Statue der Gottesmutter
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Der heilige Papst Johannes Paul II. betete in der Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz der Gottesmutter mit folgenden Worten:

„O unbeflecktes Herz, hilf uns, die Gefahr des Bösen zu überwinden, das so leicht in den Herzen der heutigen Menschen Wurzel fasst und dessen unermessliche Auswirkungen über dem heutigen Leben lasten und den Weg in die Zukunft zu versperren scheinen.

Von Hunger und Krieg: befreie uns!
Von Atomkrieg, unkontrollierbarer Selbstzerstörung und jeder Art des Krieges: befreie uns!
Von den Sünden gegen das Leben des Menschen von seinen Anfängen an: befreie uns!
Vom Hass und von der Missachtung der Würde der Kinder Gottes: befreie uns!
Von jeder Ungerechtigkeit im sozialen, nationalen und internationalen Leben: befreie uns!
Von leichtfertiger Übertretung der Gebote Gottes: befreie uns!
Vom Versuch, in den Herzen der Menschen sogar die Wahrheit von Gott zu ersticken: befreie uns!
Von den Sünden gegen den Heiligen Geist: befreie uns, befreie uns!

Höre, Mutter Christi, diesen Hilfeschrei, in welchem das Leid aller Menschen zu ­Dir ruft, das Leid ganzer Völker! Hilf uns mit der Kraft des Heiligen Geistes, alle Sünde zu besiegen: die Sünde des Menschen und die »Sünde der Welt« – die Sünde in jeglicher Form. Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unendliche Heilskraft der Erlösung: die Macht der erbarmenden Liebe! Dass sie dem Bösen Einhalt gebiete! Dass sie die Gewissen wandle! In deinem Unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung!“ (25.03.1984)

Predigt vom Abend der Barmherzigkeit

Kaplan Mag. Johannes Biener

Wer ist Jesus eigentlich? Wer ist Jesus Christus? Der Apostel Paulus gibt uns heute folgende Antwort: Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. In ihm wurde alles erschaffen, im Himmel und auf Erden. Alles, das Sichtbare und das Unsichtbare, alles sagt er, ist in ihm erschaffen. Da kommen die Engel, die verschiedenen Engelarten, die Throne und Herrschaften, die Mächte und Gewalten, alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Seit wann gibt es Jesus? Nicht erst seit Weihnachten, sondern, er ist vor aller Schöpfung. Mensch geworden ist er dann erst zu dem Tag, an dem wir Weihnachten feiern. Er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand. Und dann kommt sein Verhältnis zur Kirche: Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche. Wir sind mit ihm verbunden, so wie unser Kopf mit Händen und Füßen. Der gleiche Lebenssaft, das gleiche Blut könnte man sagen, fließt in Jesus und in uns. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, könnte uns dazu einfallen. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. Dann geht es weiter bei Paulus, im Kolosserbrief: Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten, denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Mit seiner ganzen Fülle wollte Gott in ihm, in Jesus Christus, wohnen und zwar, damit alle erlöst werden.

Damit alle und alles versöhnt wird. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz, durch sein Blut. Das feiern wir heute besonders, am Herz Jesu Freitag. So haben wir jetzt sozusagen wie eine große, wunderbare, schöne, glänzende Ikone, ein großartiges, wunderbares Bild von Jesus und das Ganze ist in einem normalen Menschen, könnte man sagen, jetzt hineingekommen, der sich äußerlich sicher nicht von den anderen Menschen unterschieden hat. Der schon die Dinge anders getan hat, als die anderen, aber nur hat man nicht gleich gewusst, wer dieser Jesus Christus eigentlich ist, wenn man nicht die Gnade des Glaubens gehabt hat. So etwa die Pharisäer.

Gut, dass es heute keine Pharisäer mehr gibt. Keine mehr gibt, die vielleicht so schauen, oder so und die vielleicht beten und dann rüber schauen zum anderen. Oder die Brille runter geben. Gibt’s heute alle nicht mehr. Auch ich bin nie so. Ich denke nie schlecht über die anderen. Nie. Oder ich denke nie, warum ist denn der so komisch oder die. Ihr seid Ausnahmen, bei euch denke ich mir das nicht. Sonst manchmal.

Jedenfalls, diese bösen Pharisäer, die verstehen Jesus wieder nicht. Ja, lieber Jesus, jetzt sag uns mal, warum fasten die Jünger des Johannes, und sie beten noch dazu viel, genauso wie unsere Jünger, aber deine Jünger, die essen und trinken. Was ist denn da los, da stimmt doch was nicht. Wenn das einreißt, dann kann was nicht passen. Das geht nicht, das ist gefährlich. Und Jesus sagt: „Könnte ich denn die Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“

Das Fasten war im Judentum der Ausdruck der Buße, des Bereuens der Sünden, der Umkehr. Verpflichtend war es für einen Juden nur einmal im Jahr zu fasten, nämlich am großen Versöhnungstag, am Jom Kippur.

Aber manche wollten das dann öfter machen und haben das den anderen dann vorgehalten, warum sie nicht so fromm sind, was ihnen denn einfällt, warum sie nicht so oft fasten? Fasten also, könnte man sagen, ist in diesem Zusammenhang ein Ausdruck der Trauer. Und Jesus erwidert mit dem für die Menschen damals, größten, stärksten Bild der Freude, nämlich mit dem Bild der Hochzeit. Ich selbst habe es vor einem Monat erlebt. Mein jüngerer Bruder, er ist um 16 Jahre jünger als ich, meine Schwester um 20 Jahre, hat geheiratet und ich durfte Trauungspriester sein. Das war ein großes Fest.

Ja, jedenfalls, das Bild der Hochzeit: „Könnt ihr denn die Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ Jesus, er ist nicht nur ein normaler Mensch, wir haben es vorhin gehört im Kolosser Brief, er ist jetzt bei ihnen und deswegen brauchen die Jünger nicht so viele formelle Gebete herunter ratschen, wie die anderen, weil das christliche Gebet, die Beziehung zu Jesus fördern sollte und deswegen sind sie mehr mit Jesus zusammen und hören ihm zu. Sie hören das Wort Gottes sozusagen in Menschengestalt. Und deswegen ist es auch wichtig, dass sie die Freude, das Zusammensein mit ihm leben, denn er vergibt ja, er ist ja die Quelle der Barmherzigkeit. Nicht irgendeine fremde Macht, die irgendwo ist, und die man halt herunter rufen muss durch unser Fasten oder unsere Gebetstexte, sondern er ist da. Aber Jesus sagt, „es werden die Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein, an diesen Tagen werden sie fasten.“

Ja, Jesus wird eines Tages weggehen

Er sagt zwar – im Johannesevangelium – es ist gut, dass ich zum Vater gehe, denn sonst wäre der Beistand, der Heilige Geist nicht bei euch, aber trotzdem sind sie traurig, klarerweise traurig, denn Jesus war ganz Mensch, in allem uns gleich, außer der Sünde. Die Jünger und die Freunde, Menschen, die mit ihm unterwegs waren, die waren auch Menschen und so sind sie traurig. Und sie dürfen und durften auch traurig sein. Und auch dann, die frühe Christenheit, die erste Kirche, die Gemeinden haben nicht nur im wörtlichen Sinn, sondern auch im übertragenen Sinn, gefastet.

Fasten, das heißt: Das Schwere annehmen, dass jetzt einmal da ist. Das Kreuz annehmen. Den Willen Gottes suchen und zu tun versuchen. Die ersten Christen und wir, haben eigentlich beides. Es ist oft das Fasten da, das Fasten, für das wir uns entscheiden zum Beispiel beim Essen, oder das Fasten, wenn es etwa einmal heißt, für die Familie in der Nacht aufzustehen, wenn die Kinder schreien, oder das momentan nicht tun zu können, was ich gerne tun würde, oder ich als Priester, wenn ich vom Krankenhaus in der Nacht angerufen werde. Jetzt war es einmal so, ich habe eine Nummer gesehen und wusste, das ist eine Intensivstation und momentan habe ich mir gedacht, „das ist jetzt gar nicht passend, das mag ich jetzt überhaupt nicht, das kann ich gar nicht brauchen.“ Aber dann ist mir eingefallen: „Nein, das mache ich jetzt für dich Jesus!“ Ein Licht, das mir aufgegangen ist. Das nur nebenbei. Also, dann werden sie fasten, aber trotzdem hat die erste Christenheit und wir zugleich auch die Freude, denn Jesus ist bei uns. Er sagt ja:

„Ich bin bei euch, alle Tage, bis zum Ende der Welt!“

Das heißt: Wir haben beides, wir haben die Freude, dass der Bräutigam bei uns ist, aber wir haben freilich auch noch das Fasten, denn einmal werden wir nur mehr die Hochzeit haben. Aber auch jetzt, das ist oft der Eindruck, der entsteht, und den vielleicht manche auch verbreiten, seien es Priester oder Laien: „Ja, jetzt ist das Leben halt schlimm, jetzt heißt es halt fasten, steiniger Boden, durchbeißen und dann wird es schön werden.“ Das ist nicht im Sinne der Bibel, nicht im Sinne Jesu. Sondern Jesus möchte uns jetzt schon teilhaben lassen an der Freude, etwa in der Liturgie, aber auch im Gebet, denn wir brauchen die Freude. Wir können ohne Freude nicht leben. Es ist vielleicht nicht unbedingt immer die Freude, die für uns beim Villacher Fasching herrscht, aber es ist eben eine tiefe Freude, ganz tief im Herzen, die unabhängig ist von äußeren Einflüssen und die wachsen kann. Maria sagt bei einer Erscheinung einmal sinngemäß: „Ich sehe unter euch so viel Traurigkeit.“ Woher kommt das? Sicher nicht von Jesus.

Das ist auch wichtig für uns, dass wir oft denken: „Ja, das legt Gott mir auf!“ Aber dabei erlegt es mir nicht Gott auf, sondern ich selber vielleicht. In meinem Stolz oder in meiner Unklugheit, erlege ich mir ein riesiges Gebetspensum auf, das ich nicht schaffe, das mich niederdrückt, oder andere Dinge. Das ist also auch wichtig. Dinge, die wir uns selber auferlegen, wo wir uns selber unsere Freude sozusagen abschneiden, oder wo wir glauben, ich muss Dinge tun, und wenn man ins Gebet gehen würde, würden wir merken, ich bräuchte das gar nicht tun. Jesus will es eigentlich gar nicht. Ich habe es mir selber eingebildet, dass das so wichtig ist und dieses und jenes tun und dies und das, betreuen.

Und dann jedenfalls bringt Jesus zwei starke Bilder. Das erste Bild, ist das Bild vom Kleid. Niemand schneidet ein Stück von einem neuen Kleid ab und setzt es auf ein altes Kleid, denn das neue Kleid wäre zerschnitten und zu dem alten Kleid würde das Stück von dem neuen Kleid nicht passen. Im Matthäusevangelium da ist es ein bisschen anders, da heißt es: Ein altes Kleid und ein neuer Stoff, und dann reißt eben das Alte.

Etwas Persönliches: Ich habe eine Hose, die ich sehr mag, die ist schon über 20 Jahre alt, ein bisschen zerschlissen ist sie schon. Aber ich bilde mir halt ein, die ist so super, so eine tolle Hose gibt’s heute gar nicht mehr. Früher war alles besser. Und da habe ich jedenfalls des Öfteren den Änderungsschneider gebeten und er hat mir dann beim Knie einen Fleckstoff innen hinein genäht. Und nachdem dieser Stoff ein bisschen schwerer ist, als der Andere und ein bisserl dicker, und ziemlich ausgewaschen, ist das natürlich unter diesem Stoff gerissen. Genauso wie es Jesus beschreibt. Nur war es kein Kleid, sondern eine Hose. Jesus meint damit auch, sich selbst. Denn Paulus sagt:

„Ihr habt Christus angezogen.“

Er ist das Kleid und wir schnipseln oft ein bisschen herum, bessern aus, müssen noch besser werden und noch besser werden und da tun wir noch ein bisschen was drauf picken, und jetzt ist es mir wieder nicht gelungen, aber jetzt tu ich noch ein bisschen dazu und bemühe mich… Aber eigentlich möchte Jesus sozusagen sich selbst mir anziehen. Nicht meine Leistung zählt, sondern das Geschenk seiner Erlösung. Genauso beim Bild mit dem Wein und den Schläuchen. Niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche, denn der neue Wein zerreißt die Schläuche, er läuft aus und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen. Bei uns gibt es keine Schläuche, bei uns gibt es Flaschen. Wer schon mal in Spanien war, der weiß, da gibt es so etwas Ähnliches wie Schläuche, so Lederbehälter. Jedenfalls, der neue Wein, der manchmal noch ein bisschen gärt, der bringt dann die alten Schläuche zum Reißen. Der neue Wein, das ist Jesus, das ist sein Leben. Und der alte Schlauch, die alte Haut, das bin ich. „Du alte Haut!“, sagt man oft, das bin ich, aber ich muss neu werden.

„Legt den alten Menschen ab.“

Der alte Mensch, der alte Adam, soll sterben. Das geht oft nicht von heute auf morgen, er ist recht hartnäckig, weiß ich aus eigener Erfahrung. Er steht dann wieder auf, wenn man gar nicht damit rechnet. Aber wir dürfen die Geduld nicht aufgeben. Das heißt, Jesus möchte in uns leben, wie der Wein in den Schläuchen. Sein Geist, sein Leben, seine Kraft. Er selber möchte in uns, durch uns, wirken. Und dann, wenn er uns sozusagen erfüllt hat, dann regt sein Geist uns an zum guten Werk. Oft sind wir da einem Irrglauben, eigentlich einer Irrlehre, unterlegen. In der Schule schon. Manchmal wird den Kindern erzählt, auch bei gewissen Schulgottesdiensten habe ich es immer wieder gehört: „Schau einmal, Jesus war ein guter Mensch, also musst auch du gefälligst ein guter Mensch sein, musst dich bemühen, dass du auch so gut wirst wie Jesus.“ Und das arme Kind, der Franzi oder die Susi, bemühen sich, aber es geht nicht. Es wird auch nie gehen, wenn nicht Jesus in den Kindern, in den Erwachsenen, wirkt. Da können wir uns noch so bemühen, aber wir tun was, was Gott nicht will. Was Jesus nicht will. Wir sollen ihn nicht nur nachahmen, wie irgendeinen Religionsgründer, denn er ist kein Religionsgründer unter Vielen, er ist unser Erlöser.

So bitten wir dich Jesus, lass deinen neuen Wein, dein Leben, die ewige Neuheit des Geistes, in uns wirken und mach uns auch zu neuen Menschen. Gib, dass wir dich anziehen, nicht nur in der Taufe, sondern immer wieder neu, und lass uns jetzt ganz eintauchen in dein Leben, in deine Liebe, in deine Barmherzigkeit. Vielmehr, ziehe du uns in dich hinein, tauche uns in dich ein. Maria bitte für uns. Amen.

Predigt zur Krönung der Unbefleckten Empfängnis

P. Prof. Dr. Bernhard Vosicky OCist

Liebe hochwürdige Mitbrüder im priesterlichen Dienstamt, liebe Mutter Oberin, liebe ehrwürdige Schwestern, liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Herrin und Königin, nennt die Kirche, unter Eingebung des Heiligen Geistes, die Selige Jungfrau Maria, denn sie ist das Königsgemach, der Königspalast, in dem der ewige König, Jesus Christus, menschliches Fleisch angenommen hat. Und im Evangelium dieses Sonntags sagt er dann noch deutlicher: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ Der menschgewordene, aus Maria fleischgewordene Gott, wird dann verhüllt im Brot. Verborgen und verhüllt in Wein, von uns gegessen und getrunken, und Maria ist die, die ihr Fleisch zur Verfügung gestellt hat, damit er Mensch werden konnte. Die ihr Fleisch und Blut hingegeben hat, damit er Mensch werden konnte, durch das Wirken des Heiligen Geistes. Menschwerdung Gottes, Fleischwerdung Gottes. Aber jetzt ist das Wunderbare geschehen. Dieses Fleisch und Blut Mariens ist nicht verwest, wurde nicht dem Verfall preisgegeben, sondern ist verklärt, verwandelt in der himmlischen Herrlichkeit. Und nun kommt das Drama.

Das Drama der geheimen Offenbarung. Das Drama der Apokalypse. Eine wirklich dramatische Situation, ein Szenario einer Schlacht. Zunächst wird der Tempel Gottes im Himmel geöffnet. Die Bundeslade wird sichtbar und dann erscheint schon das große Zeichen am Himmel. Signun magnum, das große Signung, das große Zeichen und dieses große Zeichen am Himmel ist nicht das Kreuz – denn es heißt auch in der Apokalypse, wenn Jesus Christus wieder kommen wird, dann werden wir auf den durchbohrten, den Gekreuzigten schauen – sondern dieses große Zeichen ist diesmal eine Frau.

So wurde sie schon angesprochen von Jesus bei der Hochzeit von Kana: „Frau, was ist zwischen dir und mir?“ Und so wurde sie angesprochen, als Jesus am Kreuz hing: „Frau, siehe deinen Sohn. Sohn, siehe deine Mutter!“ Und so wird sie angesprochen vom heiligen Paulus im Galaterbrief: „Geboren von einer Frau“.

Wer ist diese Frau?

Wer ist dieses große Zeichen am Himmel, mit der Sonne bekleidet, Sonnenumglänzete, mit dem Mond unter ihren Füßen und mit einem Kranz von 12 Sternen auf ihrem Haupt. Sternenbekränzete. Wer ist diese Frau, die schwanger war und vor Schmerz in ihren Geburtswehen schrie, weil sie jetzt die neue Schöpfung – neuer Himmel und neue Erde – gebären soll. Es ist uns klar, weil wir es von der Kirche gedeutet bekommen haben. Es ist Maria, die Jungfrau und Mutter zugleich ist.

Aber damit die Dramatik sich zuspitzt kommt noch ein anderes Zeichen am Himmel. Ein furchtbares Zeichen, ein erschreckendes Zeichen, ein grässliches Zeichen, ein Drache, nicht mehr eine Schlange, wie im Paradies. Die Schlange ist zu einem großen, feuerroten Drachen geworden, das heißt, das Ausmaß des Bösen, des Übels hat sich immens vergrößert. Und wie groß die Ausmaße des Bösen sind, wird uns geschildert. 7 Köpfe, 10 Hörner – Horn als Symbol der Stoßkraft und der Macht des Bösen – 7 Diademe, also nicht nur 1 Krone, sondern 7 Diademe – Kronen – auf seinen Köpfen. Alles ist also ins Übermaß gesteigert. Der Schwanz fegt ein Drittel der Sterne vom Himmel. Wir dürfen da an die Welt der Heiligen Engel denken, denn ein Drittel der Engel sind von Gott abgefallen und dem Satan gefolgt. Engelsturz nennen wir es und alle werden auf die Erde herabgeworfen, das heißt, sie wüten dort und führen die Menschen in Versuchung und versuchen die Menschen von Gott abzusondern, durch die Sünde.

Der Kampf Satans gegen das Volk Gottes

Und dieser Drache steht jetzt vor der Frau, das ist jetzt die höchste Dramatik, sozusagen der spannendste Augenblick. Einerseits ist sie hier, die Immaculata, die Frau, andererseits ist er da, der Drache, denn die Welt von Heute ist auch vom Drachen und vom Übel von der Sünde, vom Bösen durchsetzt, durchfilzt, durchwirkt. Und so steht auch hier der Drache vor der Frau und sie möchte die neue Schöpfung, den neuen Himmel, die neue Erde gebären und er möchte das alles zerstören, vernichten. Er möchte diese neue Schöpfung, diesen neuen Himmel, diese neue Erde, alles Kommende, von Gott Erfüllte, verhindern. Ich überspringe die nächste Stelle und sage ihnen den Schluss: Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen „Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.“

Wieso dieser Sieg, wie ist es möglich, dass die einfache Magd, die schlichte, demütige Magd, schweigend, gehorchend, horchend, arm, lauter und getreu, wie ist es möglich, dass dieses einfache Mädchen aus Nazareth in Galilea einen feuerroten Drachen, der mit seinem Schwanz ein Drittel der Engelwelt wegfegt, besiegt? Gerade durch ihre Armut, gerade durch ihre Demut, gerade durch ihre Gottergebenheit, besiegt sie die Schlange. Durch ihren Glauben, ihre Hoffnung und ihre Liebe. Selig, die du geglaubt hast! Das ist der Sieg, der die Welt und damit auch den feuerroten Drachen besiegt, unser Glaube. Und sie glaubt 100%, felsenfest und stark. Mit einem liebebeseelten Glauben, sagt sie zu allem, was Gott will „Ja, fiat, mir geschehe nach deinem Wort.“ So besiegt sie mit ihrem Glaubensgehorsam den Ungehorsam und Stolz Satans. So besiegt sie durch ihre Demut die Überheblichkeit, die Arroganz Satans. Maria siegt nicht mit dem Schwert in der Hand, sondern mit dem Schwert im Herzen, weil sie bereit ist, das Böse und Übel der Welt in sich aufzunehmen und dadurch, dass sie es in Liebe erträgt, es umzuwandeln in noch größere Liebe. So siegt Maria, demütigst und ergebenst, hingegeben an Gott und seinen Willen.

„Die Frau floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte.“

Wo ist diese Wüste? Es ist unsere Welt. Und dorthin flieht die Frau, dort flieht Maria hin. Sie flieht in die Orte, die sie aufnehmen. Sie flieht auch ins Joglland, sie flieht auch in den Wechselgau, sie flieht auch in die Steiermark, sie flieht auch nach Vorau, sie flieht auch in dieses Marienkrankenhaus und findet hier einen Zufluchtsort. Maria kann sich überall dort, wo sie aufgenommen wird, geborgen fühlen. In jedem Menschenherzen, das für Maria offen ist. Das ist ihr Zufluchtsort. Dorthin flieht sie und so hat sie auch hier in diesem Kloster einen Zufluchtsort gefunden, in euren Herzen, liebe Schwestern. Und das seit vielen, vielen Jahren. Ihr habt ja heuer euer großes Jubiläumsjahr. Ist es nicht wunderbar, dass in diesem Jubiläumsjahr Maria wieder ihren Zufluchtsort gefunden hat. Sie möchte jetzt in euren Herzen leben und nun wird sie mit 12 Sternen bekränzt. Diese 12 Sterne haben eine besondere Bedeutung und diese Bedeutung gilt es ein wenig zu erhellen.

Vom ersten Augenblick ihres Daseins an, wurde ihr die Fülle der Gnaden geschenkt. Der erste Stern, ist die Fülle der Gnaden, gratia plena, der zweite Stern, die gottgeweihte Jungfräulichkeit. Im Jahr des gottgeweihten Lebens, liebe Schwestern, dürfen wir erkennen, dass Maria ihr Leben restlos Gott geweiht hat, reine, makellose, heilige und unbefleckte, gottgeweihte Jungfräulichkeit und die dürfen wir leben. Sehen sie, wie sie in unserem Herzen lebt, wenn wir diese gottgeweihte Jungfräulichkeit praktizieren? Der dritte Stern, unser Herr und Heiland hat in ihrem mütterlichen Schoß Fleisch angenommen, ist Fleisch geworden und hat sie dadurch Mutter Gottes werden lassen. Und Elisabeth begrüßt sie: „Wie kommt es, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt!“ Der nächste Stern: Sie hat die Jungfräulichkeit durch ihre Mutterschaft nicht verloren. Sie ist Jungfrau vor der Geburt, in der Geburt und nach der Geburt des Göttlichen Kindes.

Die Ostkirche hat auf jeder Marienikone – sie können das kontrollieren – Maria mit drei Sternen dargestellt. Wir haben heute 12 Sterne hier – wegen der Apokalypse, aber auf den Marienikonen der Ostkirche sind drei Sterne. Einen oben auf der Stirn, einen auf der linken Schulter und einen auf der rechten Schulter. Diese drei Sterne bedeuten: Jungfräulichkeit in der Geburt, vor der Geburt und nach der Geburt. Immerwährende Jungfräulichkeit. Ganz wichtig! Das muss man den Kindern auch weiter sagen. Der nächste Stern. Immer hat sie den Willen Gottes erfüllt – 100%ig. Sie war in der Gnade allzeit wachsam und so hat sie den heiligsten Willen im gegenwärtigen Augenblick immer erfüllt. Sie hat immer geschaut auf die Hand ihres Herrn und dann als Magd, flügelschnell, gehorsam den Willen Gottes erfüllt. Der nächste Stern, sie durfte als Gefährtin des Erlösers, so nennt sie Papst Paul VI., der diesen Ritus Krönung Mariens neu hat fassen lassen, nach dem Konzil – der selige Paul VI., der mich zum Priester geweiht hat, wollte dass dieser Ritus von der Krönung wieder aufgefrischt wird, Gott sei Dank. Und er sagt, und das ist sehr wichtig, „Gefährtin des Erlösers“. Sie durfte am Erlösungswerk Christi aktiv mitwirken als Mitopfernde und Mitgeopferte und als die, die dann die Gnaden vom Kreuz her weiter an alle Menschen austeilt. Sie ist der erste Kelch, der das Blut Christi auffängt und sie ist auch dann die, die diese Gnaden weiter austeilt an alle Menschen. So durfte sie unter dem Kreuz unsere Gotteskindschaft mitverdienen und entscheidend am Erlösungswerk ihres göttlichen Sohnes mitwirken.

Der nächste Stern, sie ist unter dem Kreuz – das wissen wir alle – die Mutter der ganzen Menschheit geworden. Die Mutter aller Menschen, letztlich auch die Mutter der Kirche. Diesen Titel hat, während des 2.Vatikanischen Konzils, ebenfalls der Selige Paul VI., der Mutter Gottes gegeben, Mater ecclesie. Ein wunderbarer Stern, Mutter der Kirche, Mutter aller Menschen, unter dem Kreuz. Dann dürfen wir noch ein Sternchen leuchten sehen, dass unsere Mutter bis zum Sterben ganz ohne Sünden war. Das heißt, die Sündenlose, nicht nur frei von der Erbsünde, sondern auch frei von jeder ganz persönlichen Sünde. Und diese Sündenlosigkeit Mariens möchte ich auch verbinden, mit der Liebesflamme, denn der Heilige Geist brennt in ihr, er ist das lodernde Feuer in ihrem Unbefleckten Herzen und verbrennt damit alles, was in irgendeiner Weise sündhaft sein könnte. Alle Blendwerke des Satans alle Sünden, und alle Versuchungen des bösen Feindes. Schließlich ein weiterer Stern. Unsere Mutter Maria ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.

Maria, Königin des Himmels und der Erde

Als Stern leuchtet sie gleichsam am Firmament. Interessant es wurde oft die Venus, Morgenstern, Abendstern, mit Maria verglichen, weil sie mit Leib und Seele im Himmel ist, ist sie wie ein leuchtender Stern am Firmament und schließlich wird sie, und das feiern wir am 22. August, zur Königin des Himmels und der Erde gekrönt und ihre Krone ist dann der Stern, der besonders leuchtet, weil Gott selbst ihre Krone ist, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. In Heiligenkreuz wird das so schön dargestellt auf der Säule im Stiftshof. Man sieht, wie die Engel Maria in den Himmel tragen und oben warten schon der Vater und der Sohn und der Heilige Geist mit einer goldenen Krone um sie ihr aufs Haupt zu setzen. Nichts hat sie von sich aus. Sie ist keine Karrierefrau, keine weltliche Karrieristin, keine, die durch Selbstverwirklichung eine Krone bekommen hat, sondern durch Ganzhingabe, durch Selbsthingabe, durch Selbstpreisgabe, durch die Hingabe ihrer Selbst. In Demut hat Gott sie groß gemacht. Er setzt ihr die Krone aufs Haupt. Es ist in Heiligenkreuz die Kaiserkrone, logischerweise der Habsburger, bei uns wird es heute der 12-Sternenkranz sein. Es fehlt noch der Letzte, der 12. Stern:

Maria, Mutter und Mittlerin aller Gnaden

Denken sie an die Wunderbare Medaille der Katharina Labouré, in der Rue de Bac, in Frankreich, Paris 1830, denken sie daran, dass dort, hinten auf der Rückseite der Medaille, die 12 Sterne dargestellt sind, mit dem Kreuz und Maria darunter. Diese 12 Sterne finden sie also auch auf der Wunderbaren Medaille, der Mittlerin aller Gnaden. Wir denken natürlich auch an die 12 Apostel und wir denken an die 12 Stämme Israels, das eine Gottesvolk. Alt und Neuer Bund, aber ein Gottesvolk und wir denken an die 12 Tore des himmlischen Jerusalems. Über jedem Tor ist eine prächtige Perle und diese Perle über den 12 Toren der Gottesstadt Jerusalem, des himmlischen Jerusalems, ist wieder Maria.

So haben wir nun dieses Bild vor Augen und was sollen wir tun? Was dürfen wir tun? Wir stehen nicht wie der feuerrote Drache vor dieser Frau, sondern als armer Sünder und als arme Sünderin. Aber Maria verschmäht die Sünder nicht, wenn sie mit reumütigem und demütigem Herzen und mit leeren Händen vor ihr stehen. Und sie wird immer wieder unsere leeren Hände anfüllen mit Glaube, Hoffnung und Liebe. Maria, gib mir deinen Glauben, deine Hoffnung und deine Liebe. Sie wird uns immer wieder füllen mit Barmherzigkeit, Güte, Menschenfreundlichkeit. Sie wird uns alles geben, was wir brauchen in unserem Dienst an den Kranken, Leidenden und Sterbenden, an den Kindern dieser Welt. Sie wird uns immer reich beschenken, wenn wir mit leeren Händen vor ihr knien und sagen: „Hier bin ich Mutter, füll mich neu mit deinem Glauben, deiner Liebe deiner Demut, mit Hoffnung, füll mich neu mit allen Gnaden, die du von Gott her mir immer wieder vermitteln kannst. Denn alles was ich brauche, erhalte ich von dir und durch dich.“ Wie Bernhard von Clairvaux sagt: „Gott wollte, dass wir alles durch Maria haben.“

Ich schließe mit einem interessanten Wort von Papst Paul VI., denn er war derjenige, der durch eine Enzyklika (Marialis cultus) durch eine eigene Aufforderung, diesen Ritus der Krönung Mariens, wieder belebt hat, liturgisch neu aufleben ließ und da heißt es: „Maria hat auf außergewöhnlicher Weise den Kranz der Gerechtigkeit verdient. Den Kranz des Lebens, den Kranz der Herrlichkeit. Und so bitte ich jetzt, dass wir aufstehen, denn auch wir sollen einmal den Kranz der Gerechtigkeit, den Kranz des ewigen Lebens, den Kranz der Herrlichkeit des Himmels, erlangen. Auch uns will Gott einmal die Krone der himmlischen Herrlichkeit schenken.“