Statue der Gottesmutter
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Predigt vom Abend der Barmherzigkeit Pfarrer Johann Schuster

Ich möchte heute ein Thema ansprechen, das sehr wichtig ist. Besonders den Jugendlichen und Kindern möchte ich sagen: „Lieber Jugendlicher, liebes Kind, wenn du das praktizierst, was ich dir jetzt sage, dann wirst du dir viele Probleme im Leben ersparen.“

P. Clemens Pilar stellte bei einem Einkehrtag die Frage: Wie werde ich Schüler Gottes? Als Schüler meinen wir oft, wir müssen eine Leistung erbringen, damit wir von Gott geliebt werden. Christen denken aber nicht so. Wir bleiben immer Schüler und wir Erwachsenen sollen immer lernen, damit wir jung bleiben. Also, wie werde ich Schüler Gottes? Früher war das so, dass ein Rabbiner von seinen Schülern ausgesucht wurde. Und diese Schüler schlossen sich dann dem Rabbi an und blieben bei ihm. Bei Jesus war das umgekehrt: Jesus beruft seine Jünger und Apostel, die dann bei ihm bleiben.

Nächste Frage: Was ist die Grundvoraussetzung im Gebet? Viele glauben, wenn sie viele mündliche Gebete sprechen, dann sind sie vollkommen im Gebet. Das sind dann jene, die zur Beichte kommen und sagen: „Ich komme mit dem Gebetsleben nicht klar, ich schaffe das alles nicht.“ Sie kommen mit ihrem Gebet nicht zurecht, weil sie zu viele Gebetszettel haben. Wenn ich ihnen dann sage: „Dann lassen Sie den einen oder anderen Gebetszettel weg.“, dann fahren sie auf: „Weglassen?! Das ist unmöglich! Ich hab es ja versprochen!“ Was also ist die Grundvoraussetzung für echtes Gebet? Im Gebet ist das Hören wichtig. Eines Tages kam eine Frau auf mich zu und sagte empört: „Herr Pfarrer, wie können Sie so was Falsches sagen!?“, worauf ich sie fragte, wie ihr Gebet ausschaut. Sie gab zur Antwort: „Ich rede eine halbe Stunde zu Jesus und dann gehe ich wieder.“ Ich habe sie dann gefragt: „Machen sie das auch mit ihrem Mann so? Eine halbe Stunde auf ihn einreden und dann gehen? Dann muss er aber sehr frustriert sein, wenn er nicht zu Wort kommt.“

Wir sollen keine Leistungsbeter sein, die denken, wenn sie fünf Rosenkränze gebetet haben, dann haben sie ihr Gebet erfüllt. Ich habe nichts gegen den Rosenkranz und das mündliche Gebet, aber das ist nicht das Wichtigste im Gebet. Jesus sagte: „Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Mt 6,6)

Was heißt das: „Geh in deine Kammer?“ Was meint Jesus damit? Es bedeutet nicht, dass wir uns irgendwo verriegeln. Jesus meint: Geh in die Kammer deines Herzens! Geh in dein Inneres, verlass den Lärm dieser Welt. Jesus selbst hat das so gemacht, er „zog sich zurück“. Aber er hat sich nicht aus Frust zurückgezogen, sondern um im Inneren mit dem Vater zu sein. Nicht reden sondern hören ist zuerst wichtig. Das sehen wir schon bei den kleinen Kindern. Kinder, die nicht hören können, können auch nicht gut reden. Kinder müssen hören, um reden zu können, das Sprechwerkzeug allein genügt nicht.

Wir müssen also lernen, offen zu sein und zu hören. Wenn du ins Gebet gehst, stelle dich vor Gott hin, setze dich vor Gott hin – jeder hat so seine Gebetshaltung – tritt also vor Gott hin in der Stille und werde still. Und übe das Tag für Tag. Eine Stunde lang, sagt P. Clemens Pilar. Komm nicht zu Gott mit Gebetszetteln bewaffnet und mit Rosenkränzen bestückt, werde einfach still vor ihm. Denn Gott spricht in die Stille hinein, nicht in unser Reden. Gott spricht nicht im Sturm sondern im Säuseln des Windes. Gott macht sich bemerkbar, wenn wir uns auf ihn einlassen.

Beim Beten brauchen wir keine Leistung erbringen, wir müssen nichts tun. Du brauchst nur in der Stille bleiben, bis du zur Ruhe kommst, sodass Gott dich ansprechen kann. Du wirst keine äußere Stimme hören, die sagt: Mach das und das. Seine Stimme hören wir in unserem Herzen. Aber vielleicht hören wir gar nichts. Es kann sein, dass wir eine Stunde nur in seiner Liebe eingehüllt sind. Das ist erlösendes, heilendes Beten. Aber wir denken immer: „Gott ist so arm, ich muss für ihn etwas tun!“ Aber: Wir brauchen ihn, nicht er uns!

Beim Beten können wir gewiss sein: Unser Gott ist da und er ist ansprechbar. Das Problem ist nur, dass wir das oft nicht wahrnehmen. Der Grund dafür ist der innere und äußere Lärm, der uns ständig umgibt. Ich möchte an Sie die Einladung aussprechen: Haben Sie den Mut, die Stille zu üben.

Meine Ausführungen möchte ich mit den Aussagen eines Heiligen belegen.Der heilige Pfarrer von Ars hat einen Bauern beobachtet. Der Bauer hatte nichts mitgehabt, keinen Gebetszettel, keine Rosenkranz. Er ist einfach eine Stunde vor dem Allerheiligsten gesessen. Vianney fragte ihn: „Was tust du denn?“ Er hätte denken können: Du sprichst keine Gebete, du betest sozusagen nicht.

Der Bauer sagte: „Er schaut mich an und ich schaue ihn an.“ Sehen Sie, da ist kein Wort von reden. Im liebenden Austausch mit Gott, kontemplativ leben. Beten kann jeder, dazu braucht man keine theologische Ausbildung.

Wenn du keine wirkliche Gottesbeziehung und Gotteserfahrung hast, dann kannst du auch nicht gut beichten und Eucharistie feiern. Deshalb müssen wir bereit sein, ihn an uns heranzulassen. Diese Bereitung ist wichtig.

Maria lebte in der Stille des Hauses von Nazareth. Maria hatte vertrauten Umgang mit Gott und den Engeln. Daher ist sie auch nicht erschrocken, als der Erzengel Gabriel zu ihr kam. Nicht wegen des Engels war sie erschrocken, denn sie war den Umgang mit ihm gewohnt, sondern über die Anrede war sie erschrocken: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ (Lk 1,26 ff) Gott spricht immer zuerst!

P. Tomislav Ivančić sagte: „Die Frommen sind am schwersten zu bekehren!“ Denn sie sind oft eingefahren in ein System, sie sind nicht offen für Gott. Sie fahren wie ein Zug auf den Geleisen. Wenn du keine Gotteserfahrung hast, so ist die Frage nicht: „Wo ist Gott?“, sondern: „Wo bist du?“ Er hat uns schon lang gesucht, noch bevor wir ihn zu suchen begonnen haben.

Das 1×1 der Gottesbeziehung ist: Hören auf Gott! Zu singen und dazu die Hände erheben, im Lobpreis in die Hände zu klatschen, das ist gut, aber zuerst müssen wir in die Stille gehen, Gott wahrnehmen, bis er uns berührt.

Manche haben die Gabe der Herzensschau. Wir brauchen viele verschiedene Gaben. In einem Evangelisationszentrum in Deutschland habe ich viele kennengelernt, die verschiedene Gaben haben. Eine Frau hat bei vielen gesehen, wie sie Gott erfahren haben. Bei einem Gespräch sagte sie einmal zu mir: „Mich aber hat Gott noch nie berührt.“ Ich antwortete ihr: „Heute wird er sie berühren.“ Dann legte ich ihr die Hände auf und betete für sie. Nach dem Gebet ist sie still hinausgegangen. Gott hat es getan, er hat sie berührt.

Eines müssen wir wissen: Ohne Schüler Jesu zu sein, kann ich nicht Christ sein. Ohne Schüler Jesus zu sein, kann ich nur fromm sein, nicht mehr, aber ich kann kein Christ sein.

Carlo Caretto gibt uns einen Ratschlag: Ein Minimum für das geistliche Leben – hören wir genau hin: ein Minimum sagt er – ein Minimum für das geistliche Leben ist es, eine Stunde pro Tag zu beten, einen Tag pro Monat und eine 1 Woche pro Jahr offen zu sein für seine Liebe. Darunter geht es nicht! Und du wirst die Veränderung des Herzens nicht erleben.

Also, offen zu sein für Gott: eine Stunde pro Tag, einen Tag pro Monat und eine Woche pro Jahr. Wer das macht, braucht sich um nichts mehr Sorgen zu machen, sondern Gott ist dann für dich da als Vater und Mutter und Jesus Christus ist dein Lehrer. Wenn wir aber den ganzen Tag Radio hören oder den Fernseher laufen haben, geht das nicht. So können wir keine Beziehung zu Gott haben und auch keine Freude in unserem Leben. Durch die Liebe Gottes kommt die Freude! Sich lieben zu lassen von Gott, aus seiner schenkenden Liebe zu schöpfen, damit seine Gnade, die in uns überfließt, die Menschen berührt.

Die von der Diözese zugeteilten Anbetungstage verpflichten die Gläubigen gewissermaßen zum Gebet für die Anliegen der Diözese. Aber mehr noch sind sie ein Geschenk an die jeweilige Pfarre oder Gemeinschaft und besonders an diejenigen, die bereit sind, diesem Aufruf zu folgen, weil Jesus sich uns ganz schenken möchte. Benedikt XVI. fordert deshalb dazu auf: „Begegnet Ihm in der heiligen Eucharistie, geht in die Kirche, um Ihn anzubeten, und kniet vor dem Tabernakel nieder. Jesus wird Euch ganz mit seiner Liebe erfüllen und Euch die Gedanken seines Herzens offenbaren. Wenn Ihr auf Ihn hört, werdet Ihr immer tiefere Freude darüber empfinden, ein Teil seines mystischen Leibes, der Kirche, zu sein, der Familie seiner Jünger, die innig verbunden ist in der Einheit und in der Liebe.“ (November 2005)

Um 17:00 Uhr endete die Anbetungszeit mit einem feierlichen eucharistischen Segen. Für uns Schwestern ist der Anbetungstag ein besonderer Tag, weil der Alltag mehr als sonst durch Zeiten des Gebetes unterbrochen wird – eben ein Geschenk an jede Einzelne.

„Im heutigen, oft lärm- und ablenkungsreichen Leben ist es wichtiger denn je, die Fähigkeit zu innerer Stille und Sammlung wiederzugewinnen. Die eucharistische Anbetung gestattet es, dabei nicht nur um das eigene Ich zu kreisen, sondern Gemeinschaft mit jenem Du zu finden, das voller Liebe ist: Jesus Christus, »der uns nahe Gott«. (Benedikt XVI., 2007)

Wir wünschen Ihnen den Mut, auch Ihren Alltag durch das Gebet durchbrechen zu lassen, um neu Kraft zu schöpfen an den Quellen des Heils, die dem Herzen Jesu entspringen. Wie einfach Anbetung ist, kann uns ein einfacher Bauer aus Ars begreiflich machen, der täglich eine Stunde vor dem Tabernakel verbrachte. Er erklärte seinem heiligen Pfarrer Johannes Vianney: „Ich schaue ihn an und er schaut mich an.“ Das kann doch jeder, oder? Und die Zeit dazu wird sich ebenfalls finden, auch wenn es vielleicht mit einem Opfer verbunden ist. Bald beginnt die Fastenzeit. Jesus eine Stunde pro Tag oder Woche zu schenken, wäre ein Fastenopfer, das Jesus gewiss sehr freuen wird.

Die Kirche Christi, und damit auch wir, dienen „gemäß der von Gott geschenkten Berufung letztlich der Erlösung und somit dem Heiligwerden, dem umfassenden Heilwerden.“ Der Pallottinerpater erklärte: „Jesus Christus selbst stattet seine Kirche für diesen allumfassenden Dienst an der Erlösung entsprechend aus. Dazu dient unter anderem auch die hierarchische, sakramentale und charismatische Ausstattung der Kirche Jesu Christi.“

Von allen Charismen, die er als Wirkkräfte, Gnadengaben und Geistesgaben definierte, nannte er die Liebe als die wichtigste Gnadengabe, auch im Wahr- und Annehmen wie in der Ausübung der Charismen. Diese „müssen in Liebe ausgeübt werden, die das eigentliche Maß der Charismen ist.“ P. Lukas ist davon überzeugt: „Gott schenkt uns die Charismen, die wir benötigen, um von Gott her unseren ganz persönlichen Auftrag wahrzunehmen und zu erfüllen. Gott lässt im Vollzug des Dienstes, des Auftrages, unsere Charismen auch weiter entfalten und durch andere Charismen ergänzen.“ P. Lukas warf die Frage „Sollen wir uns überhaupt den Charismen öffnen, sie von Gott erbitten?“ in den Raum und beantwortete sie mit folgendem Vergleich: Man könne Nägel mit oder ohne Hammer einschlagen. „Charismen sind Dienstwerkzeuge, die Gott uns schenkt, um seinen Auftrag im Heute im Sinne Gottes wahrnehmen zu können. Darum haben auch wir uns diesen Charismen zu öffnen, sie wahr- und anzunehmen, um unter anderem auch die Not in dieser Welt im Sinne Gottes angehen zu können.“, schlussfolgerte der Referent und stellte dazu fest: „Bei diesen Charismen geht es letztlich auch um die Entfaltung der Firmgnade.“

Damit sich diese Gaben Gottes in unserem Leben entfalten, müssen wir selbst „auch die Sehnsucht nach dem Heiligen Geist wie dessen Gaben haben.“ Wie weit ein Mensch mit den dem Geist Gottes und dessen Gaben erfüllt ist, hänge nicht zuletzt vom Maß seiner Umkehr ab, sagte P. Lukas und meinte: „Erst mit der Bitte um den Heiligen Geist vermag Gott uns mit seinem Geiste und dessen Charismen beschenken. Es ist notwendig, dem Heiligen Geist in uns zu vertrauen, damit er mit seinen Gaben auch durch uns heilsam zu wirken vermag.“

Wie wirkt nun die Firmgnade in unserem Leben und im Leben der Kirche? P. Lukas Hofer SAC brachte seine Gedanken dazu auf den Punkt:

  • sie führt zum (geistlichen) Wachstum und zur Vertiefung der Taufgnade
  • sie verwurzelt uns tiefer in der Gotteskindschaft, die uns sagen lässt: „Abba, Vater!“ (Röm 8,15)
  • sie vereint uns fester mit Jesus Christus
  • sie vermehrt in uns die Gaben des Heiligen Geistes
  • sie verbindet uns vollkommener mit der Kirche
  • sie schenkt uns eine besondere Kraft des Heiligen Geistes, um in Wort und Tat als wahre Zeugen Christi den Glauben auszubreiten und zu verteidigen, den Namen Christi tapfer zu bekennen und uns nie des Kreuzes zu schämen

Höhepunkt und Abschluss des Nachmittags war die Feier der Heiligen Messe mit dem Gebet um die Geistausgießung.