Statue der Gottesmutter
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Predigt vom Abend der Barmherzigkeit

P. DDr. Marian Gruber OCist

Lieber Herr Monsignore, liebe ehrwürdige Mutter, liebe Schwestern, liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die habsburgische Dynastie brachte es mit sich, dass eine enge Verschränkung zwischen dem religiösen Leben der Kirche und dem Hause Habsburg bestand. Es entstand gleichsam eine Symbiose zwischen diesen Beiden. Es entstand, was wir später eben immer wieder ausgedrückt haben, diese Gemeinsamkeit von Altar und Thron im besten Sinne des Wortes. So kann man im Rückblick durchaus urteilen, dass die Kirche in Österreich zum Beispiel die Krise der Reformation ohne die Hilfe der politischen Macht und Gewalt der Habsburger wohl nicht überwunden hätte. Sowohl das klösterliche Leben, als auch die katholische Laienbewegung in Form von Bruderschaften und Marianischen Kongregationen, erlebte unter der Schirmherrschaft des Kaisers eine ganz neue Blüte. Diese habsburgische Frömmigkeit, die auch als Pietas Austriaca bezeichnet wird, wurde so zur „festen Säule, auf der das Staatskirchentum alter Form ruhte.“ So entstand die Überzeugung, „dass dem Haus Österreich von Gott her eine bestimmte Mission für Reich und Kirche zuteil geworden ist um der religiösen Verdienste seiner Vorfahren willen.“

Die Frömmigkeit und die Gottesfurcht, wie auch Milde und Gerechtigkeit, galten als spezifische Herrschaftstugenden der habsburgischen Dynastie, woraus sich für den Monarchen die Verpflichtung ergab, Sorge für den Kult und die Ehre Gottes zu tragen und „die katholische Religion zu schützen und zu fördern“. Ihre Ausprägung fand diese Pietas Austriaca besonders in der Verehrung der heiligsten Eucharistie, des heiligen Kreuzes und der Gottesmutter Maria und natürlich auch des heiligsten Herzens Jesu.

Vor allem Kaiser Karls fromme Mutter Maria Josepha war um eine religiöse Erziehung des jungen Erzherzogs bemüht. Dies ergab sich jedoch wie von selbst dadurch, dass das gesamte Umfeld Karls von katholischer Religiosität geprägt war. Er besuchte nicht nur schon als Kind häufig den Gottesdienst, sondern pflegte sogar an keiner Kirche ohne einen kurzen Besuch vorüberzugehen. Auch andere religiöse Übungen, wie das Tischgebet, waren für Karl ganz selbstverständlich. Zur Muttergottes hegte er eine tiefe und innige Verehrung, die zeit seines Lebens äußerlich auf vielfache Weise, besonders im täglichen Rosenkranzgebet, ihren Ausdruck fand.

Die Belege für diese seine Frömmigkeit und Marienverehrung sind so zahlreich, dass hier nur einige genannt werden können. Es war für den jungen Erzherzog, der mit 16 Jahren seine militärische Laufbahn begann, selbstverständlich, sich auch öffentlich zu seinem Glauben zu bekennen und seine Gebete auch in Anwesenheit seiner Kameraden nicht zu vernachlässigen. Auch in seiner Ehe mit der Prinzessin Zita von Bourbon-Parma bildeten der katholische Glaube und lebende Frömmigkeit ein festes Fundament. So ließ er in die Eheringe den Anfang des alten Mariengebetes „Sub tuum praesidium“ einprägen und eingravieren. Oft sprachen die zwei über religiöse Themen und das geistliche Leben. Nachdem er als Kaiser auch das militärische Oberkommando übernommen hatte, sorgte Karl für die Soldaten in einer Weise, wie er es mit seinen Moralvorstellungen vereinbaren konnte. So richtete er Soldatenhäuser ein, wo sich die Soldaten bei Spiel und harmloser Zerstreuung erholen konnten, um dem großen Übel der Prostitution entgegenzuwirken. Doch nicht nur die Unterlassung der Sünde war ihm ein Anliegen, sondern auch die religiöse Praxis unter den Soldaten. Daher ließ er Rosenkränze unter ihnen verteilen und veranlasste, dass nach Möglichkeit auch an Wochentagen eine heilige Messe mit Ansprache angeboten wurde. Dem Krieg versuchte er so bald wie nur möglich ein Ende zu bereiten, mit der Begründung: „Kein Mensch kann das vor Gott verantworten.“

Im Unterschied zu seinen Vorgängern im 18. und 19. Jahrhundert verehrte Karl den Papst. Wenn er auch selbst durch die Krönung Georgs V. von Großbritannien verhindert war, schickte er doch seine Verlobte 1911 nach Rom, um den Heiligen Vater um seinen päpstlichen Segen für ihre Ehe zu bitten.

Schließlich soll hier auch der heiligmäßige Tod des seligen Kaisers nicht unerwähnt bleiben. Die Erinnerungen des Kronprinzen Otto und der Gräfin Therese Korff-Schmising-Kerssenbrock, die beim Sterben des verbannten Kaisers zugegen waren, schildern sehr eindrucksvoll, wie gottergeben und mit welchem Vertrauen der Kaiser seinen Todeskampf ertrug. Das ihm verliehene Amt sah Kaiser Karl als Auftrag und Aufgabe die ihm von Gott geschenkt wurde. Das bedeutete keineswegs eine Legitimation willkürlicher Machtausübung, sondern die unbedingte Pflicht, gerade auch in dieser hohen Position Christus, dem einzigen wahren König, nachzufolgen und sein Beispiel nachzuahmen. Das sei auch heute ganz besonders unseren Politikern gesagt. Daher traf Karl keine wichtige Entscheidung ohne Gebet. Eine innige Verehrung der Eucharistie und des heiligsten Herzen Jesu (beide Symbol und Ausdruck der hingebungsvollen Liebe Gottes) gab dem Kaiser Halt und Orientierung. Diesen Auftrag konnte Kaiser Karl daher einfach nicht zurücklegen. Eine Abdankung hätte ihm (wie Kaiser Wilhelm II.) Reichtum und Bequemlichkeit gesichert. Karl nahm Elend, Not und Todesleiden (das er sich mit etwas Vermögen gewiss nicht zugezogen hätte) auf sich, um seiner Aufgabe treu zu bleiben und im Dienst für die ihm anvertrauten Völker Christus nachzufolgen. Karl und Zita führten eine vorbildliche Ehe. In Offenheit und Vertrauen besprach der Kaiser alle wichtigen Angelegenheiten mit seiner Gemahlin, die voller Respekt für seine Verantwortung und Autorität war. Der leidenschaftlich-lebendige Charakter der Kaiserin und das ruhig-bedachte Wesen des Kaisers ergänzten sich in gegenseitiger Wertschätzung auf liebevolle Weis. In elf Ehejahren wurden dem Paar acht Kinder geschenkt. Das gerade auch bezüglich des Familienlebens überaus sorgfältig geführte Seligsprechungsverfahrens hat das tadellose Verhalten Kaiser Karls als Ehemann restlos erwiesen.

Die letzten Worte, die Karl an seine Frau richtete, lauteten: „Ich liebe dich unendlich.“ Kaiser Karl bemühte sich persönlich um die religiöse Erziehung seiner Kinder, machte sie mit den Glaubenswahrheiten vertraut und führte sie alle ins Gebet ein. Karl lebte in einer lebendigen Praxis des Gebets. Seine grundlegende Haltung war die des Gebets: bewusst vor Gott stehend, dessen Willen suchend und ihm alles anvertrauend. Von Kindheit an begleiteten betende Menschen das Leben Karls. Über seinen Tod hinaus betet die Gebetsliga im Sinne Kaiser Karls und begleitet von seiner Fürsprache für den Frieden der Völker, das eigentlich aktueller ist denn je.

Dieses Vertrauen auf die allmächtige Güte Christi erreichte auf Madeira seine Vollendung. Karl hoffte im Herzen seines Meisters die ersehnte Ruhe zu finden, in jenem Herzen, das immer seine Zuflucht, sein Vertrauen, seine absolute Hoffnung gewesen war. Er betete täglich den Rosenkranz und die drei Litaneien: zum Heiligsten Herzen Jesu, die Lauretanische Litanei und die Litanei vom heiligen Joseph; ferner das Te Deum und Psalm 90 (91). Immer hörte man, wie er in seiner Todeskrankheit das Herz Jesu anrief. Seine Kinder empfahl er einzeln und namentlich der Liebe des Göttlichen Herzens. Unter dem Kopfpolster des Todkranken lag ein Herz-Jesu-Bild, und immer wieder küsste er dieses Bild, wenn es ihm an die Lippen gehalten wurde. Am Morgen des 31. März 1922, als Gräfin Mensdorff den Sterbenden umbettete, hörte sie dessen Worte: Es ist doch gut, dass es ein Vertrauen auf das Heiligste Herz Jesu gibt. Sonst wäre das alles nicht zu ertragen. Und eines seiner letzten Worte an seine Gemahlin war gewesen: Im Herzen Jesu werden wir uns wiedersehen!

Am 1. April 1922, um 12:23 Uhr, ging er hinüber. Sein allerletztes Wort hatte diesem seinem Herrn gegolten: O mein Jesus! Amen

Für Frieden und Gerechtigkeit in den Familien und zwischen den Völkern

Viele Gläubige waren heute zu diesem festlichen Akt aus dem ungarischen Nachbarland angereist, um den seligen König von Ungarn zu ehren, den die Kirche mit der Seligsprechung besonders den Familien als beispielhaften Ehemann und Vater vor Augen gestellt hat. Seine Lebensbeschreibungen sind lesenswert. Sein heiligmäßiges Sterben zeigt seine tiefe Gottverbundenheit auf und ist uns Wegweiser in die Ewigkeit. Mit Kaiser Karl hat die Kirche, besonders die österreichische Kirche, einen wundervollen Schatz, der Familien wie Staatsmännern gleichermaßen viel zu sagen hat.

Einen kurzen Artikel über den heutigen Abend finden Sie auch auf der Website der Gebetsliga, die weitere betende Mitglieder in diesem wichtigen Anliegen um den Frieden unter den Völkern sucht – in Österreich und in Ungarn.

Gebetsliga A4 Flyer

Wir dürfen wieder zum nächsten Abend der Barmherzigkeit einladen, der am 07. August in gewohnter Weise stattfinden wird. Kommen Sie zahlreich, um mit uns die Barmherzigkeit des Herrn zu preisen und zu empfangen!

Das Herz des Erlösers steht weit offen

 

Gott möchte uns helfen und in unser Leben, ja sogar in das Geschick der Völker eingreifen, aber er erwartet dazu auch unsere Bitte, unser Eintreten vor ihm für unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse sowie für die Anliegen unserer Brüder. „Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.“ (Lk 11,9), mahnte Jesus, als er die Menschen zum vertrauensvollen Gebet ermutigte.

Ebenso darf auch der Dank nicht fehlen, denn wie viel Gutes, wie viel Gnade und Segen hat der Herr nicht schon geschenkt, oft noch bevor wir darum gebeten haben? Die Verehrung des Herzens Jesu will uns die Einfachheit des Gottessohnes wieder entdecken lassen. In Jesus dürfen wir unserem Herzensfreund begegnen. Mit ihm können wir uns von Herz zu Herz aussprechen.

Das ist ja gerade das Schöne am Christentum: Wir haben einen herzlichen Gott, der unsere Nähe sucht, dem unser „Herzeleid“ vertraut ist. Der nicht hoch über uns thront und auf uns in höfischer Weise herabsieht, sondern der uns an sein Herz zieht und sagt: „Ich will euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28) Und in dieser Ruhe erfahren wir das, wonach jeder Mensch sich ausstreckt: Liebe, Erbarmen, Geborgenheit, Heimat.

Predigt vom Abend der Barmherzigkeit

Pfarrer Mag. Guido Martirani

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, liebe Mitbrüder!

Schön, dass sie heute da sind, um Gott zu loben und zu preisen. Es ist heute oft die Rede von Freude. Gott hat Freude, wenn wir ihm begegnen. Gott freut sich, wenn wir erkennen, wie groß er in seiner Liebe ist. Gott hat Freude, haben wir gehört, wenn ein Sünder erkennt, dass Gott ihn liebt, dass Gott bei ihm ist. Die Freude des Himmels ist groß, wenn die Menschen erkennen, dass sie geliebte Kinder Gottes sind. So ist die Kirche bemüht, den Menschen zu begegnen, die Menschen zu suchen, im Auftrag des Herrn. Im Namen Jesu ist die Kirche bemüht, die Menschen zu begeistern. Wir sind eben die erwählten Kinder Gottes. Wir sind die, die Gott erwählt hat.

Jeder Einzelne von uns, ist irgendwann einmal von Gott tief berührt worden. Ganz tief berührt worden. Er hat zu jedem Einzelnen von uns ins Herz gesprochen. Bei dem Einen war es vielleicht vor ein paar Monaten das erste Mal, bei den Anderen vielleicht vor 50-60 Jahren. Aber Gott hat sich offenbart, hat gesprochen, in deinem Herzen, und dann war die Begeisterung da. Erinnert ihr euch noch an die Begeisterung von damals? Wer kann sich nicht erinnern, wie Gott ihn das erste Mal im Herzen berührt hat? Und das, wir haben es auch im Evangelium gehört, war die Begeisterung des ganzen Himmels! Mit dem Dreieinigen Gott, mit dem Allmächtigen, haben sich alle gefreut. Es wird sogar betont, dass sich die Engel gefreut haben an diesem Tag. Jetzt können wir uns vorstellen: Die Engel waren ganz glücklich, als wir Gott erkannt haben und ihm begegnet sind. Das war ein Augenblick! Das war eine Freude! Und an dem Tag, wisst ihr noch, an dem Tag haben wir dann gesagt: „Also, für Gott machen wir alles!“ Wisst ihr noch? Und viele liebe Schwestern von hier haben gesagt: „Wir machen alles für Gott!“ Ihr habt euch ganz Gott hingeschenkt und gesagt: „Mein Herr und mein Gott!“ Aber auch Ihr, in anderer Form und Weise, in der Ehe, Ihr habt auch ganz zu Gott ja gesagt. Ich will alles machen für den Herrn! Ich werde die Welt umreisen. Vielleicht haben das einige gesagt. Ja? Ich auch! Aber am Anfang, weil Gott so nah ist, denkt man; Mit Gott kann man die Welt umreisen! Glaubt ihr das? Mit Gott kann man die Welt umreisen. Doch für uns haben die Schwestern heute etwas mitherein gebracht: Ganz viel Gold, aber der Inhalt ist kostbarer als Gold (Reliquien).

… Das sind Heilige, das sind die, die eben Gott erfahren haben, und dann am Anfang bei ihrer Bekehrung gesagt haben: „Mit Gott reisen wir durch die Lande! Mit Gott werde ich große Taten vollbringen! Mit Gott will ich kämpfen, mit Gott werden alle Heiligen, alle Engel, auf meiner Seite sein und sie freuen sich auch jetzt schon, über meine Bekehrung.“ Sie haben an dieser Freude, an diesem Glauben festgehalten und haben eben versucht, nie zu zweifeln. Ist den Heiligen wahrscheinlich auch nicht immer gelungen, sie haben gebeichtet, Gott hat sie wieder aufgerichtet und dann sind sie immer weiter gegangen. Na, das lass ich mir – wie die Steirer sagen – vom Teufel nicht nehmen. Na diese Freude gebe ich dem Teufel nicht, dass er mir diese Freude nimmt, dass er mir den Glauben nimmt, dass ich mit Gott alles erreichen werde und alles gut wird. Diese List, diese Versuchung kommt sofort. Glaubst du wirklich, dass du jetzt Gott begegnet bist, dass sich da der ganze Himmel gefreut hat? Aber da kommt gleich die andere Stimme: Der freut sich ja nicht, geh nach Hause, sperr dich ein, was willst du denn? Diese List kommt ja sofort. Aber nein! Nein, wir wollen diese List durchschauen. Nein, das lass ich mir nicht nehmen.

Nehmt mir alles, die Häuser, den Garten, alles, nehmt das Geld, …, aber nicht meinen Glauben! Nicht den Glauben! Denn der ist ja das Wichtigste! Der Glaube, der uns geschenkt worden ist, gerade an dem Tag, an dem Gott uns berührt hat und begegnet ist, und gesagt hat: „Mit dir will ich was machen. Mit dir! Genau so, wie du bist, mit deinen Fähigkeiten, mit deinen Begabungen. Und wenn dir etwas fehlt, der Heilige Geist gibt dir alles.“ Mit Gott sind wir stark. Denn unser Ziel ist die Heiligkeit. Auch wir sind berufen zur Heiligkeit. Und heute geht es hier auch um die Heiligenverehrung. Und glaubt mir, dass ist eine falsche Heiligenverehrung, wenn man sagt: „Mei, ihr Heiligen, ich werfe mich nieder vor euch, bitte verzeiht mir meine negativen Eigenschaften, aber schön, dass ihr so heilig ward, dann brauch ich mich nicht so dringend bemühen.“ Wir müssen diese Heiligkeit selbst im Gebet erreichen. Die Heiligen sind dafür unsere Vorbilder.

Heiligkeit ist unser Ziel

Wir müssen sagen: „Auch wir wollen das.“ Unsere Lieblingsheiligen sind oft die, die uns vielleicht weiter führen möchten, dorthin wo sie auch waren. Das ist kein Hochmut, wenn man sagt: „Ich will auch werden wie der oder wie die!“ Nicht wie die falschen Frömmler: „Mei, du Heiliger so und so, du warst halt ein großer Heiliger…aber ich…“ – das ist falsche Demut, falsche Heiligkeit! Das gibt’s. Der Mensch ist auf einem guten Weg, der sagt: „Dieser Heilige ist mein Vorbild, diese Liebe, diese Beziehung, will ich auch haben mit Gott, mit den Mitmenschen, dieses Ziel will ich erreichen. Ein Heiliger ist ein Ziel vor Augen!

Kurzer Themenwechsel, bitte. Wisst ihr, was ich gemacht habe, als ich heute hier her gefahren bin? Bevor ich hergekommen bin, war ich im Stall und habe ein Kalb gesegnet. Ein Kalb, lieb, frisch. Der Bauer hat gesagt: „Segne unser Kalb!“

Ich hätte sagen können: „Pah, ein Kalb segnen gehen …ich habe Heiligeres zu tun … ich gehe heute zum Abend der Barmherzigkeit!“ Aber nein, ich bin zum Bauern gefahren und habe das Kalb gesegnet und auch den Stall. Und ich bin von diesem Einsatz so erfüllt weggegangen! Also echt, ich habe ein Kalb gesegnet und den Hof und den Bauern … und der Bauer war so glücklich! Man hat richtig gemerkt, wie Gott, auch in dieser einfachen Sache wirkt, und da hab ich mir gedacht: „Schau, auch das ist in den Augen Gottes etwas Großes: Einfache Leute, einfache Tiere, die Segnung eines Kalbes. Und Gott wirkt!“

Reliquien

Aber jetzt wieder zurück zum Thema: Reliquien ersten Grades sind Teilchen eines Heiligen. Also ein Mensch, der eben so gelebt hat, wie wir vorhin gesagt haben, mit Feuer und Begeisterung, der es gewagt hat, alles mit Gott zu machen, bis ans Ende, bis ans Sterbebett und dort auch nicht gezweifelt. Und alle waren begeistert, über sein großes Vorbild. Schon zu Lebzeiten war die Begeisterung da im Volk. Und viele haben dann als der gestorben ist, gesagt: „Der muss heiliggesprochen werden. Der muss sofort ein Heiliger werden, das war ein großartiger Mensch. Der hat mit Gott gelebt.“

Natürlich, die Kirche sagt: „Ja, begeistert sind sie gleich einmal, für irgendjemanden!

Aber das muss geprüft werden!“ Zu Recht! Streng! Und dann wird das Leben dieses begeisterten Heiligen streng geprüft. Viele Leute werden befragt, es wird gebetet, und am Ende dieser Prüfungszeit heißt es dann: „Der ist wirklich heilig!“

Das dauert viele Jahre. Dann wird er offiziell heiliggesprochen. Zuvor wird er seliggesprochen. Dann werden Reliquien entnommen. Dabei nimmt man ein Stück vom Körper des Heiligen, oft sind es Knochen, und macht kleine Teilchen daraus, die in eine Kapsel eingepackt gut aufbewahrt werden. Es wird ein Dokument ausgestellt, dass es wirklich ein Teilchen dieses Heiligen ist. Das sind die Reliquien ersten Grades. Reliquien zweiten Grades stammen vom Gewand, das der Heilige angehabt hat oder berührt hat, oder von etwas, das ihm gehört hat. Das sind Reliquien zweiten Grades.

Auf diesem Dokument, das die Echtheit der Reliquie bestätigt, steht darauf, dass diese Reliquien öffentlich in einer Kirche oder Kapelle verehrt werden sollen, denn die Heiligen haben schon die Begeisterung Gottes gehabt, die Liebe Gottes, die Freude Gottes!

Und jetzt werden die Reliquien hier bald zur Verehrung in eine Vitrine gegeben, weil diese Heiligen jene sind, die die Liebe Gottes erfahren haben und die Menschen mitbegeistert haben, die vorbildlich gelebt haben. Diese Heiligen sind durch dieses Reliquienstückchen, ganz im Glauben betrachtet, zu 100% da und treten für uns ein. Sie sind Vorbilder, erreichbar im Glauben, aber auch Mittler der Gnade, denn sie sind jetzt schon bei Gott. Sie vermitteln uns die Gnaden, sie vermitteln uns Charismen, sie sprechen mit uns, sie kommunizieren mit uns, sie wollen uns nahe sein. Sie sind unsere Freunde!

Fronleichnamssequenz

1. Deinem Heiland, deinem Lehrer,
deinem Hirten und Ernährer,
Sion, stimm ein Loblied an!
Preis nach Kräften seine Würde,
da kein Lobspruch, keine Zierde
seinem Ruhm genügen kann.
2. Dieses Brot sollst du erheben,
welches lebt und gibt das Leben,
das man heut‘ den Christen weist.
Dieses Brot, mit dem im Saale
Christus bei dem Abendmahle
die zwölf Jünger hat gespeist.
3. Laut soll unser Lob erschallen
und das Herz in Freude wallen,
denn der Tag hat sich genaht,
Da der Herr zum Tisch der Gnaden
uns zum ersten Mal und geladen
und dies Mahl gestiftet hat.
4. Neuer König, neue Zeiten,
neue Ostern, neue Freuden,
neues Opfer allzumal!
Vor der Wahrheit muss das Zeichen,
vor dem Licht der Schatten weichen,
hell erglänzt des Tages Strahl.
5. Was von Christus dort geschehen,
sollen wir fortan begehen,
seiner eingedenk zu sein.
Treu dem heiligen Befehle
wandeln wir zum Heil der Seele
in sein Opfer Brot und Wein.
6. Doch wie uns der Glaube kündet,
der Gestalten Wesen schwindet,
Fleisch und Blut wird Brot und Wein.
Was das Auge nicht kann sehen,
der Verstand nicht kann verstehen,
sieht der feste Glaube ein.
7. Unter beiderlei Gestalten
hohe Dinge sind enthalten,
in den Zeichen tief verhüllt.
Blut ist Trank, und Fleisch ist Speise,
doch der Herr bleibt gleicherweise
ungeteilt in beider Bild.
8. Wer ihm nahet voll Verlangen,
darf ihn unversehrt empfangen,
ungemindert, wunderbar.
Einer kommt, und tausend kommen,
doch so viele ihn genommen,
er bleibt immer, der er war.
9. Gute kommen, Böse kommen,
alle haben ihn genommen,
die zum Leben, die zum Tod.
Bösen wird er Tod und Hölle,
Guten ihres Lebens Quelle,
wie verschieden wirkt dies Brot!
10. Wird die Hostie auch gespalten,
zweifle nicht an Gottes Walten,
dass die Teile das enthalten,
was das ganze Brot enthält.
Niemals kann das Wesen weichen,
teilen lässt sich nur das Zeichen,
Sach‘ und Wesen sind die gleichen,
beide bleiben unentstellt.
11. Seht das Brot, die Engelspeise!
Auf des Lebens Pilgerreise
nehmt es nach der Kinder Weise,
nicht den Hunden werft es hin!
Lang im Bild war‘s vorbereitet:
Isaak, der zum Opfer schreitet;
Osterlamm, zum Mahl bereitet;
Manna nach der Väter Sinn.
12. Guter Hirt, du wahre Speise,
Jesus, gnädig dich erweise!
Nähre uns auf deinen Auen,
lass uns deine Wonnen schauen
in des Lebens ewigem Reich!
Du, der alles weiß und leitet,
uns im Tal des Todes weidet,
lass an deinem Tisch uns weilen,
deine Herrlichkeit uns teilen.
Deinen Seligen mach uns gleich!