In Gott finden wir, was so viele in der heutigen Leistungsgesellschaft suchen: Anerkennung und Dankbarkeit. Und wenn wir nur ein Glas Wasser reichen: Gott sieht es und belohnt diese Liebestat – ohne dass wir um diese Anerkennung ringen müssten.
Diese Entlohnung unserer guten Werke beleuchtet aber nur eine Komponente der Arbeit. In seinem Schreiben zum Josefsjahr zeigt Papst Franziskus einen noch viel weitreichenderen Aspekt unseres Wirkens auf:
„In dieser unserer Zeit, in der die Arbeit wieder zu einem dringenden sozialen Thema geworden zu sein scheint und die Arbeitslosigkeit manchmal drastische Ausmaße annimmt – auch in Ländern, in denen seit Jahrzehnten ein gewisser Wohlstand herrscht –, ist es notwendig, die Bedeutung einer Arbeit, die Würde verleiht, wieder ganz neu verstehen zu lernen. Unser Heiliger ist dafür Vorbild und Schutzpatron.
Die Arbeit wird zur Teilnahme am Erlösungswerk selbst, sie wird zu einer Gelegenheit, das Kommen des Reiches Gottes zu beschleunigen, das eigene Potential und die eigenen Qualitäten die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten weiterzuentwickeln und sie in den Dienst der Gesellschaft und der Gemeinschaft zu stellen; die Arbeit wird nicht nur zu einer Gelegenheit der eigenen Verwirklichung, sondern vor allem auch für den ursprünglichen Kern der Gesellschaft, die Familie. Eine von Arbeitslosigkeit betroffene Familie ist Schwierigkeiten, Spannungen, Brüchen, ja der verzweifelten und weiter in die Verzweiflung führenden Versuchung der Auflösung stärker ausgesetzt. Wie können wir über die Menschenwürde sprechen, ohne uns dafür einzusetzen, dass alle und jeder Einzelne eine Chance auf einen würdigen Lebensunterhalt haben?
Der Mensch, der arbeitet, egal welcher Aufgabe er nachgeht, arbeitet mit Gott selbst zusammen und wird ein wenig zu einem Schöpfer der Welt, die uns umgibt.“
Die vielfältigen Aufgaben des heiligen Josefs rankten sich alle um den Sohn Gottes und damit um das Heil der Menschheit, um die Rettung und Erlösung des Menschengeschlechtes. So wurden die einfachen Handgriffe eines unbedeutenden Zimmermanns zu einem bedeutenden Mitwirken an der Schöpfung, die in Christus vollendet wird. In seinem bescheidenen Wirken als einfacher Arbeiter und Familienvater hat Josef einen bedeutungsvollen Beitrag zum Erlösungswerk Christi geleistet. Er war auf seine Weise Miterlöser und ergänzte schon vorweg, „was an den Leiden Christi noch fehlt.“ (Kol 1,24) Paulus hat uns gezeigt, dass wir durch unser Leiden, in das wir auch alle unsere Mühsale einbinden können, an der Erlösung mitwirken. Papst Franziskus lenkt unseren Blick wieder auf die gegenwärtigen Nöte der Menschheit, wenn er schreibt:
„Die Krise unserer Zeit, die eine wirtschaftliche, soziale, kulturelle und geistliche Krise ist, mag allen ein Aufruf sein, den Wert, die Bedeutung und die Notwendigkeit der Arbeit wieder neu zu entdecken, um eine neue „Normalität“ zu begründen, in der niemand ausgeschlossen ist. Die Arbeit des heiligen Josef erinnert uns daran, dass der menschgewordene Gott selbst die Arbeit nicht verschmähte. Die Arbeitslosigkeit, von der viele Brüder und Schwestern betroffen sind und die in jüngster Zeit aufgrund der Covid-19-Pandemie zugenommen hat, muss zum Anlass werden, unsere Prioritäten zu überprüfen. Bitten wir den heiligen Josef, den Arbeiter, dass wir einmal verbindlich sagen können: Kein junger Mensch, keine Person, keine Familie ohne Arbeit!“