Jeder hat einen bestimmten Platz und eine besondere Aufgabe in seinem Plan. Und manchmal können die unbedeutendsten Aufgaben die bedeutendsten sein.
In den Augen der Welt war Josef ein Niemand. Was hat er schon großes getan? Er hat gearbeitet und damit seine kleine Familie ernährt. Er gehörte zur untersten Schicht des Volkes. War in der Armut gefangen. Und Josef selbst hat nichts geschaffen, das Aufsehen erregen konnte. Er war sicher ein guter Zimmermann, aber niemand machte aus seinen Werken eine Sehenswürdigkeit. Keiner der Großen und Mächtigen hat von ihm Notiz genommen.
Aber im Kleinen treu, hat Gott ihm das Größte und Heiligste anvertraut, das er hatte: Jesus, seinen Sohn und Maria, die Königin über Engel und Menschen, seine Tochter, Braut und Mutter.
Erst am Ende unseres Lebens werden wir die Bedeutung unserer kleinen Werke im Heilsplan Gottes erkennen – wie Josef, der heute so viele Patronate inne hat, dass man sie nicht mehr zählen kann. Papst Franzisus schreibt über das Leben des heiligen Josef weiter:
„Bei einer oberflächlichen Lektüre dieser Geschichten hat man immer den Eindruck, dass die Welt den Starken und Mächtigen ausgeliefert ist, aber die „gute Nachricht“ des Evangeliums besteht darin zu zeigen, wie Gott trotz der Arroganz und Gewalt der irdischen Herrscher immer einen Weg findet, seinen Heilsplan zu verwirklichen. Auch unser Leben scheint manchmal starken Mächten ausgeliefert zu sein. Doch das Evangelium sagt uns, dass es Gott immer gelingt, das zu retten, worauf es ankommt, vorausgesetzt, dass wir den gleichen kreativen Mut aufbringen wie der Zimmermann von Nazaret. Er versteht es, ein Problem in eine Chance zu verwandeln, und zwar dadurch, dass er immer in erster Linie auf die Vorsehung vertraut.“
Kreativität erfordert ein Stückweit Mut…
…den Mut, etwas auszuprobieren; den Mut, durch Versuch und Irrtum zu lernen; den Mut, nicht aufzugeben; und manchmal auch den Mut, sich selbst neu zu erfinden; von alten Gewohnheiten und Stukturen loszulassen und neue Strohhalme zu ergreifen, um voranzukommen.
Den Geist des Mutes haben wir in der Firmung erhalten. Wir müssen ihn in uns wirken lassen, indem wir den Heiligen Geist immer und immer wieder darum bitten, uns zu helfen, den Alltag im Sinne Gottes zu bewältigen.
Dieser Geist des Mutes ist zugleich auch ein Geist der Freude. Durch ihn können wir die gewöhnlichen und außergewöhnlichen Herausforderungen unseres Lebens nicht als Belastung, sondern als freudvolles Tun erleben. An Gottes Werk durch unscheinbare Handlungen mitwirken zu dürfen, soll in uns ein Gefühl der Freude wecken. Beides zusammen macht den missionarischen Geist aus, der nicht nur in der Verkündigung des Wortes Ausdruck findet, sondern vor allem in der tätigen Liebe, die sich dem anderen zuwendet.
Im nächsten Abschnitt spricht Papst Franziskus etwas sehr Schönes an, nämlich Gottes Vertrauen in uns:
„Wenn Gott uns manchmal nicht zu helfen scheint, bedeutet das nicht, dass er uns im Stich gelassen hat, sondern dass er auf uns vertraut und auf das, was wir planen, entwickeln und finden können.
Hierbei handelt es sich um denselben schöpferischen Mut, den die Freunde des Gelähmten bewiesen, als sie ihn, um ihn zu Jesus zu bringen, vom Dach herabließen (vgl. Lk 5,17-26). Die Kühnheit und Hartnäckigkeit dieser Freunde war durch keine Schwierigkeit aufzuhalten. Sie waren überzeugt, dass Jesus den Kranken heilen konnte. „Weil es ihnen aber wegen der Volksmenge nicht möglich war, ihn hineinzubringen, stiegen sie aufs Dach und ließen ihn durch die Ziegel auf dem Bett hinunter in die Mitte vor Jesus hin. Als er ihren Glauben sah, sagte er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben“ (V. 19-20). Jesus erkennt den einfallsreichen Glauben, mit dem diese Männer versuchen, ihren kranken Freund zu ihm zu bringen.“
Wo sind wir heute, dort, wo wir stehen, missionarisch gefordert?
Einfallsreichtum und Mutlosigkeit passen nicht zusammen. Gemeinsam mit dem Heiligen Geist können wir alle Mutlosigkeit in uns besiegen. Er hat die Kraft, uns wieder auf die Füße zu stellen, wie wir bei dem Propheten Ezechiel sehen können: „Er sagte zu mir: Stell dich auf deine Füße, Menschensohn; ich will mit dir reden. Als er das zu mir sagte, kam der Geist in mich und stellte mich auf die Füße. Und ich hörte den, der mit mir redete.“ (Ex 2,1-2)
In diesen Tagen und Wochen sind so viele Menschen gezwungen, sich den Problemen ihres Lebens zu stellen. In den Unwetter- und Feuerkatastrophen wurden zahllose Männer, Frauen und Kinder aus ihrer mehr oder weniger heilen Welt förmlich herauskatapultiert. Nichts ist mehr so, wie es war. Sie stehen vor dem Nichts und haben nur noch ihr Leben – und wenn sie ihn kennen und annehmen können – Gott.