Statue der Gottesmutter
Menü

Homilie bei der Vesper mit Aufnahme neuer Familiaren

Prof. Dr. Hansjörg Rigger

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Einige von ihnen sind heute hier her gekommen, um Mitglied bei den Familiaren der Vorauer Schwestern (Familiares Immaculatae & Barbara Sicharter, kurz: „FIBS“) zu werden. Bei den FIBS werden sie für ein Jahr ein Versprechen ablegen. Das Versprechen, so heißt es im Versprechensgebet, sich in einer besonderen Weise um Heiligkeit zu bemühen. Wir könnten meinen, wenn wir das hören, Heiligkeit, das ist doch ein bisschen hoch gegriffen. Ich kann mich noch gut erinnern, als Papst Benedikt XVI. bei der Jugendvigil in Freiburg – es war unmittelbar am Ende seiner Deutschlandreise – zu Jugendlichen sagte: „Wenn man heute von Heiligen spricht, dann denkt man: Heilige das sind fade Leute. Heilige, die freuen sich nicht. Heilige, denen merkt man einen bestimmten Moralismus an, der eher abstoßend, aber nicht anziehend ist.“ Und ins Ernste gewandt, fügte er hinzu: „Und außerdem könnt ihr mir jetzt sagen, Heiligkeit, das ist ein Ziel, das für mich nicht erreichbar ist.“

Und Papst Benedikt XVI. wehrt sich dagegen und sagt: „Nein, so ist das nicht. Einmal sind Heilige die interessantesten Menschen, die die Geschichte hervorgebracht hat. Heilige überragen alle anderen an Stärke, an geistlicher Stärke. Heilige waren Menschen, mit einem tiefen Gottvertrauen. Heilige waren Menschen, die aus der Hoffnung gelebt haben, die tief geglaubt haben und nicht müde wurden zu lieben.“ Das Leben von Heiligen war zumeist ein bewegtes Leben, aber selbst das ist nicht Voraussetzung. Denken wir an die Kleine Therese von Lisieux, die mehr oder minder im Krankenbett ihr Leben verbracht hat, die mit Jesus in einem innigen Verhältnis war und sie wurde zur Patronin der Missionare. Wir würden uns erwarten, das müsse eine gewesen sein, die schon damals die Kontinente bereist hat. Nein, es war die Kleine Theresa, die sich wie ein Kind vorkam und die die Rosen betrachtete, im Garten des Herrn.

Liebe Brüder und Schwestern, die Familiaren der Kongregation der Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis, das ist in erster Linie ein Angebot, das die Schwestern für sie machen. Das sind Schwestern – das liegt im Trend der Zeit, das ist sicherlich nicht nur in Vorau der Fall –  die auch in dieser Zeit bemüht sind, ihr Charisma neu zu entdecken. Jede Zeit, jede Generation, muss das für sich neu entdecken. Würde man das nicht tun, würde man stehen bleiben und würde man sich dabei immer noch auflehnen, es zu tun, würde man aussterben. Wir kennen viele Orden, von denen wird wahrscheinlich nur wenig in Erinnerung bleiben. Wenn ich an meine Heimat, an meine Diözese denke, ich hätte es mir als Brixner nicht vorstellen können, dass bestimmte Orden, die derartig das Stadtbild geprägt haben, die zu Brixen gehört haben, wie der Dom und die Pfarrkirche oder die Domtürme und der Pfarrkirchturm – es gibt sie nicht mehr. Sie meinten, das Charisma,  das ist etwas, was man ein für alle Mal hat. Das hat man sich wie ein Taschentuch in die Hosentasche oder in diese geheimen Taschen des Habit gesteckt. Und ich glaube und bin überzeugt, dass sich die Schwestern aufgemacht haben, ihr Charisma neu zu entdecken, es fruchtbar zu machen für unsere Zeit, einmal mehr deutlich zu machen, dass das nicht etwas Verstaubtes, Altes ist, das zurück gehört ins 19. Jahrhundert, sondern etwas Lebendiges ist. Und wenn wir heute das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis feiern und sie betrachten, dann bin ich überzeugt, es ist etwas äußerst Modernes und Aktuelles.

Liebe Brüder und Schwestern, ich spreche nochmals jene an, die heute dieses Versprechen ablegen, aber selbstverständlich sind auch jene gemeint, die schon vor einem Jahr dasselbe Versprechen abgelegt haben. Ich möchte sie hinweisen auf das Versprechensgebet, auf ein paar Ausschnitte daraus. Ich weiß, ich habe das, vor ungefähr einem Jahr geschrieben. Es musste sehr schnell geschrieben werden, es blieb nur wenig Zeit, um es fertig zu stellen. Und ich kann mich noch erinnern, dass ich die Mutter Gottes gebeten habe, sie möchte mir die richtigen Worte für dieses Gebet geben. Und vor einem Jahr, da dachte ich mir, ja, das würde man schon noch verbessern können. Heute denke ich das immer noch, aber ich merke, dass der Geist doch auch mitgewirkt hat. Das Erste, das dieses Versprechensgebet beinhaltet, ist Dankbarkeit, ist einfach nur Dankbarkeit.

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes

und Sohn der Ohne Makel der Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria,
wir danken dir, dass du für uns Mensch geworden bist, in allem uns gleich, außer der Sünde.
Wir danken dir, dass du Freud und Leid unseres irdischen Daseins mit uns geteilt hast. Dass du am Kreuz für uns gestorben und am dritten Tage auferstanden bist.
Wir danken dir, dass du uns in der Taufe als deine geliebten Kinder angenommen hast und deinen Heiligen Geist über uns ausgegossen hast. Er hat uns bis hierher geführt, als Männer und Frauen mitten in Familie und Welt.

Das ist der Ausgangspunkt, es geht nicht darum, dass sie jetzt Mitglieder in einem Verein werden, dass sie einen Mitgliedsausweis bekommen oder etwas Ähnliches auch, wenn sie heute eine Medaille überreicht bekommen und einen Rosenkranz und eine Urkunde. Aber darum geht es nicht. Sie sind hier, weil sie in ihrem Leben etwas entdeckt haben, und das, was sie entdeckt haben, macht sie dankbar. Und aus dieser Dankbarkeit heraus wollen sie weiter gehen, wollen sie im Glauben wachsen. Wollen sie den Glauben, der sie bereits trägt, vertiefen. Wollen sie sich inspirieren lassen von einer Kongregation von Schwestern, die in der Nachfolge einer ganz einfachen Frau hier aus diesem Lande, nämlich von Barbara Sicharter, etwas weiter pflegen. „Mitten in unserer Heimat“, heißt es dann später in diesem Weihegebet, „hast du Barbara Sicharter erwählt und geformt. Du hast ihre Einfachheit und ihre liebevolle Hingabe angenommen und sie fruchtbar werden lassen für die notleidenden Menschen ihrer Zeit. Du hast das zarte Pflänzchen ihres Lebens zu einem Baum heranwachsen lassen, der immer noch Früchte trägt. Für uns und unsere Heimat, für unsere Heilung und für unser ewiges Heil.“

Auch das ist wichtig: Dass sie Barbara Sicharter entdeckt haben oder immer mehr entdecken. Du hast das zarte Pflänzchen ihres Lebens zu einem Baum heranwachsen lassen, der immer noch Früchte trägt. Und da schauen wir in die erste Reihe, das sind jene vier Postulantinnen, die heute am Morgen in das Postulat aufgenommen wurden. Und mag das Krankenhaus Früchte tragen, schwarze Zahlen schreiben usw. – OK, dann ist man sicher froh, aber die wertvollsten Früchte, die edelsten, das sind sie – die Novizinnen nehmen wir auch mitherein. Ich glaube, da schreiben sie schon ein wenig Geschichte, liebe Schwestern, denn wenn sie sich in Österreich auf den Weg machen und eine Kongregation mit Nachwuchs suchen – die eine oder andere gibt es – aber Sie sind in der Minderheit. Das ist das zarte Pflänzchen ihres Lebens, des Lebens der Barbara Sicharter, das zu einem Baum herangewachsen ist. Der immer noch Früchte trägt. Ich denke, für Sie, die Sie zu den Familiaren dieser Kongregation gehören wollen, ist es doch wichtig, dass das Pflänzchen immer noch lebt und gute Früchte bringt. Dann kommt dieses Versprechensgebet auch auf die Schwestern:

„Wir sind hier in Vorau, den von Mutter Barbara aus reinem Gehorsam gegründeten Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis begegnet, die diesen Baum behüten, ihn hegen und pflegen und uns teilhaben lassen an seinen Früchten.“ Das mag vielleicht für Uneingeweihte etwas eigenartig klingen, wenn es hier heißt „Wir sind hier in Vorau den von Mutter Barbara aus reinem Gehorsam gegründeten Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis begegnet, aus reinem Gehorsam“, so ist das nicht eine Verklärung, die nach Jahrzehnten stattfindet, sondern es war wirklich so. Barbara Sicharter ist nicht angetreten und hatte sofort schon den Namen einer Kongregation auf ihre Fahne geschrieben, sondern sie folgte dem Willen Gottes. Und es genügte ihr, heute zu wissen, was er von ihr will. Aber begleitet und gestärkt durch gute, geistliche Begleiter, kam es zu dieser Gründung und wir können sagen: „Gott sei Dank“. Ihr geweihtes Leben ist tief verwurzelt und das, liebe Schwestern, ist auch etwas Wichtiges für sie, das zu hören, dass das jetzt Menschen sagen, Laien, die zu diesen Familiaren stoßen. Das geweihte Leben von ihnen, liebe Schwestern, ihr geweihtes Leben, ist tief verwurzelt in deinem Beispiel und in deiner Lehre. Ihr Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam verleiht deinem Wesen, oh Herr, das Liebe ist, beständige Sichtbarkeit in dieser Welt und unser Blick, wird auf das Geheimnis des Gottesreiches gelenkt, das bereits in der Geschichte wirksam ist, seine Vollendung aber im Himmel erwartet.

Herr Jesus Christus, unsere Schritte mögen gemeinsam gehen

Liebe Brüder und Schwestern, das ist ein großer Anspruch. Achten sie darauf, liebe Schwestern, dass sie diesem Anspruch immer genügen. Streben sie danach, machen sie jeden Tag einen Schritt weiter, in diese Richtung. Mit ihnen, den Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis und mit Ihrer Gründerin, Mutter Barbara Sicharter, schauen wir gemeinsam auf das Unbefleckte Herz deiner Mutter, das aus Liebe entflammt ist. Mach, dass das Feuer ihrer Liebe auch unsere Herzen entzünde. Damit auch wir Licht werden, das entzündet und wärmt.

Dieses Weihegebet mündet in ein Gebet, das hier im Weihegebet zitiert wird, von Elisabeth Kindelmann. Ich möchte es vorlesen, weil mir vorkommt, es enthält etwas Wichtiges: „Herr Jesus Christus, unsere Schritte mögen gemeinsam gehen, unsere Hände mögen gemeinsam sammeln, unsere Herzen mögen gemeinsam schlagen, unser Innerstes empfinde gemeinsam, die Gedanken unseres Geistes seien eins, unsere Ohren mögen gemeinsam auf die Stille hören, unsere Augen mögen ineinander schauen und sich verschmelzen, unsere Lippen mögen gemeinsam zum ewigen Vater um Erbarmen flehen.“

Liebe angehende Familiare, vielleicht hatten wir das voriges Jahr noch gar nicht bedacht, dass dieses Gebet am Ende der wichtigste Abschnitt vom Ganzen ist, denn wo Menschen beisammen sind, da geht es ganz schnell so, dass der Eine mehr Recht hat, als der Andere. Der Eine gescheiter ist, als der Andere, der Eine vorlauter ist, als der Andere, der Eine so vorlaut ist, dass der Andere gar nicht zum Wort kommt.

Glaubhaft ist Kirche immer in der Einheit. Glaubhaft ist ein Orden, in der Einheit. Von Ehen brauchen wir das gar nicht zu sagen, da ist es klar. Glaubhaft ist die christliche Ehe nur in der Einheit. Die Familiaren, der Kongregation der Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis, sind nur in dem Maße glaubhaft, als sie die Einheit suchen, als sie an der Einheit bauen, die nötige Demut immer wieder aufbringen, um sich immer wieder neu in diese Einheit einfügen zu lassen.

Predigt von Propst Mag. Gerhard Rechberger CRSA

Liebe Mitbrüder, liebe Schwestern der Vorauer-Schwesterngemeinschaft, liebe Brüder und Schwestern!

Es ist ein dreifaches Fest, das wir heute feiern dürfen. Einerseits das Fest der Unbefleckten Empfängnis Marias, das Patrozinium dieser Kirche und dieser Schwesterngemeinschaft.
Maria ist die, die sich geöffnet hat für den Anruf Gottes. So, wie wir es jetzt auch im Evangelium gehört haben.
Sie war von Anfang an erwählt, Mutter des Herrn zu werden.

Als Zweites feiern wir, dass genau heute vor 50 Jahren das II. Vatikanische Konzil beendet wurde.
Dieses Konzil, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kirche auf die Welt hin und auch auf Gott hin neu zu öffnen, um hin zu den Menschen zu gehen, um die Nöte und Sorgen, die Freuden und Leiden der Menschen mitzuleben, mitzubetrachten und zu helfen, wo wir können.

Und genau zu diesem 50-jährigen Gedenken an das II. Vatikanische Konzil, wird heute in Rom unser Papst Franziskus das Jahr der Barmherzigkeit eröffnen, mit der Eröffnung der Pforte der Barmherzigkeit.
In seinem Schreiben zu diesem Jahr beginnt er mit dem Satz: „Jesus Christus ist das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters.“

Es geht also darum, dass wir zunächst auf Christus hinschauen. Wenn wir Christus erkennen und sehen, dann können wir etwas erahnen von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes.
Jesus Christus ist das Antlitz, das Ebenbild der Barmherzigkeit des Vaters.
Und gerade der Evangelist Lukas, von dem wir in diesem Lesejahr C meistens das Evangelium hören – so auch vorhin – hat uns sehr deutlich dieses Antlitz der  Barmherzigkeit Gottes in Jesus Christus beschrieben.

Lukas war ja selber Arzt und hat um die Leiden der Menschen gewusst. Und so beschreibt er uns Jesus in seiner Hinwendung zu den Kleinen und Niedrigen, zu den Armen und Hungernden, zu den Trauernden und Verfolgten, zu den Zöllnern und Sündern.
Und der Evangelist Lukas zeigt uns, wie Christus Partei ergreift, gerade für die Schwachen, für die Armen und Erniedrigten.
So ist dieser Jesus für uns zum Heiland geworden, der heilend gewirkt hat und diese Barmherzigkeit sichtbar gemacht hat.

„Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist.“

Die Barmherzigkeit ist die größte aller Tugenden. Natürlich scheint uns vieles wichtig an Tugenden, die wir Christen leben sollen. Es ist wichtig, dass es Ordnung gibt, Gesetze gibt und Gerechtigkeit. Zentral sind diese aber nicht, diese Gesetze und Verbote. Zentral ist die Liebe und die Barmherzigkeit. Das gilt für jeden einzelnen Menschen, das gilt für jede Gemeinschaft, das gilt für uns alle als Kirche.

Und wenn heute in Rom die Heilige Pforte der Barmherzigkeit geöffnet wird, dann sollen auch wir uns öffnen, unsere Türen, unsere Herzen. So wie der barmherzige Vater die Türen offen gehalten hat, in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, und gewartet hat in dem hoffnungsvollen Gedanken: Wenn mein Sohn zurück kommt, dann soll er ein offenes Tor, eine offene Tür, ein offenes Herz, finden und sich wieder herein trauen.

Und so ist gerade auch die Kirche berufen, dieses offene Haus des Vaters zu sein. Barmherzigkeit gerade gegenüber den Armen und Fremden zu zeigen. Vielleicht gerade auch gegenüber denjenigen, die wir nicht kennen. Denken sie an dieses Gleichnis vom barmherzigen Samariter, wo dieser Samariter diesen Juden versorgt hat, obwohl sie eigentlich verfeindete Völker waren. Aber dieser Fremde, den ich gar nicht kenne, der braucht jetzt meine Hilfe. Ich glaube auch gerade jetzt, wo so viele Flüchtlinge zu uns gekommen sind, und weiterhin kommen, ist dieses „Barmherzig Sein“ eine Herausforderung. Wie Jesus sagt: „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist.“

Oder wie das Motto dieses Heiligen Jahres lautet: „Wie Gott mir, so ich Dir: Barmherzig!“ Wir kennen ja die Werke der Barmherzigkeit, die geistigen und körperlichen Werke der Barmherzigkeit, die ausgehend vom Matthäus-Evangelium unter anderem dann heißen: Hungrige sättigen, Obdachlose aufnehmen, Trauernde trösten.

Bischof Wanke von Erfurt hat diese Werke der Barmherzigkeit neu übersetzt und vielleicht sprechen uns diese auch besonders an. Vielleicht wäre das ein Vorsatz für das Jahr der Barmherzigkeit, wenn es da heißt: „Einem Menschen sagen, du gehörst zu uns. Ich höre dir zu, ich rede gut über dich. Ich gehe ein Stück mit dir. Ich teile mit dir, ich besuche dich und ich bete für dich.“

Gerade hier im Krankenhaus sind diese Worte immer aktuell. Wie Maria sich geöffnet hat, so wollen auch wir uns für diese Botschaft Jesu Christi öffnen, der uns die Barmherzigkeit des Vaters verkündet hat. „Wie Gott zu mir, so ich dir: Barmherzig!“ Amen

O meine Gebieterin, o meine Mutter.

Dir bringe ich mich ganz dar; und um dir meine Hingabe zu bezeigen, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich selber ganz und gar.
Weil ich also dir gehöre, o gute Mutter, so bewahre mich, beschütze mich als dein Gut und dein Eigentum. Amen.

„Natürlich wurde Mutter Barbara, als sie zur Welt gekommen ist – wie es damals üblich war – am selben Tag auf die Namenspatronin des Tages getauft. … Lassen wir Dankbarkeit in uns aufkommen. Dankbarkeit, dass der Herr uns entgegenkommt. Er kommt uns entgegen, jetzt in der Eucharistiefeier, er wird sich von uns berühren lassen, wenn wir dann anschließend betend, ihm unseren Lobpreis, unseren Dank und unsere Bitte vortragen.

Ich bin heute fast zwölf Stunden im Zug gewesen, um hier her zu kommen. Da gewinnt man irgendwie den Eindruck: Es ist jetzt schon ein bisschen das Ende der Welt. Aber wir sehen, die Welt ist nicht klein genug, ich komme auch aus einer kleinen Welt. Aber wir sind nicht klein genug, als dass Gott uns nicht rufen könnte und Großes machen kann. Vielleicht bedrückt uns Angst, wenn wir in diese Welt hineinschauen, die Nachrichten hören, wenn wir hören, dass Christen verfolgt und getötet werden, mehr als zu allen Zeiten, seit es das Christentum gibt. Mag uns das bedrücken, mögen es Krankheiten in unserer Familie sein, Kinder auf Abwegen – weit ab von den Wegen, die Gott für uns vorgezeichnet hätte. Und doch haben wir Grund zur Freude. Wir haben Grund zur Freude, denn Gott hat uns nicht nur seinen Sohn geschenkt, er hat uns auch eine Mutter geschenkt. Unbefleckt! Diese Welt ist voller Befleckung. Wir müssten verzweifeln, könnten wir nicht auf das Unbefleckte schauen, auf das Unbefleckte Herz Mariens, auf ihre Unbefleckte Empfängnis. Denn nur so wissen wir, was Gott mit uns vorhat.“

In wenigen Tagen, am Hochfest der Unbefleckten Empfängnis, wird Papst Franziskus das Jahr der göttlichen Barmherzigkeit in Rom eröffnen. Das ist eine unfassbar große Gnade für die ganze, kriesengeschüttelte Welt. Mit dem Öffnen der Tore, wird der Heilige Vater die Schleusen der Barmherzigkeit öffnen. Deshalb laden wir Sie für das kommende Jahr ganz besonders herzlich dazu ein, an den Abenden der Barmherzigkeit teilzunehmen, denn Jesu Herz wird in diesem Jahr der Gnade ganz weit offen stehen. Der nächste Abend der Barmherzigkeit – und damit das gesamte Triduum – wird wegen des Feiertags (01.01.2016) um eine Woche verschoben und findet deshalb erst am 08. Jänner 2016 statt. Kommen Sie zahlreich, der Herr wartet auf Sie!

Predigt vom Abend der Barmherzigkeit

Prof. Dr. Hansjörg Rigger

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Wenn ich natürlich aus Südtirol kommend, zweisprachig aufgewachsen, einen Evangeliumstext auf Deutsch lese, so kann es sein, dass ich am Abend dann eine heilige Messe in italienischer Sprache feiere und da wundere ich mich dann oft, wie unterschiedlich Übersetzungen sind.

Im Deutschen geht Jesus vorüber, im Italienischen geht Jesus weg. Das führt dann immer wieder dazu, dass ich zum Griechischen Neuen Testament greife, um nachzusehen, was steht denn da wirklich? Und es steht wirklich da: „Er geht weg.“ Wir haben im Deutschen einen traurigen Rekord, wir haben eine der schlechtesten Übersetzungen in der Einheitsübersetzung. Aber damit müssen wir leben.

Jesus geht weg. Er dreht sich um und geht weg. Und die Kirchenväter haben das als einen symbolischen Gestus betrachtet und meinten dazu, Jesus geht weg von all unseren Plänen, von all unseren Programmen, er geht weg von unseren Ideologien, von all dem, was wir machen wollen, von dem wir überzeugt sind, dass es das Richtige ist. Er geht weg von den ausgetretenen Trampelpfaden auf denen wir noch unterwegs sind. Er geht weg von Gewohnheiten, von Dingen, die wir nicht mehr hinterfragen, die an Tiefe verloren haben, die nur mehr seicht sind.

Aber, die Kirchenväter wären nicht Kirchenväter, würden sie darin nicht einen tieferen Sinn erblicken. Sie sagen, Jesus tut das zu unseren Gunsten. Er geht weg, damit wir erst sehnsüchtig werden können nach ihm.

Wie weit, liebe Brüder und Schwestern, muss er weg gehen, damit Sehnsucht in uns geboren wird? Sehnsucht nach ihm, nach seiner Nähe. Sind wir ganz ehrlich: Hat mich Sehnsucht hier her getrieben, oder ist es halt eben die Pflicht, am ersten Freitag im Monat, die Gewohnheit? Ist es wirklich die Sehnsucht nach dem Herrn, die Sehnsucht nach dem, der alles in allem ist, der sich hier am Altar wiederum verschenkt, der uns teilhaben lässt am Ostermysterium?

Jesus geht weg und offensichtlich sind die beiden Blinden von einer Sehnsucht gepackt, einer Sehnsucht, die sich mit einer vertrauensvollen Erwartung verknüpft, wieder sehen können. Und wir Prediger neigen dazu, diese Blinden doch auch im übertragenen Sinne zu sehen, vielleicht uns selbst in diesen Blinden zu sehen.

Und es ist interessant, dass große Heilige, wie die heilige Teresa von Avila, dieses Wortpaar „taub, blind“ ganz oft verwendet und darüber nachgedacht haben. Es findet sich dieses Begriffspaar beispielsweise auch in einem wunderbar schönen Gebet von Bonaventura. Es findet sich bei Franziskus.

Es findet sich bei einem Gründer, den sie wahrscheinlich nicht kennen, aber hier in Pitten, nicht unweit von hier, in Niederösterreich, da sind Schwestern, die von ihm gegründet wurden: Pater Jordan. Er wird vermutlich das nächste Jahr seliggesprochen. Auch er denkt viel in seinem geistigen Tagebuch über dieses Begriffspaar nach – „taub und blind.“

Und diese Heiligen, die machen das nicht so moralisierend: Ja wir sind irgendwie wie von Blindheit geschlagen…! Nein, diese Heiligen versuchen sich hineinzuversetzen in einen Blinden.

Ich habe es selber erlebt, ich bin einmal im Monat im Blindenzentrum in Bozen und habe dort einen Einkehrtag.
Ich habe viel mit blinden Menschen zu tun und ich kann mich erinnern, vor ein paar Jahren – die Frau ist leider schon verstorben – aber da kam diese Blinde auf mich zu und sagte: „Ich möchte sie kennen lernen, darf ich sie anfassen?“

Einen Priester, da muss man schon zweimal fragen, „darf ich sie anfassen“, aber die Blinden haben da keine Probleme. Da sind die Sehenden manchmal mit größeren Problemen behaftet. Und sie fing an bei den Schultern und sagte: „Sie sind viel größer, als ich sie mir vorgestellt habe!“ Da habe ich scherzhaft  gesagt: „Aber jetzt sagen sie nicht, dass ich auch dicker bin, als sie sich das vorgestellt haben.“ „Ich habe sie mir anders vorgestellt!“, das ist das Typische für den Blinden und da plötzlich sagen wir: „Ja, wir sind tatsächlich alle blind, obwohl wir sehen.“

Wir stellen uns ständig den anderen vor. Was denkt der? Der wird sicher das denken…
Wir stellen uns vor, dass er so ist. Aber so ist er gar nicht! Aber wir stellen uns das so vor.
Wir haben ihn längst in eine Schublade gegeben, aus der er nicht mehr heraus kommt. Wir stellen uns vor, wie er ist. Wir haben ihn nicht gefragt, wir haben nie nach einer Rückmeldung gebeten, nein, aber wir haben bereits unser Urteil gesprochen. Da trifft man auf einen Menschen, der macht eine Bewegung, die man von irgendwo her kennt, die für einen das Maximum für unsympathisch ist – und schon ist der andere unsympathisch.
Wir machen uns eine Vorstellung von ihm.

Und oft, in der Begegnung, fällt es uns „wie Schuppen von den Augen“. Der ist gar nicht so!
Der ist ja ein recht komoter Mensch. Mit dem kann man gut reden, er ist hilfsbereit.
Unsere Lieblosigkeit macht uns zu Blinden. Wir sehen den Mitbruder, die Mitschwester nicht mehr, aber wir machen uns wie Blinde eine Vorstellung von ihnen.

Und da passiert etwas, das ist ja ein Glückstreffer für uns an einem Barmherzigkeitsabend, diese Blinden, sie rufen dem Herrn nach: „Hab Erbarmen mit uns.“ Wir müssen uns jetzt ertappt vorkommen.
Wir würden sagen: „Hab Erbarmen mit mir, mit meinem Leid, das das Größte ist, mit meinem Kreuz. Hab Erbarmen mit mir, hab Erbarmen mit uns.“ Da haben sich zwei Menschen in einer gemeinsamen Sehnsucht gefunden.

Liebe Brüder und Schwestern, die sie hierher zu den Schwestern kommen, und das genießen, hier Gast sein zu dürfen. Denken sie sich das immer von den Schwestern: Eine Sehnsucht hat sie zusammen geführt.
Aus dem „ich“ wird ein „uns“, es ist, als hörten wir hier das „Vater-unser“ heraus.
Vater-unser, unser aller Vater. Es verbindet uns etwas, die Not, die menschliche Not, sie verbindet uns.

Liebe Brüder und Schwestern und Jesus frägt nochmals nach: Ja traut ihr mir das zu?
Und sie sagen: „Ja!“ Und er fügt hinzu: „Ja, euer Glaube, euer Glaube wird zum Maßstab!“
Es kann nur so viel an dir, mit dir passieren, wieviel du glaubst. Gott antwortet auf deinen Glauben. Er kann nicht anders, weil er dich respektiert. Er tut dir keine Gewalt an. Wir werden es anschließend im gemeinsamen Lobpreis hören, wenn ich auch auf diese Heiligen hier eingehen werde.

Aber wenn wir eine von ihnen (von den Ordenspatronen) hernehmen, die für die Schwestern wichtig ist:

Teresa von Avila. Das ist die typische Heilige, die sagt: „Wir können nie genug vertrauen, wir können nie genug erbitten.“ Sie ist diejenige, die sagt: Warum denn den Strohhalm erbitten, warum nur ein bisschen, warum nur ein Scheibchen? Wir dürfen vor Gott hintreten und alles von ihm erbitten. Schließlich werden wir einmal bitten: „Schenke uns nicht ein bisschen Leben, sondern schenke uns ewiges Leben!“ Das ist unser Maßstab. „Ja“, sagen sie, „ja, wir trauen es dir zu.“ Aber, liebe Brüder und Schwestern, das ist ein allererster Anfang. Und man sieht es auch bei diesen beiden Blinden. Es wird nicht erzählt, wie es ihnen danach ergangen ist.

Manche Blinde haben mir gesagt, ich möchte gar nicht mehr sehen. Was ich von der Welt höre, dass genügt mir.
Aber Jesus sagt zu den beiden Blinden etwas: „Es soll niemand davon erfahren.“ Und da hat man sich Gedanken gemacht, was das bedeuten kann. Exegeten haben sich darüber Gedanken gemacht und ich kann euch etwas versichern: Eines haben wir als Exegeten nicht gelernt, nämlich gehorsam zu sein. Und wir sehen, Jesus hat an diesen Blinden etwas gemacht. Er hat ihren Glauben gelobt.

Hier beginnt ein ganz neuer Abschnitt ihres Lebens, aber Jesus möchte sagen: „Das, was jetzt folgt, ist noch viel schwerer. Wenn ihr jetzt wirklich auf einem Weg gehen wollt, auf meinem Weg, weil ihr sehend geworden seid, weil euch die Liebe die Augen geöffnet hat, dann müsst ihr eintreten in einen Gehorsam. Dann müsst ihr euch schon ab und zu nach dem Willen Gottes fragen.“ Und sie gehen los und erzählen es der ganzen Welt. Sie sind nicht gehorsam.

Liebe Schwestern, ich spreche jetzt einmal von ihnen, vielleicht von den Kandidatinnen, von jenen, die jetzt aufgenommen werden. Das, was folgt, ist ein Weg strengen Gehorsams und dabei macht der Gehorsam der Oberin gegenüber nur einen kleinen Teil aus. Er fällt kaum ins Gewicht, wenn es bei dem anderen großen Gehorsam stimmt. Gehorsam dem gegenüber, der uns ruft.

Liebe Brüder und Schwestern, wo steht in dieser Geschichte Mutter Barbara?

Ich habe mich gefragt: „Wo steht sie?“ Ich würde sie nicht bei den Blinden ansiedeln. Sie hat die Not gesehen.
Sie war gehorsam. Aber aus diesem Gehorsam heraus wurde sie Mittlerin von Heilung. Einige von ihnen, nehme ich mal an, würden wir damals, zu Zeiten Mutter Barbaras leben, wären heute nicht hier. Sie gehörten zu den Siechen. Da schauen sie mich an. Ein kleiner Oberschenkelhalsbruch…. diese Menschen waren von da ab bettlägerig und das Bett, auf dem sie lagen, hier in der Steiermark – genauso wie in Südtirol –  war ein Strohsack! Nicht etwa ein Wasserbett oder eine spezielle Matratze, wo man nicht aufliegt und wundliegt. Und diese Menschen, sie lagen wund. Und die meisten sind an Infektionen, an Wundstarrkrampf, an Sepsis gestorben. Ich frage sie jetzt nicht, wer hat schon ein künstliches Hüftgelenk.

Mutter Barbara hat die Not gesehen. Und durch ihren Gehorsam konnte Gott hier wirken und wir spüren es heute noch. Mutter Barbara hat etwas entdeckt und nur in diesem Gehorsam nähert sie sich einem ganz großen Vorbild: Das ist sie, die Unbefleckte des Heiligen Geistes, die ohne Makel der Erbschuld Empfangene, die Reine, die Schöne.

Predigt vom Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Patienten unseres Marienkrankenhauses Propst Gerhard Rechberger CRSA

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Angehörige der im letzten Jahr hier Verstorbenen!

Manches Mal geht es uns wohl so ähnlich wie dem Thomas in diesem Evangelium. „Herr, wir wissen nicht den Weg, wir wissen nicht, welchen Sinn das haben soll.“ Wir können darin keinen Sinn erkennen. Wir können das „Warum“ nicht beantworten. Gerade angesichts des Todes kann manches Mal unsere Sprachlosigkeit sehr groß sein. Wir wissen nicht auf alles eine Antwort, selbst wenn wir sagen, wir versuchen glaubende Menschen zu sein.

Und Jesus nimmt das an. Auch diesen Zweifel des Apostels Thomas, der vielleicht das ausspricht, was sich die anderen auch gedacht haben. Und dann gibt er ihnen diesen Hinweis: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Jeder, der sich im Glauben an diesen Jesus Christus hält, darf vertrauen, dass er eben diesen Weg zum Vater mit Jesus gehen kann.

Und ich denke mir, gerade in diesem Haus, wo als Mittelpunkt dieses Hauses, diese Kapelle hier ist, ist gerade auch dieses Begleiten der Kranken und sterbenden Menschen getragen von diesem Glauben, dass der Herr uns im Sterben annimmt, dass unser Tod nicht die Beendigung unseres Lebens ist, sondern, dass darin unser Leben in Christus die Vollendung findet.

Und trotzdem, in all dem Glauben hat auch die Trauer einen Platz, darf Trauer sein. Und wenn wir heute gemeinsam diesen Gedenkgottesdienst feiern, kann uns der Gedanke vielleicht stützen, dass ich mit meinem Schicksal, mit meiner Trauer, nicht allein bin, denn da sind viele, die heute auch hier neben mir sind und mitfeiern.

Diese Trauer ist zugleich aber auch mit großer Dankbarkeit verbunden. Dankbarkeit jenen Menschen gegenüber, deren Sterben wir uns heute im Gedenken in Erinnerung rufen. Diese Dankbarkeit, wenn wir uns daran erinnern, was wir von ihnen empfangen haben, ob das jetzt die Mutter oder der Vater ist oder sonst ein Angehöriger.

Es ist tröstlich, dass wir in dieser dankbaren Erinnerung auch selber Trost finden. Wir sind dankbar auch jenen Menschen gegenüber, die in den letzten Tagen und Stunden die Sterbenden hier begleitet und gepflegt haben.

Und wenn heute die Verantwortlichen des Krankenhauses und viele, die hier tätig sind, mitfeiern, dann ist das eben auch ein Zeichen dafür, dass wir alle, die wir mit Kranken und Sterbenden zu tun haben, eine besondere Beziehung und Verbindung zu ihnen gefunden haben. Gerade auch die Dankbarkeit jenen gegenüber, die die Menschen gepflegt und begleitet haben, ob in der Familie oder hier im Krankenhaus, wurde uns geschenkt. Die Dankbarkeit darf uns heute prägen.

Und neben der Trauer und Dankbarkeit ist uns auch die Hoffnung geschenkt. Wir schöpfen Trost aus dem Glauben, dass unsere Verstorbenen in diesem Licht sind, das Christus selber ist. Gerade auch die Lichtsymbole, die Kerzen hier, und die Namen aller Verstorbenen dieses Hauses, sind Zeichen, dass diese Menschen nicht vergessen sind, sondern in dieses Licht Christi hineingenommen sind.

Wenn wir jetzt Eucharistie feiern, Tod und Auferstehung Jesu, so wird uns bewusst, dass auch wir in diese Gemeinschaft, in diese Mahlgemeinschaft mit Christus, hineingenommen sind.

Jetzt anschließend werden die Fürbitten gesprochen, wird das zur Sprache gebracht, was uns bewegt und in der letzten Fürbitte werden dann die Namen der Verstorbenen, die in diesem Jahr in diesem Haus gestorben sind, verlesen werden.

An jede Trauerfamilie ergeht die Einladung, dass jemand heraus kommt und eine Kerze für den Verstorbenen als Zeichen entzündet, und wir uns dabei bewusst machen: Diese Kerze brennt jetzt für diese Frau, für diesen Mann, für diesen Verstorbenen, für den wir heute besonders beten und an ihn denken. Amen

„Was führt dich, Ägäas, zu uns? Wenn du an Christus glauben willst, so steht dir, wie ich es versprochen habe, der Weg der Vergebung offen. Wenn du aber nur dazu gekommen bist, um mich vom Kreuze zu lösen, so sage ich dir, dass ich nicht lebendig von diesem Kreuze herab genommen werden kann, denn ich sehe schon meinen König. Ich stehe schon vor seinem Angesicht und bete ihn an. Aber dein Elend schmerzt mich, weil ewige Unglückseligkeit auf dich wartet. Eile dich zu retten, da du noch kannst, damit du nicht erst anfängst zu wollen, wenn es zu spät ist.“

Pfarrer Martirani erinnerte in der heutigen Predigt daran, dass sich der ganze Himmel über die Umkehr eines Sünders mehr freut als über alle Gerechten und regte damit auch zum Empfang des Bußsakramentes an: „Jedes Mal, wenn wir beichten gehen, ist das auch eine große Freude im Himmel. So wichtig bin ich für den Himmel. Der Himmel freut sich, wenn wir gebeichtet und die Erlösung angenommen haben.“

Nirgends erfahren wir Gottes Güte und Erbarmen in solcher Fülle, wie in der Umarmung des vergebenden Vaters, der in der Beichte mit dem Blute Jesus unsere Seele von aller Sünde reinwäscht. Deshalb herrscht beim Abend der Barmherzigkeit  immer große Freude im Himmel, denn viele Gläubige nutzen die Möglichkeit, sich mit Gott in der Beichte wieder zu versöhnen.

Wir dürfen wieder zum nächsten Abend der Barmherzigkeit einladen, der am Barbaratag, am 04. Dezember 2015, stattfinden wird.

Predigt vom Abend der Barmherzigkeit

Pfr. Mag. Guido Martirani

Schön, dass wir da sind, um Gott zu loben und zu preisen, um zu erkennen, wie groß Jesus in seiner Güte ist, wie groß Jesus auch heute mitten unter uns ist. Wir als Christen, als Getaufte, als Erlöste, wir brauchen Jesus Christus und er braucht uns. Mit Freude kommt er auch heute wieder, an diesem Abend der Barmherzigkeit, und ruft uns auf: „Öffnet eure Herzen. Empfangt diese Gnaden, empfangt diese Liebe, die Erlösung. Empfangt mich als Retter, als Sieger!“

Der Sieger über Satan, Tod und Sünde ist hier mitten unter uns. Und wir wollen „Ja“ sagen, zu ihm: „Ja, Jesus, wir bekennen, dass du es bist. Wir übergeben dir unser Leben neu und sagen ja zu dir aus ganzem Herzen.“ Unser Retter, unser Erlöser, unser Heiland, unser Gott ist jetzt hier. Und er betont immer wieder, wie sehr er uns liebt. Er sagt immer wieder neu: „Ich liebe euch, meine vielgeliebten Kinder. Habt keine Angst, vertraut auf meine Liebe. Vertraut auf mich.“

Lassen wir uns von ihm heilen und  berühren. Nehmen wir ihn an in unserem Leben. Umarmen wir ihn jetzt im Geiste. Er will uns, er hat Durst nach uns. Er hat Sehnsucht nach uns. Sagen wir Jesus: „Du bist mein Erlöser. Du bist mein Heiland. Du bist mein Gott, ich liebe dich.“ Und Jesus freut sich über jeden einzelnen, der heute hergekommen ist, um ihm zu begegnen. Denn Jesus ist der Chef des Abends der Barmherzigkeit. Er ist die Barmherzigkeit. Er sagt: „Bitte, lasst mich nie mehr los. Nie mehr!“

Nie mehr! Habt ihr das verstanden? Nie mehr! Also in dieser geistigen Haltung, in der wir jetzt Jesus umarmen, müssen wir raus gehen in die Welt und ihn nie mehr loslassen.

Am Sterbebett könnte einer sagen: „Na da kann ich ihn kurz loslassen.“ Nein, dann müssen wir ihn noch fester an uns drücken und nie mehr loslassen und ihm sagen: „Jesus, unser Heiland, unser Erlöser.“ „Mein Jesus“, dürfen wir sagen.

Und er wird immer mehr mit uns leben, immer mehr eins werden mit uns. Und er wird den Menschen durch uns begegnen und mit uns auf Mission gehen. Meine lieben Missionare! Wir gehen bald auf Mission, denn Gott formt uns hier. Gott formt uns, für eine große Mission. Die Menschen brauchen uns, denn sie brauchen Christus, den wir festhalten. Die Menschen brauchen Jesus Christus. Sie brauchen Erlösung, Rettung und Befreiung. Ja, wir sind klein, wir sind bemüht, demütig zu bleiben. Wir sind bemüht, klein zu sein. Aber Jesus ist groß, groß in der Liebe, im Verlangen, Menschen zu begegnen und zu retten. Er ist groß im Verlangen, dass die Menschen erkennen, wer die Wahrheit ist. Und die Wahrheit hat einen Namen: „Jesus Christus!“

Und wir sind hier an einem Ort, wo ganz besonders zu Maria gebetet wird. Wir sehen hier die Herz Marienstatue. Im Herzen der Gottesmutter brennt ein Feuer. Ein Feuer der Liebe. Die ganze Aufmerksamkeit der Mutter Gottes geht zu diesem Feuer hin. Zu diesem brennenden, lodernden Feuer. Jesus Christus offenbart sich in diesem Feuer und sagt: „Ich bin dieses Feuer. Ich bin diese Flamme.“

Maria ist uns Vorbild. Maria geht auf Mission mit einem liebenden Herzen und dieses Herz brennt. Ihre Mission ist die Flamme der Liebe ihres Unbefleckten Herzens. Und diese Flamme der Liebe ist Gott, ist Jesus Christus. Also, Maria geht auf Mission und bringt Jesus, sein Feuer, seine Liebe, seine Gegenwart. Dieses Feuer, diese Liebe, diese Gegenwart Jesu verblendet den Satan, verblendet alles Böse und bricht die Ketten des Bösen. Maria ist die Missionarin in dieser Zeit. Sie ist unser Anker. Wir halten uns fest an Maria. Denn sie kennt den Weg besser, als alle anderen. Und ihr Weg ist Jesus Christus. Ihr Weg ist das Evangelium. Ihr Weg ist die Kirche. Wir alle sind in ihrem Herzen. Halten wir uns fest an Maria. Sie strömt jetzt diese Gnade aus, diese Gnade der Liebesflamme.

Halten wir uns fest an Maria

Sie schenkt uns jetzt Jesus, die Frucht ihres Herzens. Sie hat wie kein anderer das Verlangen, dass Jesus in dieser Welt erkannt wird. Jesus soll als der Messias erkannt werden, als der Retter, als das wahre Licht der Welt. Also halten wir uns fest an Maria an und gehen wir mit ihr und mit Jesus in unseren Herzen auf Mission. Mit Maria an unserer Seite gehen wir hinaus, auf der Suche nach Menschen, die ein großes Verlangen haben nach Wahrheit, nach Jesus, nach Gottes Liebe.

Betet, dass die Menschen die Liebe Gottes erkennen. Das ist wichtig und wesentlich: Das Gebet für die Menschen. Wir müssen für sie beten, anstatt sie zu verurteilen! Wo war Jesus? Jesus war bei den schrecklichen Sündern. Wirklich, er hat sich hin getraut. Ich weiß nicht, aber wir haben die Hosen oft voll – zu Sündern, da gehen wir nicht hin, weil wir Angsthasen sind. Nicht, weil wir so fromm sind, sondern weil wir Angsthasen sind.

Jesus hat sich getraut, zu den Sündern zu gehen. Die anderen (Pharisäer) taten ganz fromm, mit Gebetsquasten und so – und wo war Jesus? Das musst du dir mal vorstellen! Bei den schrecklichen Sündern war er, er hat sich hin getraut. Natürlich waren die ganz Frommen, die Schriftgelehrten, empört. Aber Jesus war dort, als unser Vorbild. Wenn man nur einen von diesen schrecklichen Sündern im Herzen erreicht, nur einen, dann gibt es eine große „Party“ im Himmel. Vollgas! Ihr müsst euch die schönste „Party“, die ihr einmal gehabt habt, vorstellen. Und im Himmel ist es noch viel schöner! Da freuen sich alle. Der ganze Himmel steht da. Einer sagt: „Ja, wenn sich nur einer bekehrt hat, da freut sich höchstens ein Engerl im Himmel.“ Nein, der ganze Himmel freut sich! Es ist mehr Freude über einen Sünder, als über alle anderen Gerechten. So ist der Himmel wirklich. Der Himmel schaut hin zu den Sündern, betet für sie und wenn sich einer dann bekehrt, dann gibt es eine große „Party“. Und wir sind die gesandten Gottes für diese Mission. Wir nehmen Maria an der Hand und freuen uns, wirklich diese Erwählten zu sein. Und jedes Mal, wenn wir beichten gehen, ist das auch eine große Freude im Himmel. So wichtig bin ich für den Himmel. Der Himmel freut sich, wenn wir gebeichtet und die Erlösung angenommen haben. Amen