Statue der Gottesmutter
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Predigt vom Abend der Barmherzigkeit Pfarrer Mag. Guido Martirani

Halleluja! Jesus lebt! Und das ist schön. Ich arbeite jetzt viel mit Kindern zusammen bei den Schulschlussgottesdiensten. Und mir ist aufgefallen, Kinder haben wirklich etwas Besonderes. Ich sage nur: „Jesus lebt!“, und sie freuen sich sofort; sie strahlen sofort. Sie haben etwas Besonderes. Ich habe gesagt: „Jesus lebt!“ und habe die Hände erhoben – und alle Kinder haben auch die Hände erhoben. Und jetzt schauen wir, ob wir das auch so können: „Jesus lebt!“ – Ja! Das ist schön.

Wir sind in den Augen Gottes wirklich diese kleinen Kinder, die er zu sich sammelt, immer wieder neu. Die kleinen Kinder Gottes, das sind wir. Und es ist etwas ganz, ganz Besonderes, Kind Gottes zu sein, ein Auserwählter Gottes zu sein. Und er will immer wieder neu diese Kindschaft erneuern – auch wenn wir schon erwachsen oder älter sind. Jesus will, dass wir Kind werden, seine Kinder; und dass wir uns versöhnen lassen und dass wir uns verwöhnen lassen von diesem Vater im Himmel. Denn Kinder haben noch den Mut, zu Mama oder Papa zu gehen und um Versöhnung zu bitten. Kinder haben überhaupt noch den Mut, Mama und Papa zu bitten, wenn sie etwas haben wollen.

Kinder sind frei, Kinder sind oft zornig, Kinder weinen, Kinder sind auch frech – und das ist gut so; ja, da schaut ihr jetzt, aber es ist gut so! Bei dem Wort frech wird sich mancher vielleicht denken: Jetzt kommt er mit dem Zeigefinger! Nein, es ist gut so. Es ist oft besser, man sagt: „Du hast echt ein deppertes Gesicht!“ oder „Du bist wirklich ein …!“  Es ist besser. Weil der andere schreckt sich dann ein bisserl, aber dann tut sich etwas. So darf es aber nicht bleiben! Was machen die Kinder dann? Sie spielen wieder miteinander, weil sie das vorher auch gemacht haben; das gehört dazu. Wichtig ist, dass man dann wieder gemeinsam spielt.

Wir müssen raus von diesem „wir sind ja die guten Christen, und wir müssen immer lieb und nett sein, und so … Das ist nix! Das „lieb und nett“, ist das etwas wert? Wir kennen solche Leute: umso lieber umso netter – aber es berührt nicht! Aber wenn einer spontan ist und richtig lebt, wie ein Kind lebt, das berührt. Das ist gut! Das berührt die Herzen. Wir müssen wirklich wieder wie Kinder werden. Es ist unsere Sehnsucht, wie Kinder zu sein. Und wir müssen das Kindsein auch ein wenig herauslassen.

Ich mache zum Beispiel auch bei den Heiligen Messen, wenn ich merke, dass alles so steif ist, dann mache ich ganz etwas Verrücktes zwischendrin, das ist wichtig. Weil, das reißt die Menschen auf, das öffnet sie. Wir müssen leben, wir sollen die Freude an der Liebe haben, die Freude an der Gemeinschaft haben. Die Freude haben, Menschen zu sein, so wie wir sind. Freude, Menschen zu sein – und wenn wir mal grantig sind, sind wir eben grantig, wenn wir Ängste haben, dann haben wir eben einmal Ängste …

Das war voriges Jahr beim Jungscharlager das Schönste: den Kindern Angst zu machen. „So etwas habt ihr gemacht?“, wurden wir gefragt. Ich habe es eh gebeichtet… Und am Schluss haben wir die Kinder gefragt: „Was war denn das Coolste, das Schönste?“ Und sie haben gesagt: „Wie du uns Angst gemacht hast in der Nacht!“ Ja, das war das Coolste! Die ganze Zeit habe ich mich bemüht lieb zu sein und nett zu sein, ja, ganz ein braver Priester zu sein – nix, das war nicht cool. Aber das „Buahhhhhh…“, das war der Höhepunkt. Das ist das Leben.

Stellt euch vor, eure Familie oder auch die Klostergemeinschaft: Ihr schaut mal bei der Tür hinein und macht „Buahhhh…“ Das lockert auf. Hin und wieder halt, nicht immer. Aber das lockert auf, das tut gut, das ist Medizin. Wieso ist es Medizin? Weil es Gemeinschaft fördert. Das Überfromme fördert die Gemeinschaft nicht. Das ist zu verwerfen, denn das ist nur reine Selbstsucht. Die wahre Frömmigkeit fördert Gemeinschaft. Und dann, in diesem Zustand, wenn man Freude hat am Leben, können wir zu Jesus gehen und erkennen, wie tief seine Liebe ist und dass er uns liebt als Menschen so wie wir sind. Auch dann, wenn wir mal etwas anstellen und etwas Schlechtes machen, aber Menschen sind, die Gott als Vater haben und Maria als Mutter haben, dann ist das Leben schön.

Das Verzeihen ist wichtig – nicht der Perfektionismus in der Frömmigkeit – wir sind brave Christen und beten und sühnen und ich weiß nicht was noch alles … Und sobald dich einer ein bisschen „schlägt“: „Was hast du getan?!“ und wenn dir einer ein gutes Wurstsemmerl wegnimmt: „Du hast mir das Semmerl genommen! Du warst es! Du, du, du …“ Die Gemeinschaft annehmen, das ist die wahre Buße, die wahre Sühne. Das ist es! Und die Kinder wissen das.

Auch im Jungscharlager kann man das beobachten, wenn einem etwas weggenommen oder versteckt wird. Die Kinder fragen gleich: „Wer hat mir das weggenommen, wo ist es, wer hat mir diesen Streich gespielt?“ Aber sie können sofort vergeben. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, sagt Jesus. Und in der Gemeinschaft sind wir wie Kinder. Wir müssen wie Kinder werden: ein bisserl streiten, wieder versöhnen, den ersten Schritt machen: „Du, i mog di! Das kriegen wir schon wieder hin!“ Und wenn es wirklich einmal nicht geht, dann geht man halt zu Gott hin und sagt: „Jesus, komm, hilf mir da; vielleicht bin ich jetzt mit diesem Streich zu weit gegangen.“ Dann braucht man Versöhnung. Da merkt man, das war zwar sehr lustig, aber dann bin ich zu weit gegangen. Oder man hat etwas Gutes zu essen: „Ah, ich esse alles alleine!“, und dann sieht man, dass die anderen nichts bekommen haben; aber vorher habe ich es schön gehabt: „Ich esse diese Torte jetzt ganz alleine!“ Das ist ja schön gewesen, aber dann müssen wir zu Jesus sagen: „Da bin ich ein bisschen zu weit gegangen.“ – Nur ein bisschen natürlich … aber wenigstens eine Hälfte hätte ich den anderen lassen sollen.

Aber es ist schön, dass man dann einen Ort der Versöhnung hat: Das ist Jesus, das sind seine Sakramente; das sind die Beichtpriester – wir haben heute zwei Priester, wo man hingehen kann, und der Priester umarmt uns und sagt: „Gott vergibt dir.“ Und dann merkt man: Diese Erlösung! Und dann geht man wieder hinaus und sagt: Jetzt darf ich den nächsten Streich machen! – aber nicht mehr so groß wie den Vorigen, bei dem ich zu weit gegangen bin. Wir müssen versöhnt sein mit Gott! Und zu dieser Versöhnung führt uns die Mama, die Gottesmutter. Ihr wollen wir uns wieder anvertrauen und weihen – ihrem Herzen, ihrer Flamme der Liebe; denn sie führt uns zu Jesus, zum Erlöser. Sie führt uns zu Gott. Und Gott schenkt uns die Liebe, sein Erbarmen, die Tröstungen, die wir brauchen – und heute Abend besonders: seine Gegenwart, seine Liebe, seine Erlösung, seine Tröstung; und wenn wir zur Beichte gehen, heilt er uns: die Wunden, die wir haben, aber auch die Wunden, die wir zugefügt haben. Aber er bittet uns dann: Freut euch über das Leben! Amen.

Dich, o Herr, will ich anbeten

Johannes Paul II. sagte am 1. Juni 1980: „Jesus, du willst dich uns nicht nur in der Heiligen Eucharistie schenken, sondern du willst auch in uns im Tabernakel unseres Herzens wohnen. Du erwartest alle, die du liebst, um diesen Austausch »von Herz zu Herz« geschehen zu lassen.

Wie sagt der gute Papst Johannes XXIII.: „Mein Leben scheint dazu bestimmt zu sein, sich im Lichte, das vom Tabernakel ausgeht, zu verschenken. Zum Herzen Jesu muss ich meine Zuflucht nehmen, um die Lösung aller meiner Schwierigkeiten zu finden. Jesus, erfülle mein Herz mit Vertrauen auf deine eucharistische Gegenwart. Jesus, gib mir ein solches Vertrauen, dass ich regelmäßig komme, um dir zu begegnen. Gib mir die Gnade, dass ich komme, dich anzubeten, dich zu loben und lass mich auch alles, was notwendig ist, aus dieser Begegnung der Liebe schöpfen, damit mein Leben Gott, unseren Vater, verherrliche! In der Heiligen Eucharistie feiern wir die immer wieder sich erneuernde und wirksame Gegenwart des einmaligen Kreuzesopfers, in dem die Erlösung ein ewig gegenwärtiges Ereignis ist, das unlösbar an das vermittelnde Einschreiten des Erlösers selbst gebunden ist. In der Heiligen Eucharistie treten wir in Vereinigung mit Christus selbst, dem einzigen Priester und der einzigen Hostie, die uns in die Bewegung seiner Hingabe und Anbetung hineinzieht, er, der die Quelle jeglicher Gnade ist. In der Heiligen Eucharistie – das ist auch der Sinn der ewigen Anbetung – treten wir in die Bewegung der Liebe ein, aus der jeder innere Fortschritt und apostolische Erfolg kommt: »Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.« (Joh 12, 32)“

Wer sich dem gütigen Herzen Jesu nähert, wird die Sogkraft seiner Liebe erfahren. Das Herz des Gekreuzigten steht uns offen, nicht nur in den Kreuzesdarstellungen, sonder vor allem auch in der Eucharistie, welche der stets neue Vollzug des unblutigen Kreuzesopfers ist. An dieser Stelle möchten wir Sie wieder ermuntern, so oft als möglich die Heilige Messe zu besuchen und die Zeiten der Anbetung zu nutzen. „Wir dürfen unser Leben nicht von der Eucharistie trennen. In dem Moment, wo wir es doch tun, zerbricht etwas. … Die Zeit, die wir in unserer täglichen Audienz mit Gott verbringen, ist der wertvollste Teil des ganzen Tages.“ (Mutter Teresa)

Sein Leben in Abgeschiedenheit sollte nicht lange dauern und mutet, im Nachhinein betrachtet, einer Vorbereitung zu einer großen Sendung an. Für die nächsten zwei Jahre beauftragte ihn sein Provinzial mit dem Kampf gegen die Irrlehre der Katharer und die Waldenser, wobei er weite Reisen auf sich nahm.

Seine Liebe zur Armut verlieh dem redegewandten Bußprediger jene Glaubwürdigkeit, die ihm den Beinamen „Hammer der Ketzer“ einbrachte. Antonius nahm bei seinen Predigten kein Blatt vor den Mund: „Je länger der Sünder die Buße verschiebt, umso mehr Züchtigung hat er zu erwarten.“

Als erster Lehrer des Franziskanerordens verstand er es, in klaren, eindeutigen Worten die Wahrheit unverblümt auszusprechen: „Der Heuchler fastet, damit man ihn lobe; der Geizhals, damit man seine Börse fülle; der Gerechte, um Gott zu gefallen. … Klein ist der Mensch, der Vergängliches sucht, groß aber, wer das Ewige im Sinn hat.“ Antonius Sinn war ganz auf die Ewigkeit ausgerichtet und seine Sorge galt dem Heil aller Seelen, wie eines seiner Gebete bezeugt: „O Herr, verlasse jene nicht, die du erlöst hast. Verlasse sie nicht, die nur dich besitzen.“

Unnütze Worte sind ein Hindernis auf dem Weg ins Himmelreich, deshalb riet der Heilige: „Unsere Sprache ist eindringlich, wenn unser Tun redet. Ich beschwöre euch daher: lasst doch euren Mund verstummen und eure Taten reden.“ Das durch Gebet und Arbeit geheiligte Leben bestimmt jeden klösterlichen Alltag und bringt die Seele zum Reifen.

Hierin ist uns der heilige Antonius, der einer unserer Ordenspatrone ist, ein großes Vorbild. Denn letzten Endes sind es nicht die vielen Worte, die einen guten Redner ausmachen, sondern das in der stillen Gegenwart Gottes gereifte Wort, das im Handeln des Redners bewahrheitet wird. Jesus selbst ermahnt uns: „Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen.“ (Mt 12,36) Unnütze Worte bringen keine Frucht hervor, sie sind nur Schall und Rauch.

Ein nützliches Wort hingegen wirkt auf den Zuhörer befruchtend und belebend. Gott sagt von sich: „So ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“ (Jes 55,11) Mit dieser göttlichen Gabe war der beredte Kirchenlehrer Antonius von Padua reichlich gesegnet. Bitten wir ihn um seine Fürsprache, damit auch unser Reden gesegnet und durch unser Handeln bewahrheitet sei.

Ehrfurcht gegen die Eltern: Jesus Sirach 3,1-16

Hört, ihr Söhne, was das Recht des Vaters ist,
und handelt danach, damit es euch gut geht.
Denn der Herr hat den Kindern befohlen, ihren Vater zu ehren,
und die Söhne verpflichtet, das Recht ihrer Mutter zu achten.
Wer den Vater ehrt, erlangt Verzeihung der Sünden,
und wer seine Mutter achtet,
gleicht einem Menschen, der Schätze sammelt.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den eigenen Kindern,
und wenn er betet, wird er Erhörung finden.
Wer den Vater achtet, wird lange leben,
und wer seiner Mutter Ehre erweist, der erweist sie dem Herrn.
Wer den Herrn fürchtet, ehrt seinen Vater
und dient seinen Eltern wie Vorgesetzten.

Mein Sohn, ehre deinen Vater in Wort und Tat,
damit aller Segen über dich kommt.
Der Segen des Vaters festigt die Wurzel,
doch der Fluch der Mutter reißt die junge Pflanze aus.
Such deinen Ruhm nicht darin, den Vater herabzusetzn,
denn das ist keine Ehre für dich.
Die Ehre eines Menschen ist die seines Vaters;
wer seine Mutter verachtet, sündigt schwer.

Mein Sohn, wenn dein Vater alt ist, nimm dich seiner an
und betrübe ihn nicht, solange er lebt.
Wenn sein Verstand abnimmt, sieh es ihm nach
und beschäme ihn nicht in deiner Vollkraft!
Denn die Liebe zum Vater wird nicht vergessen,
sie wird als Sühne für deine Sünden eingetragen.
Zur Zeit der Bedrängnis wird sie dir vergolten werden;
sie lässt deine Sünden schmelzen wie Wärme den Reif.
Wie ein Gotteslästerer handelt, wer seinen Vater im Stich lässt,
und von Gott ist verflucht, wer seine Mutter kränkt.