Lamm ohne Fehl und Makel.
„Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.“ (Joh 13,14)
Der heilige Antonius von Padua versucht uns Jesu Haltung noch einmal anschaulich einzuprägen: „Wie ein Kind verneigt er sich vor ihnen; er verneigt sich und wäscht ihnen die Füße. Eine unbegreifliche Demut, eine unbeschreibliche Güte. Er, den die Engel im Himmel anbeten, zu Füßen dieser Sünder! Das Antlitz, das die Engel zittern macht, neigt sich über die Füße dieser armen Leute.“
An Jesus Anteil zu haben, bedeutet zu sein wie er: ein Diener der Mitmenschen, ein Überbringer der Liebe Gottes, der den Thron des Himmels verlassen hat, um den Menschen die Füße zu waschen, damit sie durch unser Handeln Anteil erhalten an Christus, der sein Leben für sie gegeben hat.
„Als er ihnen die Füße gewaschen hat, lässt er sie »unter dem Baum sich ausruhen«, wie es im Hohenlied heißt: »Im Schatten meines Geliebten begehre ich zu sitzen. Wie süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen« (2,3). Diese Frucht – es ist sein Fleisch und Blut, das er ihnen an jenem Tage gegeben hat, der „Bissen Brot“, den er ihnen vorgesetzt hat und der sie für das Werk, das sie tun sollten, gestärkt hat… Im Obergemach, dort, wo die Apostel am Pfingsttag den Heiligen Geist empfangen werden, bereitet der Herr des Universums allen Völkern, die an ihn glauben, ein Festmahl… Das macht die Kirche heute in der ganzen Welt. Für die Kirche hat Christus auf dem Berg Sion dieses Festmahl bereitet, die Nahrung, die uns wieder aufbaut, seinen wahren Leib, reich an jeder Art von spiritueller Kraft und Barmherzigkeit. Er hat ihn seinen Aposteln gegeben und ihnen befohlen, ihn an die weiterzugeben, die an ihn glauben.“
Im Allerheiligsten Altarsakrament erfüllten sich Jesu Worte: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13) Vollendete Liebe ist demütig und opferbereit. Das Evangelium vom Gründonnerstag lehrt uns, dass wir rein sein müssen, wenn wir an den Tisch des Herrn treten wollen. Denn in diesem Mahl vollzieht sich jedes Mal sein Opfertod: Golgotha und Ostern werden gleichermaßen gegenwärtig. Bei jeder Wandlung wird seine vollendete Liebe offenbar.