Statue der Gottesmutter
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Predigt von Propst Gerhard Rechberger CRSA Das Fest Christi Himmelfahrt als Nahtstelle unseres Glaubens

Einerseits das Abschiednehmen und andererseits die Sendung, ein Neubeginn, ein Auftrag an die JüngerInnen. Ihr seid meine Zeugen bis an die Grenzen der Erde, haben wir in der Lesung gehört und im Evangelium hieß es: Geht zu allen Völkern, verkündet die Frohbotschaft, tauft sie. Es ist der Auftrag, das, was Jesus getan, gewirkt hat und gesagt hat, das soll mit seinem Heimgang zum Vater nicht beendet sein, nicht abgeschlossen sein. Es ist nicht wie ein abgeschlossenes Kapitel der Weltgeschichte, diese paar Jahre in Palästina, sondern das, was er getan hat, soll durch seine Jünger weitergetragen werden und was er getan hat, das war wohl diese Frohe Botschaft gerade für die Kranken, für die Armen, für die Sünder, für die Ausgeschlossenen: Für die war Jesus ein Hoffnungszeichen, eine Hoffnung für die Welt, auch für uns.

Dieses Hoffnungszeichen wollte er durch die Jünger auch heute weitertragen lassen, gerade wenn wir in diesem Jahr das Jahr der Hoffnung [Diözese Graz-Seckau] begehen ist die Frage erstens einmal: „Wie viel Hoffnung trage ich selber in meinem Herzen aus dem Glauben heraus?“, und zum anderen „Wie viel Hoffnung kann ich auch anderen Menschen geben und weitergeben?“ Und Jesus gibt uns ja die Zusage mit dem letzten Satz im Matthäus-Evangelium (Mt 28, 20), sozusagen als letztes Testament, das er uns mitgibt:

„Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Und so ist gerade diese Zusage in einer Ordensgemeinschaft auch ein ganz wichtiger Punkt aus dem Glauben heraus. Jesus sendet seine Jünger in die Welt hinaus, zu den Menschen: »Geht zu allen Völkern.«

Und wenn eine Frau in einen Orden geht, ist es auch diese Sendung aus dem Glauben in die Welt hinaus.

Es ist dieser Dienst an den Menschen: Bei Sr. Huberta vor allem im Dienst an den Kranken, Sr. Michaela in der Sakristei und der Liturgie, in der Kapelle hier. Verschiedene Dienste, die aber letztlich dem einen großen Werk dienen. Und gerade bei einer Ordensfrau ist nun dieser Dienst am Menschen rückgebunden in dieser besonderen Verbundenheit in Christus, im Gebet, im Gottesdienst, in dieser geistlichen Gemeinschaft. Das gehört wohl zusammen, dass diese Christusverbundenheit dann wirksam wird in der Verbundenheit mit dem Menschen, in der Offenheit für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen.

Gerade am heutigen Tag wird uns bewusst, Christus hat keine anderen Hände als unsere Hände, um heute das Gute zu tun. Wir sollen dieses Herz Jesu sein, dieses Herz der Liebe, das offen für andere Menschen ist. Und so dürfen wir heute in großer Dankbarkeit Gottesdienst feiern für die Schwestern hier, und vor allem für die beiden Jubilarinnen, die diesen Weg der Nachfolge Christi in besonderer Weise gegangen sind und ihn gehen. Dass sie uns zeigen, gerade wenn wir diese Mitte in Jesus Christus haben, wenn die uns geschenkt ist, dann kann das fruchtbar werden im Dienst an den Mitmenschen. Oder wie es Jesus ausdrückt im Gleichnis vom Weinstock und den Reben: „Wer in mir bleibt, und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ Möge diese Christusverbundenheit auch uns helfen, dass wir Frucht bringen, Früchte der Liebe.

Und so möchte ich diesen Wunsch mit einem Text abschließen, der diesen Auftrag Christi zum Ausdruck bringt, das wir das weiterführen, was Jesus Christus und gebracht hat:

Christus braucht unsere Füße,
um heute zu den Menschen zu gehen.

Christus braucht unsere Hände,
um heute Menschen zu heilen.

Christus braucht unseren Mund,
um heute Frieden zu stiften.

Christus braucht unser Gesicht,
um heute Hoffnung zu geben.

Christus braucht unser Herz,
um heute die Menschen zu lieben.

Wir sind das Brot,
das er heute verteilt.

Wir sind das Evangelium,
das er heute verkündet.

Wir sind die Bibel,
die die Welt heute liest.

Wir sind Gottes Botschaft in Worten und Taten geschrieben,
Herr, lebe in uns, handle in uns, liebe in uns.

Mache uns zum Werkzeug deines Friedens. Amen.

Reliquien

Sie erinnern uns an das ewige Leben, das Christus uns durch sein Sterben am Kreuz erlitten hat. Durch ihr vorbildliches Leben in tiefer Gottverbundenheit haben uns die Heiligen gezeigt, wie wir durch die „enge Tür“ gelangen, die uns ins Himmelreich führt. Heilige sind keine religiösen Perfektionisten. Sie waren Sünder wie wir. Aber aus Liebe zu Gott bemühten sie sich, ein tugendhaftes Leben zu führen. P. Pio sagte: „Der Übeltäter, der sich seiner bösen Taten schämt, steht Gott näher als der Christ, der über seine guten Taten errötet.“ Und sein Rat an uns lautet: „Betet, und sei es auch widerwillig. Wer viel betet, wird gerettet; wer wenig betet, ist gefährdet, und wer nicht betet, wird verdammt. Der Wille zählt und wird belohnt, nicht das Gefühl.“

In den Reliquien erweist die Kirche den Heiligen Ehre, denn ihr Leib war ein reiner Tempel des Heiligen Geistes. Gläubige bezeugten zu allen Zeiten, dass die Gegenwart der Heiligen in der Nähe ihrer Reliquien besonders wahrnehmbar ist. Reliquien dürfen nicht als magische Mittel missbraucht werden. Ihre Verehrung liegt im Glauben an die Auferstehung des Leibes begründet, der bei der Vollendung der Welt mit der Seele wieder vereint wird. „Demut und Reinheit sind die Flügel, die bis zu Gott erheben und vergöttlichen.“, stellte P. Pio fest. Diese Flügel dürfen wir uns erwerben, denn Gott will, dass wir heilig werden: „Erweist euch als heilig, und seid heilig, weil ich heilig bin.“ (Lev 11,44) In der Offenbarung (20,6) lesen wir: „Selig und heilig, wer an der ersten Auferstehung teilhat. Über solche hat der zweite Tod keine Gewalt.“ Im Glauben an seine Auferstehung konnte P. Pio sagen:

„Glaubt ihr nicht, dass ich nach dem Tode noch mehr für euch tun könnte? Ich werde nach meinem Tode mehr Lärm machen, als während meines Lebens!“ In der Verehrung der Reliquien stärken wir nicht nur unseren Glauben an das Ewige Leben, an die ewige Anschauung Gottes, sondern auch unser Vertrauen in die Fürsprache der Heiligen, die gerne für unsere kleinen und großen Anliegen da sein möchten.

Bitte um gedeihliches Wetter

(abgewandelte Form des Wettersegens)

Gott, allmächtiger Vater, segne uns und schenke uns gedeihliches Wetter; halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von uns fern. Segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke uns die Früchte der Erde. Begleite unsere Arbeit, damit wir in Dankbarkeit und Freude gebrauchen, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist. Das gewähre uns der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Bereits Albert Einstein erkannte, dass selbst kleinste Kleinigkeiten enorme Auswirkungen auf unser Leben auf diesem Planten haben: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ So gesehen ist der Kampf der Imker gegen das Bienensterben der letzten Jahre durchaus ernst zu nehmen und sollte uns nachdenklich stimmen.

Adalbert Stifter möchte uns ebenfalls die Augen öffnen: „Die meisten verstehen nur die Frakturschrift im Buche der Schöpfung und übersehen die kleine Perlschrift auf Wiesenblumen und Schmetterlingsflügeln.“ Gott beschenkt uns in der Natur so reich mit seiner Liebe, die wir in der Hektik unserer Betriebsamkeit jedoch geflissentlich übersehen.

Christian Friedrich Hebbel stellte vor mehr als einem Jahrhundert betroffen fest: „Das Publikum beklatscht ein Feuerwerk, aber keinen Sonnenaufgang.“ Im Feuerwerk bejubelt sich der Mensch selbst, im Staunen über das Aufgehen und Sinken der Sonne mit der damit verbunden Farbenfülle bewundern wir Gottes Werk. Tag für Tag schulden wir ihm unseren Dank für die Großtaten, die er in seiner liebenden Aufmerksamkeit für uns wirkt.

Wer hat Gott schon darum gebeten, dass er am nächsten Morgen die Sonne wieder aufgehen lässt, dass er zur rechten Zeit die Nacht hereinbrechen lässt? Das gewohnte Gefüge um uns scheint zu banal, zu selbstverständlich zu sein, als dass wir uns dabei an Gott erinnern. „Treue sprosst aus der Erde hervor; Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. Auch spendet der Herr dann Segen und unser Land gibt seinen Ertrag. Gerechtigkeit geht vor ihm her und Heil folgt der Spur seiner Schritte.“, betete der Psalmist. (Ps 85,12-14) Die Juden erinnerten sich im Psalmengebet regelmäßig an das treue Wirken Gottes. Sie nahmen sein unveränderliches Wirken nicht als selbstverständlich:

„Er bedeckt den Himmel mit Wolken, spendet der Erde Regen und lässt Gras auf den Bergen sprießen.“ Gläubige Juden bezogen Glück und Segen auf Gottes Barmherzigkeit und verstanden es, in lebendiger, dankbarer Beziehung mit ihrem Schöpfer zu leben. Und Gläubige Christen heute? Verstehen wir es, in Dank und Lobpreis mit Gott zu leben?