Statue der Gottesmutter
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Festansprache zum 150-jährigen Bestandsjubiläum

M. Oberin Marianne Schuh CCIM

Exzellenz, sehr geehrter Herr Bischof, geehrter Herr Propst, sehr geehrter Herr Spiritual und alle anwesenden Priester, Herr Landesrat, liebe Mitschwestern, sehr geehrte Gäste!

Mit großer Freude dürfen wir heute, genau am Tag vor 150 Jahren als unsere Gründerin, Mutter Barbara Sicharter, mit einer Freundin von Wenigzell nach Vorau gekommen ist, unsere Feier begehen. Das möchten wir zum Anlass nehmen um Nachzudenken, was eine Ordensgründung für uns heute bedeuten könnte.

Wir dürfen davon ausgehen, dass jede Gründung Frucht und Ausfluss der Göttlichen Liebe, seines Erbarmens zu uns, ist. Seine Liebe sorgt sich um jede Generation. Immer will er erlösen und retten. Man dürfte daher nicht sagen, dass diese oder jene Gemeinschaft heute überflüssig sei, nicht mehr benötigt werde. Gott braucht immer Menschen, die sich ihm ganz und vorbehaltlos überlassen, um die Menschheit zu sich heimzuholen. Man muss sich aber immer wieder fragen, was Gott mit dieser Gründung heute vorhaben könnte. Das ist unser Auftrag heute: das Gründungscharisma neu und tiefer verstehen lernen.

Wie bei unserer Mutter Gründerin ist das ein Weg des Vertrauens auf Gott, wenn wir treu sind im Zeugnis als gottgeweihte Menschen, Gott zuerst und Gott allein, wie es Teresa von Avila formulierte, dann dürfen wir damit rechnen, dass er, unser Gott, helfend eingreifen und uns voranbringen wird. Dann erfahren wir neu, dass wir nicht nur für uns selbst berufen sind, sondern, wie Papst Benedikt der XVI. als junger Professor es einmal ausgedrückt hat: „Gott benützt die Wenigen, die Gläubigen, gleichsam als den archimedischen Punkt, von wo aus er die Vielen aus den Angeln hebt, als den Hebel, mit dem er sie zu sich zieht“.

Berufung zum geweihten Leben bedeutet ein Hineingenommen Sein in die Stellvertretung Christi und so ist uns in ihm und in der Kirche das Heil der ganzen Welt aufgetragen. Darin liegt auch das Geheimnis der geistlichen Mutterschaft, die für uns wichtig ist. Denn für jeden Menschen ist es bedeutsam, dass sein eigenes unverwechselbares Leben fruchtbar ist, dass etwas davon in die Zukunft weisend, das Individuum überleben möge und bleibend sei.

Das geschieht bei zölibatär lebenden Menschen, indem sie sich unter anderem, als Einzelne und als Gemeinschaft, gehorsam dem Dienst hingeben, der ihnen anvertraut worden ist, so wie unsere Mutter Gründerin gleichsam als kleines Samenkorn mit der Betreuung von Armen, Kranken und alten Menschen begonnen hat, so wie sie auch auf andere Nöte ihrer Zeit reagierte z.B. mit Hauskrankenpflege oder dass sie verwaiste Kinder aufgenommen hat.

„Ad multos anno – für noch viele Jahre!“

Gott hat den bescheidenen Dienst unserer Mutter Gründerin gesegnet, denn daraus wurde im Laufe der Geschichte das heutige moderne Krankenhaus. Eine geistliche Berufung führt immer zur Erneuerung der Kirche, wenn sie angenommen wird, so formulierte es heuer Diözesanbischof Dr. Küng bei einer Ansprache. Unsere Mutter Barbara hat mit ihrer Gründung für diese Region eine Hoffnung gebracht bis in unsere Zeit. So möchten auch wir Schwestern heute weiter handeln, nämlich alle Menschen die mit uns in Berührung kommen, in Gott hineinzuheben, durch unser Gebet, durch unser Leben und durch unseren Dienst. Jedes Zeitalter braucht Menschen, die den Himmel offen halten, ob durch ihre Aktivitäten oder durch ihre Leiden oder ihr Gebet. Alles ist kostbar vor Gott.

So möchte ich einen tiefen Dank unserem emeritierten Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari aussprechen, für die Feier des heutigen Gottesdienstes und für seine Unterstützung und Hilfe in schwierigen Zeiten unserer Gemeinschaft. Gott vergelte ihnen alles. Wir danken auch unseren Wohltätern, besonders Dr. Wiesflecker für die unentgeltliche Erstellung der Festschrift. Einen Dank an alle, die jemals diesem Haus und der Schwesterngemeinschaft Gutes erwiesen haben. Ein „Vergelt´s Gott“. Besonders danken möchte ich dem Stift Vorau, das von Beginn der Gründung an für die Schwestern große Bedeutung hatte. Ein „Vergelt´s Gott“, für die Bereitschaft  bei uns die Heiligen Messen zu feiern und alle anderen Sakramente zu spenden. Danke für alles Gute, das unserem Haus von den Priestern des Stiftes Vorau im Verlauf dieser 150 Jahre zugekommen ist. „Vergelt´s Gott“ für alles.

Hier möchte ich auch den Dank an alle Priester anschließen, besonders an unseren Spiritual, die uns immer wieder helfen. Ebenso danke ich heute allen Vorgesetzten und Mitarbeitern für ihren Einsatz in unserem Haus. Ganz bewusst möchte ich mich zum Schluss meiner Rede zum 150-Jahrjubiläum an Sie, liebe Mitschwestern, wenden, denn ohne Sie, ohne Ihren treuen und oft aufopferungsvollen Dienst, ohne Ihr Beten und Durchhalten, wären wir heute nicht hier. Gemeinsam haben wir Freude und Leid geteilt und das Erbe unserer Mutter Gründerin durch die Zeit getragen.

In diesem uns von der Kirche geschenkten Jahr des geweihten Lebens kehren wir noch bewusster zum Charisma unserer Mutter Gründerin zurück, entdecken die Quelle neu, aus der wir schöpfen. Es ist unser Blick auf Maria, die unbefleckt empfangene Mutter unseres Herrn und Erlösers, dir uns immer wieder den Horizont geöffnet hat und öffnet. In ihrer Unbefleckten Empfängnis erkennen wir die unverstellte Würde eines jeden Menschen, der in den Augen des Schöpfers immer kostbar ist. Dieser gottgeschenkten und unveräußerlichen Würde und Kostbarkeit jedes Menschen dienen wir mit der ganzen Kraft unseres Herzens zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen. Liebe Mitschwestern lassen Sie es sich heute sagen: Sie, jede Einzelne von Ihnen, ist wertvoll in den Augen des Herrn, in den Augen seiner Mutter. Es ist gut und schön, mit Euch in dieser Gemeinschaft Christus nachzufolgen. „Vergelt´s Gott“ für alles! „Vergelt´s Gott“, für Ihre Treue! Und so bleibt mir nur noch zu sagen: „Ad multos anno – für noch viele Jahre!“

Predigt vom Festgottesdienst zum 150-Jahrjubiläum

Em. Diözesanbischof DDr. Egon Kapellari

Liebe hier versammelte Christen, Brüder und Schwestern!

„Denke an die Tage der Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte“, diese Mahnung des Moses an sein erwähltes Volk, steht auch als Leitwort über einem großen Jubiläum der Kongregation der Vorauer Marienschwestern. Der hier und heute aufgetragene Rückblick bezieht sich auf den Tag genau auf 150 Jahre der Geschichte dieser Gemeinschaft, der die Kirche und Zivilgesellschaft in der Steiermark besonders viel zu danken haben.

Am 30.05.1865 hat die überaus bescheidene und fromme Barbara Sicharter gemeinsam mit ihrer Freundin Agnes Wasserbauer, einen mutigen Schritt in eine damals ungewisse Zukunft hineingewagt. Sie hat damit das Fundament für die Gemeinschaft der Vorauer Marienschwestern gelegt und wurde vom Vorauer Chorherren Karl Englhofer unterstützt und begleitet. Die Geschichte des Stiftes mit ihnen hat damit begonnen und ist bis heute fortgesetzt worden und wird sich weiter fortsetzen. So bitten wir, so hoffen wir.
Was damals im sogenannten „Tonihäusl“ und später auch im Strobl Häusl, ein ähnliches Bauwerk hier in Vorau, wie ein kleines Samenkorn begonnen hat, ist seither zu einem stattlichen Baum herangewachsen, einem stattlichen Baum der viele gute Früchte hervorgebracht hat und täglich neu hervorbringt.

Die armen und frommen Frauen rings um Barbara Sicharter wollten ihr Leben in den Dienst einer radikalen Gottes und Nächstenliebe stellen. Kurz nachdem die Gemeinschaft entstanden war, hat eine unheilbar erkranke Frau sie darum gebeten, für sie zu sorgen. Bald besuchten diese Frauen auch Kranke in ihren Häusern. Viele Menschen die bei den Schwestern Hilfe suchten und fanden, waren materiell und spirituell sehr arm. Die Vorauer Marienschwestern, die wegen ihrer Kleidung auch bald schon als blaue Schwestern bezeichnet wurden, bemühen sich seit damals Notleidenden durch einen Spitals- und Hauskrankendienst zu helfen. Ihr Handeln war dabei immer auch ein Versuch, den armen und barmherzigen Christus nachzuahmen.

Christus ist ja, wie Paulus im 2. Korintherbrief sagt, um der Menschenwillen arm geworden, um den Menschen dadurch ein neues Leben zu eröffnen.  Papst Benedikt XVI. hat seiner ersten Enzyklika den Titel „Gott ist Liebe – Deus caritas est“ gegeben und Papst Franziskus hat das Thema Barmherzigkeit zu einem der Leitworte seines Pontifikates und auch zum Leitwort des heuer beginnenden außerordentlichen Heiligen Jahres gemacht: Barmherzigkeit. Unser künftiger Diözesanbischof Wilhelm hat den Titel der genannten Enzyklika „Deus caritas est“ ins Deutsche übersetzt, in der Zeit der Volkssprache „Gott ist Liebe“ oder auch lateinisch als seinen Wahl und Wappenspruch gewählt.

Ein Tag der Freude und des Dankes

Liebe hier versammelte Christen, Brüder und Schwestern! Die Vorauer Schwestern tragen den Namen „Kongregation der Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis Mariens“, das heißt: sie haben eine besonders marianisch geprägte Spiritualität. Maria wird in christlicher Tradition ein Mensch voll der Gnade genannt. In jedem Ave Maria Gebet ist davon die Rede, wir haben das selber schon 1000 Mal nachgesprochen, das Wort des Engels. Die Kirche macht sich hier die Worte des Erzengels Gabriel aus dem Lukasevangelium zu Eigen, der gesagt hat: „Sei gegrüßt du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir“. In Maria hat sich ein neuer Anfang ereignet, bildhaft geredet, ein Stück Paradies inmitten der Welt. Sie hat an das Wort Gottes in der Botschaft des Engels geglaubt und dazu ein fundamentales Ja, ein Fiat, gesprochen. Dieses kleine Wort „Ja“ ist eines der kürzesten und zugleich wichtigsten Wörter unserer Sprache. Wir können damit alles aussagen, was wir sind und was wir haben. Dieses Ja war die große tragende Achse im Leben der Mutter Christi. Es hat die großen Stationen dieses Lebens verbunden. Von Nazareth bis nach Betlehem, von Kana in Galiläa bis nach Jerusalem, wo sie unter dem Kreuz Christi verharrte und wo sie ihm in Jerusalem als Auferstandenen in einem Garten begegnete und wo sie zu Pfingsten im Abendmahlssaal zusammen mit der christlichen Urgemeinde vom Heiligen Geist ergriffen wurde. Sie hat dieses Ja, dieses Fiat, – sie hat nicht Latein gesprochen, aramäisch wahrscheinlich – zu Gottes Ratschlüssen durchgehalten, auch wenn diese Ratschlüsse dunkel waren. Sie hat es durchgetragen als schmerzhafte Mutter zumal am Karfreitag. Zu anderen Zeiten war sie aber auch eine freudenreiche Mutter.

Als Evangelium des heutigen Gottesdienstes haben wir eben die Erzählung über eine Hochzeit im Dorf Kana in Galiläa gehört. Beim dortigen Festmahl war der Wein ausgegangen. Maria, die davon erfahren hatte, sagte zu Jesus, den sie kannte und auch nicht kannte, ein Geheimnis, ein unauslotbares Geheimnis schon damals: „Sie haben keinen Wein mehr“. Diese Aussage wurde und wird seither in der Geschichte der Kirche, aber auch der ganzen Menschheit, immer wieder mit anderen Worten oder mit gleichen Worten aktuell, wenn es nicht bloß um einen Mangel an Wein, einem Grundnahrungsmittel, sondern um einen Mangel an Sinn, einem Mangel an Lebensenergie, an einer Perspektive, die die Zukunft weist, geht. Jesus hat wie das Evangelium erzählt, die Not in Kanaan gewendet. Notwendend war er gewesen und sein erstes Wunder, ein verwandelndes Wunder, hat er dort vollbracht. Das Johannesevangelium erzählt sechs Wunder, manche Deuter, symbolerkennend, wollen daraus ableiten, dass das siebente Wunder die Auferstehung war. Aber das ist nicht notwendig, das so zu fassen, aber sehr plausibel. Generaldiagnostisch gilt bezogen auf die ganze Zivilgesellschaft weltweit und auch die Kirche weltweit und auch in unserem Land, immer wieder die Ansage: „Sie haben keinen Wein mehr“.

Im Eingangslied einer bekannten Schubertmesse singen wir: „Wohin soll ich mich wenden wenn Not und Gram mich drücken“. Das Lied nennt dann auch gleich Gott als den, der Not wenden kann. Weltweit sind die Kirche und die Christenheit im Ganzen, freilich ohne jeden Monopolanspruch, auch heute so etwas wie eine Großmacht der Barmherzigkeit, in ihrer Zuwendung zu unzähligen Kranken an Leib und Seele. Ich nenne hier nur Beispielsweise Welthorizont. Die Erkrankung an Lepra und an Aids. In der Zuwendung auch zu Hungernden und zu Flüchtlingen. Wir tun immer zu wenig, aber wir tun nicht nichts als Christenheit. Wir tun uns nicht vergleichen, arrogant und eitel, aber wir wollen uns nicht dabei verstecken. Zuwendung zu Hungernden und Flüchtlingen und auch in der Bereitschaft weg- und sinnsuchenden Menschen, auch Gottsuchern und Zweiflern, vor schwierigen Lebensschwellen zu helfen. So geben die Christenheit im Ganzen und die Katholische Kirche unzähligen Menschen die eine helfende Hand oder ein Herz wie eine Heimat suchen, eine solche Heimat, obwohl auch die Kirche und die Christenheit von der allgemeinen Labilität der Gesellschaft sehr mitbetroffen sind. Inmitten dieses globalen und kontinentalen Panoramas, sind das Krankenhaus und das Kloster der Vorauer Marienschwestern und die Gemeinschaft dieser Schwestern mit allen, die ihnen dabei helfen, so etwas wie ein erfrischendes Biotop. Viel Herzkraft verbindet sich hier, mit viel Kraft des Denkens und mit viel angewandter praktischer Vernunft. Für all das möchte ich, als bis vor kurzem diese Diözese leitender Bischof, heute herzlich danken.

Ein Dank den Schwestern, den Ärzten, allen andern im Kranken- und Pflegedienst hier tätigen Frauen und Männern, besonders auch den Damen und Herren, die in Politik und Medien tätig, den Vorauer Marienkrankenhaus solidarisch verbunden waren oder heute solidarisch hilfreich sind. Über all das hinaus gilt mein Dank aber dem Dreieinigen Gott, der den Schwestern in den 150 Jahren des Bestehens ihrer Gemeinschaft unter dem Schutz Mariens, der Mater misericordiae, Mutter der Barmherzigkeit, immer neue Kraft zur Erfüllung ihres Auftrags gegeben hat. Ich freue mich auch hier anmerken zu können, dass ihre Gemeinschaft mit neuen Berufungen gesegnet ist. Und das ist auch ein Grund zur Freude, ich freue mich da mit. Auch die anderen Gemeinschaften, die derzeit diese Berufungen nicht haben, freuen sich mit, wir sitzen alle auf einem Schiff. Dieser Dank verbindet sich mit der Bitte, es möge auch in Zukunft so sein, eine Bitte an Gott, die zugleich ein inständiges Gebet ist. Amen

Predigt vom Professjubiläum zu Christi Himmelfahrt Propst Mag. Gerhard Rechberger

Liebe Jubelschwestern, liebe ehrwürdige Schwestern, Schwestern und Brüder! Es ist wohl ein guter Brauch, gerade am Christi Himmelfahrtstag die Professjubiläen zu feiern, weil die Texte, Lesung und Evangelium, sehr gut auch zu diesem Jubiläum passen.

Wenn wir das Fest Christi Himmelfahrt feiern, so ist das dieses wohl schwer beschreibbare und unbegreifliche Geheimnis, was die Jünger erfahren haben, dass Jesus nach der Auferstehung eine Zeit lang erschienen ist und unter ihnen war. Und irgendwann war diese Zeit aber in dieser Form vorbei. Dann haben sie Jesus vor allem im Brotbrechen, in der Eucharistie, erfahren, dass er unter ihnen ist. So, wie wir das heute erfahren dürfen.

Der Evangelist Lukas hat diese Zeit bis zur Geistsendung auf 50 Tage beschrieben. 40 Tage nach Ostern ist die Himmelfahrt Christi. Das feiern wir heute. Und in zehn Tagen werden wir Pfingsten feiern, die Herabkunft des Heiligen Geistes. Er hat das auf diese 50 Tage so aufgeteilt.

Beim Johannesevangelium ist das anders: Da ist eigentlich das Oster- und Pfingstgeheimnis in Einem beieinander. Da heißt es: Am Ostertag, am ersten Tag der Woche, trat Jesus in ihre Mitte, sprach den Friedensgruß und sagte: Empfangt den Heiligen Geist. Da ist also schon diese Mitteilung des Geistes beschrieben.

Und wenn das die Evangelisten alle nicht ganz gleich beschreiben, ist das wohl ein Hinweis darauf, dass wir dieses unbegreifliche Geheimnis Gottes immer nur in Bildern beschreiben können. Und trotzdem ist das eine Wirklichkeit, die auch uns gilt.

Und in den heutigen Texten haben wir drei Dinge besonders hervorgehoben gehört. Einerseits die Zusage des Geistes, dass sie den Geist Gottes empfangen, andererseits der Auftrag, dass sie Zeugen dieser Botschaft sein sollen für Jesus Christus und drittens, dass ihr Zeugnis durch Zeichen bestätigt und bekräftigt wird.

Zunächst diese Zusage: Der Geist Gottes wird euch gegeben. Dieser Geist, der euch bekräftigt, der euch ermutigt. Aber dieser Geist ist auch der, der Einheit schafft, so wie wir es heute in der zweiten Lesung gehört haben. Dieser eine Geist sagt, dass wir berufen sind zur einen Taufe, zu diesem einen Glauben, zu diesem einen Dienst in der Kirche.

Es ist wohl diese Zusage, die auch uns gegeben ist, dass auch uns dieser Geist Gottes geschenkt wurde, besonders in der Taufe und in der Firmung. Und wir wissen, jeder einzelne Mensch ist wieder verschieden. Und das ist gut so.

Der frühere Bischof von Innsbruck, Dr. Reinhold Stecher, hat einmal gesagt: Die Kirche soll ja nicht so eine Monokultur sein, wo alle gleich geschoren werden, sondern wie eine bunte Bergwiese mit verschiedenen Blüten und Gräsern. So verschieden sind die Menschen. Das macht diese Kirche auch so reich, so bunt, so erfüllt vom Geist Gottes.

Aber natürlich ist es wichtig, dass in dieser Buntheit nicht jeder Einzelne gerade das tut, was ihm gefällt, sondern, dass das in einer Gemeinschaft geschieht, dass die Einheit bewahrt wird, dass wir in dieser einen Taufe in Jesus Christus die eine Kirche bilden in ihrer Verschiedenheit. Auch uns allen hat Gott diesen Geist Gottes geschenkt.

Und das Zweite dann: Ihr sollt meine Zeugen sein bis an die Grenzen der Erde. Die Jünger sollen das bezeugen, was sie von Jesus gehört und gesehen haben. Und gerade auch das ist wohl auch ein Auftrag für unsere Zeit.

Und Sie, liebe Schwestern, die Sie heute ihre Professjubiläen feiern, haben in besonderer Weise einerseits durch diesen Ordensstand, durch dieses Ja in der Ordensprofess und durch Ihren Dienst bezeugt: Wir wollen etwas von dieser Liebe Gottes, die uns geschenkt wurde in Jesus Christus, durch unseren Glauben, durch unsere Gelübde bezeugen, dass wir Hinweise sind auf diesen Jesus Christus, der eben auch diese Botschaft von der Liebe Gottes verkündet und gelebt hat.

Zeugen sein, das ist wohl ein Auftrag für uns alle – in unserer Zeit und in aller Zeit dieser Kirche. Und das Dritte: Dieses Zeugnis wird bestätigt, bekräftigt, durch Zeichen. Es hat da geheißen: Diesen Elf, diesen Jüngern, würde das zugesagt. Aber auch alle, die zum Glauben gekommen sind, werden durch Zeichen bekräftigen, was sie im Glauben empfangen haben. Das heißt, dieses Zeichen, man könnte auch Wunder sagen, ist nicht auf die zwölf Apostel beschränkt, sondern auf alle, die diesen Glauben angenommen haben in der Taufe, wo diese Grundberufung geschehen ist.

Und welche Zeichen werden da genannt? Im Evangelium haben wir zwei davon gehört. Einerseits, sie werden Dämonen austreiben, und, die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.

Es gibt Dämonen, die wohl das Böse bewirken: Unfrieden, Hass, Krieg, usw. Das ist wie ein böser Geist, der in dieser Welt wirkt.

Und an uns liegt es nun, diesen guten Geist hineinzutragen, den Geist des Friedens, der Liebe, der Gerechtigkeit, der Versöhnung. Uns ist dieser Geist geschenkt, dass wir in diesem Geist Gottes dieses Zeichen wirken, das uns im Heiligen Geist geschenkt ist.

Und wenn hier diese Gemeinschaft in besonderer Weise auch diesen Dienst an den Kranken als Berufung sieht, so gilt das wohl auch in besonderer Weise, dass Sie, die Sie heute das Professjubiläum feiern, in verschiedener Weise auch Ihren Dienst versehen haben: direkt am Krankenbett, oder in verschiedenen Bereichen des Krankenhauses, oder im Bereich dieser Gemeinschaft für die Menschen, für die kranken und alten Schwestern.

Heilung kann verschieden geschehen. Einerseits durch die Kunst der Ärzte und der Medizin, durch die Krankenschwestern, aber wir wissen, dass gerade auch liebende Zuwendung, dieses besondere Spüren: Ich bin geliebt und angenommen!, das kann heilend wirken. Das kann einen Menschen wieder aufrichten. Und wenn es zum Sterben hin geht, einfach dieses Vertrauen bestärken: Ich bin in Gottes Hand – weil ich die liebende Hand eines Menschen gespürt und erlebt habe.

So dürfen wir heute den Jubelschwestern danken für ihren Dienst an uns allen danken, wenn wir diese Liebe erfahren haben. Aber zugleich ist der heutige Tag auch ein Auftrag, eine Berufung, durch unser Leben den Glauben zu bezeugen, den Glauben an Jesus Christus, und durch Zeichen, durch tätige Liebe, diese Botschaft bekräftigen. Amen.

Ansprache von M. Oberin Marianne Schuh CCIM an die Jubilarinnen

Es gibt immer wieder Zeiten die uns bemerkenswert erscheinen. So dürfen wir heute Sr. Ottilia und Sr. Rita zu 65 Jahren Profess, Sr. Mechthilde und Sr. Christina zum 60-jährigen Professjubiläum und Sr. Sabine zum 40-jährigen Professjubiläum sehr herzlich gratulieren und so viele Jahre in der Nachfolge des Herrn dankbar bedenken.

Gesamt dürfen sie 290 Jahre Ordensleben feiern – was für ein Schatz! Wie viele geistliche „Kinder“ werden durch das tapfere und treue Lebenszeugnis unserer Mitschwestern geboren und für das ewige Leben behütet worden sein? Ein solches Leben ist kein „dürrer Ast“, so hoffen wir wenigstens, sondern ein blühender und fruchtbarer Baum, Vielen zur Freude. Denn so steht es im Buch Jesaja: „Freu dich, du Unfruchtbare, die nie gebar, du, die nie in Wehen lag, brich in Jubel aus und jauchze! Denn die Einsame hat jetzt viel mehr Söhne als die Vermählte, spricht der Herr.“

In diese Freude wollen wir einstimmen, wenn wir unseren Jubilarinnen, danken, die bis ins hohe Alter in der Mühsal von abnehmenden körperlichen Kräften und gesundheitlichen Problemen, uns immer wieder das Zeugnis geduldigen Wartens auf das Kommen des Herrn geben. Wir alle brauchen Vorbilder, die uns zeigen, dass eine Lebensentscheidung für Gott tragen kann, dass eine Verbindlichkeit möglich ist und dass diese glücklich machen kann. Nur wer sich bindet, wer sein Leben zur Verfügung stellt und es für andere lebt, findet es, „denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ (Mt 16,25)

So danken wir Gott für die Berufungen unserer Mitschwestern, für Seine Geschichte mit ihnen. Wir danken auch, dass Gott ihnen treu war und sie in allen ihren Schwierigkeiten bis hierher getragen hat und das auch weiterhin tun wird, denn so sagt er im Buch Jesaja: „Ich bleibe derselbe, so alt ihr auch werdet; bis ihr grau werdet, will ich euch tragen. Ich habe es getan und ich werde euch weiterhin tragen, ich werde euch schleppen und retten.“ (Jes 46,4)

So ist in diesem Wort der Schrift auch unser Leben ausgesagt: Er bleibt derselbe, den wir in der Jungend als den uns Rufenden erfahren haben und heute noch ist er treu und schenkt unserem Leben Sinn und Kraft, so dass wir voll Dankbarkeit und Freude seine Stärke bezeugen dürfen!

Wir danken in diesem unserem Jubiläumsjahr 2015 auch unserer Mutter Gründerin Barbara Sicharter für ihre Bereitschaft alles zu verlassen und sich auf eine unsichere Zukunft einzulassen, für uns und für viele, die in diesem Haus schon Hilfe und Trost erhalten haben. Sie hat für uns den Weg bereitet und ist uns im Gehorsam Gott gegenüber vorausgegangen. Mit unserer Mutter Gründerin machen wir uns mit Papst Benedikt XVI. bewusst, dass „die Quelle der christlichen Freude die Gewissheit ist, von Gott geliebt zu sein, persönlich von unserem Schöpfer geliebt zu sein, von ihm, der das ganze Universum in seinen Händen hält und jeden von uns und die ganze Menschheitsfamilie liebt, mit leidenschaftlicher und treuer Liebe, einer Liebe, die größer ist als unsere Treulosigkeit und Sünden. Er liebt uns mit verzeihender Liebe.“ (Ansprache bei der Eröffnung der Pastoraltagung der Diözese Rom, 05. Juni 2006)

Wie unsere Gründerin wollen wir uns Gott ganz überlassen und ihm ganz vertrauen, auch in allen Unsicherheiten der Zukunft, denn es ist so, wie dieser Papst es ein andermal formulierte: „Wer anerkennt, dass er ganz auf Gott angewiesen ist, wer »arm vor Gott« und somit völlig offen für seine Liebe ist, der ist »selig«, – wirklich glücklich.“ (Angelus, 03. Februar 2008)

Weil es uns an dieser Armut nie fehlt, dürfen wir unseren Mitschwestern dieses Glück der Geborgenheit in Gott ganz herzlich wünschen und es ihnen heute auch innig im Gebet erflehen! Gott segne unsere Jubilarinnen und schenke ihnen noch viele gesunde und glückliche Jahre im Dienst des Herrn und in der Liebe und wachsenden Beziehung zu unserer guten und liebevollen Mutter Maria! Für heute wünschen wir ihnen einen schönen und frohen Festtag in der Freude am Herrn und mit allen, die heute diesen Tag mit ihnen feiern!

O Maria, Unbefleckte Mutter Jesu, meine zärtliche Mutter

Königin des heiligsten Rosenkranzes, um die Welt mit Licht, mit deinen Gnaden und mit deiner Barmherzigkeit zu erfüllen, hast du dich würdig befunden, im verwüsteten Tal von Pompeji Wohnung zu nehmen, richte gnädig deine mitleidigen Augen auf mich und nimm mich an als deinen Diener und dein Kind, das dich liebt und dir zuruft: Mutter der Barmherzigkeit!

Höre auf mein Seufzen: lass dein unbeflecktes Herz mich den Weg der Reinheit und des Friedens finden. Lass in meinen Ohren die Sanftheit deiner Stimme erklingen, meine liebevolle Mutter, denn deine Worte sind Worte des Lebens. Öffne deine gnadenreichen Hände, komme deinem unwürdigen Diener zu Hilfe und befreie ihn aus den Schlingen seiner Feinde.

Lege mich an die sanften Ketten deiner Krone, mit denen du die hartnäckigsten Herzen an dich ziehst und nimm mein Herz gefangen, damit es sich nie mehr von dir entferne. O reinste Rose, lass den Duft deines Wohlgeruches, mich der Liebe des Paradieses ergeben. Amen.

 

Bleiben wir im Gebet miteinander verbunden bis zum nächsten Herz-Maria-Sühnesamstag, am 06. Juni 2015.

Predigt vom Abend der Barmherzigkeit P. Prof. Dr. Sebastian Athappilly CMI

Jesus, der sonst immer mild und sanft ist, geißelt die Händler im Tempel! Dies mag uns überraschen. Er riskiert sogar sein Leben damit. War ihm dies so wichtig? Was hat ihn so erregt, dass er zur Geißel greift?

Die Jünger finden eine Antwort auf diese Frage im Wort der Schrift: Sie erinnerten sich daran: „Der Eifer für dein Haus verzehrt mich.“ So schließt der erste Teil des heutigen Evangeliums mit einem Erinnerungswort aus der Schrift. Es geht hier um den Eifer für Gott, seinen Vater. Der zweite Teil ist dem Disput gewidmet, der sich anschließt. Jesus stellt sich selbst als Tempel vor und spricht von seiner Auferstehung. Auch dieser Teil wird ebenso mit einem „Erinnerungswort“ abgeschlossen: Als Jesus von den Toten auferstanden war, erinnerten sich die Jünger, dass er dies gesagt hatte. Was Jesus gesagt hat, deutet sein Geschick.

Beide Teile sind miteinander verbunden: im ersten Teil werden Geschäfte aus dem Tempel vertrieben, im zweiten wird der Tempel überhaupt erst neu errichtet. In Johannes Prolog heißt es: in Jesus wohnt das Wort unter uns. Wir sehen die Herrlichkeit des einzigen Sohnes des Vaters, voll Gnade und Wahrheit.

Die Tempelaustreibung in Joh 2 ist also eine Auslegung des Prologs in Johannes 1; sie  erzählt, was im Prolog, der Jesus-Geschichte vorangestellt wird. In diesem Hymnus im Prolog ist Johannes 2 und das ganze Evangelium verwurzelt. Jesus ist der Tempel Gottes!

Der Hinweis auf den Tod Jesu und seine Auferstehung gibt uns den Schlüssel zu einem tieferen Verständnis.

Sie sind Zeichen dafür, dass mit Jesus Christus eine neue Zeit angebrochen ist, die alle bisherigen religiösen Stätten in den Schatten stellt. Schon im Prolog heißt es: Das Gesetz ist durch Mose gegeben worden; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus gekommen. Und weiter: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“. Und er selber lädt uns ein: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt; ich werde euch Ruhe verschaffen!“ An seinem geöffneten, verwundeten Herzen werden wir Ruhe finden.

Mit Jesus beginnt eine neue Epoche des Gottesverhältnisses. „Die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Joh 4,23f.)

Als Jesus seinen Geist aufgab, da zerriss nach Matthäus der Vorhang des Tempels von oben bis unten. Auch dies deutet auf eine neue Zeit hin, die in Jesus angebrochen ist.

Im Markusevangelium finden wir eine ähnliche Botschaft, indem die Tempelaustreibung gleich nach der Verfluchung des Feigenbaumes dargestellt wird. Eine Andeutung daraufhin, dass das alte Israel sich als unfruchtbarer Feigenbaum gezeigt hat. Nach außen hin schön und einladend, aber in Wahrheit fruchtlos. Er fand da nichts als Blätter. Daher wird der Tempel, das Symbol des alten Bundes nun durch Jesus gründlich erneuert und ersetzt.

Anstoß und Ärgernis

Jesus will unser Gottesverhältnis auf eine völlig neue Basis stellen. Er will uns teilhaben lassen an der Wahrheit, an seiner Gotteserkenntnis und an seinem Geist, damit auch wir in der Kraft dieses Geistes rufen können: ABBA, Vater. Er will uns fähig machen, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Gott ist nicht mehr bloß der Gott des Abrahams, des Isaaks und des Jakobs oder des Mose, sondern Gott ist der Gott Jesu! Nur er kennt den Vater und der, dem der Sohn ihn offenbaren will. Niemand kommt zum Vater außer durch ihn.

Auch die zwei Aussagen Jesu bei der Tempelaustreibung enthalten tiefe Wahrheiten über ihn und seinen Auftrag. Die erste Aussage, „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ enthält den hohen Anspruch, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der gekommen ist, um die Ehre seines Vaters zu verteidigen. Gott ist sein Vater, zu dem er Abba sagen darf. So heißt es in Johannes 5,18: Die Juden trachteten danach, ihn zu töten, „weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen Vater nannte und sich damit Gott gleichstellte.“

Jesus war von seinem Vater ganz in Anspruch genommen. Er hat gesagt, seine Speise ist es, den Willen seines Vaters zu tun. Die ersten Worte von Jesus, die im Evangelium stehen, lauten: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“. So sagte der zwölfjähriger Jesus zu Maria und Joseph, die ihn gesucht und am Ende im Tempel wieder gefunden haben. Und dort heißt es weiter über Maria: sie bewahrte alles in ihrem Herzen. Als der Engel Gabriel ihr den Gruß Gottes brachte, heißt es: Maria überlegte sich, sie sann nach, was dieser Gruß zu bedeuten habe; sie überlegte in ihrem Herzen darüber. Im Originaltext auf Griechisch steht: dielogiseto, sie hat im Herzen dialogisiert, erwogen, im Gespräch, nicht mit jemand anderem, sondern mit Gottes Wort. Mit Gott, was Gott von ihr verlangt. Einfach gesagt, sie hat gebetet. So war es auch mit Joseph. Er hat nicht mit jemandem diskutiert, wieso seine Verlobte jetzt ein Kind erwartet, ohne seine Erkenntnis. Und die beiden bekommen die Antwort Gottes durch den Engel. Bei Maria heißt es dann, sie sagte: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“. Bei Joseph heißt es, dass er tat, wie der Engel ihm aufgetragen hatte. Ein Mann der Tat nach dem Willen Gottes, ohne Wenn und Aber. Heute denken wir an ihn, den Patron der Arbeiter.

Dass Jesus den Anspruch als der Sohn Gottes erhoben hatte, beschuldigten ihn die Juden als Gotteslästerer. Was die Juden als Gotteslästerung empfunden, gerade das ist der Grund unseres Heiles und warum wir Jesus annehmen und anbeten. Jesus ist eben nicht bloß ein Mensch, sondern Gott, Gott der Sohn. Wenn wir unsere Erlösung, unser ewiges Heil einem bloßen Menschen wie wir verdanken sollten, das wäre für uns eine Entwürdigung. Gott selbst ist unser Retter. Jahwe ist unser Heil und Heiland. Der Name Jehoschuah, Jeschuah, Jesus, bedeutet dies. Jesus heißt nicht nur so, sondern er ist, was er heißt. Der Engel hatte Josef beauftragt, du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird das Volk von seinen Sünden erlösen (Matt 1,21). Jesus ist Immanuel, Gott-mit-uns.

Jesus, der als Gotteslästerer zum Tode verurteilt und gekreuzigt wurde im Namen des jüdischen Gesetzes, wurde aber vom Vater glorreich bestätigt als der Sohn Gottes durch die Auferweckung bzw. Auferstehung. Da hat Gott, der Herr des Lebens, mächtig gesprochen. Was er bei der Taufe und bei der Verklärung mit der Stimme vom Himmel gesagt hatte, bestätigte er nun durch die Tat der Auferweckung:

„Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!“

Daher schreibt Paulus im Brief an die Römer: „Das Evangelium von seinem Sohn, der nach dem Fleisch aus dem Geschlecht Davids hervorgegangen, machtvoll nach dem Geist der Heiligkeit aufgrund der Auferstehung von den Toten als Sohn Gottes eingesetzt ist.“ Weil er der Sohn Gottes ist, kann er uns befreien. „Jeder, der sündigt, ist Sklave der Sünde. Wenn euch der Sohn frei macht, seid ihr wirklich frei“ (Joh 8,36). Als der Sohn Gottes hat er auch die Vollmacht zur Sündenvergebung. Zum Gelähmten sagte er: „mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ (Mk 2,5). Diese Vollmacht hat er den Aposteln übertragen. „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, und wem ihr sie nicht vergebt, dem bleiben sie unvergeben“ (Joh 20,23). Dies wird durch die Kirche weiter gespendet im Sakrament der Sündenvergebung. Wo sonst finden wir solche Vollmacht, im Namen Gottes die Sünden zu vergeben? Wer könnte sonst diese Vollmacht geben, außer Jesus? Das Sakrament der Sündenvergebung macht uns frei und froh!

Die zweite Aussage Jesu: „Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“ hat er in seiner Auferstehung. Erfüllt. Jesus sprach vom Tempel seines Leibes! Dieses Erinnerungswort beinhaltet folgende Wahrheiten: Als menschgewordener Sohn Gottes, ist er in seiner Menschheit und Leiblichkeit das sichtbare Bild des unsichtbaren Gottes. Daher sagte er: Wer ihn sieht, sieht den Vater. Wie Paulus schreibt, in ihm wohnt die ganze Fülle Gottes leibhaftig. Er ist das Sakrament Gottes. Mit ihm haben wir das wahre und sichere Verhältnis zu Gott. Jesus ist der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch ihn. In keinem anderen Namen haben wir das Heil. Paulus sagt dasselbe: Es gibt einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus.

Jesus will uns teilhaben lassen an der Wahrheit, an seiner Gotteserkenntnis, an seinem Geist und an seinem Leben, nämlich am göttlichen, ewigen Leben, Leben in Fülle. Als der Gute Hirte, ist er gekommen, damit wir Leben haben, Leben in Fülle. Bei der Gabenbereitung mischt der Priester ein wenig Wasser mit dem Wein und betet: „Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat“. Gerade das ist unser Heil.

Wir empfangen dieses Heil in und durch Jesus, sonst durch keinen anderen. Durch ihn empfangen wir den Heiligen Geist, in wem wir zu Gott rufen können und dürfen: ABBA, Vater. Jesus macht uns fähig, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Er wurde, was wir sind, Mensch, damit er uns macht, was er ist, Gott. Darum sagen wir mit dem Hauptmann: „ich bin nicht würdig, dass du mein Haus betrittst“ (Matt 8,8). Aber darum sagen wir auch mit Petrus: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens!“ (Joh 6,68). Darum sagen wir mit dem Hauptmann: „ich bin nicht würdig, dass du mein Haus betrittst“. Aber darum sagen wir auch mit Petrus: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens!“ Dem großen, erhabenen, allmächtigen Gott, unserem Schöpfer und dem Schöpfer der ganzen Welt, begegnen wir in Jesus Christus ganz nah. Darum schreibt Petrus, wie wir in der Lesung gehört haben: „… damit ihr die Großtaten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat in sein wunderbares Licht“ (1 Petr 2,9). Welch ein Wunder der Liebe! Wir können dies nicht begreifen, aber wir können dies demütig annehmen und Gott in froher Dankbarkeit anbeten, Amen.