Josef hatte schon einmal Gottes Wort in einem Traum vernommen. Diese Art der Kommunikation zwischen seinem himmlischen Vater und ihm durch die Vermittlung eines Engels, war ihm bereits vertraut. So konnte er in dieser brenzligen Situation auch augenblicklich reagieren und das Leben des Sohnes Gottes retten. Einmal mehr zeigt sich, dass Josef ein Mann der Tat ist. Sein Herz ist ebenso einfältig wie mutig. Das ermöglichte es ihm, sofort, ohne langes Grübeln, Prüfen und Abwägen zu handeln. Sein Herz vertraute felsenfest auf den Willen Gottes, von dem er überzeugt war, dass er immer gut ist.
Hierin war und ist er Maria ganz ähnlich. Beide sind ein Monument des unverbrüchlichen Gottvertrauens. Und das ist nur möglich, wenn man sein Leben komplett und ohne Ausnahme in Gottes Hand gelegt hat und wie ein Kind zu seinem Vater aufschaut. Dieser Glaube machte sie formbar in Gottes Händen. Er verlieh ihnen gleichermaßen die nötige Festigkeit und Geschmeidigkeit, um in der Meisterhand Gottes zu überaus herrlichen Seelen herangebildet zu werden.
„In Ägypten wartete Josef zuversichtlich und geduldig mit der Rückkehr in sein Land, bis die versprochene Nachricht des Engels bei ihm eintraf. Als der göttliche Bote ihm in einem dritten Traum mitgeteilt hatte, dass diejenigen, die das Kind töten wollten, nun tot seien und ihm befohlen hatte, aufzustehen und das Kind und seine Mutter zu nehmen und in das Land Israel zurückzukehren (vgl. Mt 2,19-20), gehorchte er abermals ohne zu zögern: „Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel“ (Mt 2,21).
Als Josef aber auf der Rückreise „hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte – und es ist dies das vierte Mal –, ihm in einem vierten Traum geboten wurde, „zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder“ (Mt 2,22-23).“
Von Josef können wir lernen, dass wir auch auf Träume und innere Impulse gut hinhören müssen. Im Allgemeinen lernt ein gläubiger Mensch, wenn Gott ihm das eine oder andere Charisma geschenkt hat, sehr schnell, Gottes Weisung von banalen Impulsen oder Ereignis verarbeitenden Träumen von echten göttlichen Fingerzeigen zu unterscheiden. Fazit: Man darf nicht jedem Traum nachjagen und jeden Impuls für eine reale Aufforderung Gottes halten.
Aber wir müssen im Laufe unseres Lebens immer sensibeler werden für den Anruf Gottes. Auch Samuel musste erst Gottes Stimme kennen lernen. Er hatte einen Lehrer, einen geistlichen Begleiter, der ihm half, Gottes Ruf zu erkennen und von Irdischem zu unterscheiden.
Josef musste mit Gottes Art, sich ihm mitzuteilen, schon vertraut gewesen sein. Das verrät seine Sicherheit im Umgang mit seinen Träumen. Jedesmal heißt es, dass er nicht zögerte, Gottes Bitte oder Befehl auszuführen. Möchte man, dass Gott einem Großes anvertraut, dann muss man früh anfangen, im Kleinen treu zu sein.
Die Heiligen konnten nur deshalb Gottes Stimme so gut von anderen unterscheiden, weil sie viel Zeit mit Gott verbrachten. Weil sie sich bewusst Zeit nahmen, auf Gottes leisen Anruf zu warten. Gott ist keine Maschine, die man bedienen kann. Er ist Person. Er hat einen eigenen Willen und kann im Gegensatz zu uns alle Zusammenhänge erkennen. Er kennt unsere Zukunft und lässt sich zum Glück nicht von unseren Wünschen manipulieren sondern entscheidet klug und umsichtig. Er ist wahrhaft Vater, der in weiser Voraussicht für uns sorgt, damit alles zum Guten reicht.
Josef kannte und liebte Gott als seinen Vater und vertraute ihm daher blind. Er konnte auf sein Geheiß hin beschwerliche Reisen unternehmen und den Wohlstand hinter sich lassen. Im Vertrauen wagte er immer wieder einen Neuanfang – in Bethlehem, in Ägypten, in Nazareth. Papst Franziskus weist in seinem Schreiben auf einen weiteren Aspekt hin, der verdeutlicht ebenso den Gehorsam dieses Gerechten Heiligen aufzeigt:
„Der Evangelist Lukas berichtet seinerseits, dass Josef die lange und beschwerliche Reise von Nazaret nach Betlehem auf sich nahm, um sich gemäß dem von Kaiser Augustus erlassenen Gesetz zur Volkszählung in seiner Heimatstadt eintragen zu lassen. Und unter eben diesen Umständen wurde Jesus geboren (vgl. Lk 2,1-7) und, wie alle anderen Kinder auch, ins Einwohnerverzeichnis des Reiches eingetragen.
Der heilige Lukas legt insbesondere Wert darauf mitzuteilen, dass die Eltern Jesu alle Vorschriften des Gesetzes einhielten: die Riten der Beschneidung Jesu, der Reinigung Marias nach der Geburt und der Darbringung des Erstgeborenen an Gott (vgl. 2,21-24).“